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StartseiteInformationen am MorgenInternationale Organisationen evakuieren ihre Mitarbeiter08.04.2019

Kämpfe in LibyenInternationale Organisationen evakuieren ihre Mitarbeiter

Die international anerkannte Regierung in Libyen hat eine Offensive gegen die Truppen des mächtigen Generals Haftar angekündigt. In Tripolis haben die Menschen mit Hamsterkäufen begonnen. Internationale Organisationen evakuieren ihre Mitarbeiter. Von Friedensgesprächen scheint das Land weit entfernt zu sein.

Von Björn Blaschke

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Das Bild zeigt einen Pickup mit einem Maschinengewehr auf der Ladefläche. Er gehört zu einer Miliz, die gegen den abtrünnigen Generalt Haftar in Libyen kämpft.  (Mahmud TURKIA / AFP)
Lokale Milizen, die für die international anerkannte Regierung in Tripolis kämpfen. (Mahmud TURKIA / AFP)
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Er ist dafür bekannt, ruhig und zurückhaltend aufzutreten, ja, bescheiden - so ganz anders als die meisten führenden Politiker im Nahen Osten und in Nordafrika: Libyens Regierungschef Fayez al-Sarraj. Und selbst der Angriff seines Hauptgegners, Khalifa Haftar, scheint ihn nicht aus der Ruhe zu bringen, obwohl Sarraj in einer Fernsehansprache klare Worte wählte:

"Wir hatten unsere Hände zum Frieden ausgestreckt. Aber der Angriff der Kräfte Haftars, seine Kriegserklärung gegen unsere Hauptstadt sowie sein Putschversuch gegen den Präsidentschaftsrat wird mit Entschlossenheit und Stärke begegnet. Wir haben den libyschen Streit- und Sicherheitskräften Befehle erteilt – den generellen Befehl, der Bedrohung derer, die destabilisieren wollen und Zivilisten einschüchtern, zu begegnen."

Haftar: "Schießt nur auf die, die Waffen tragen"

Seit 2011 Diktator Muammar al-Gaddafi mit westlicher Hilfe gestürzt wurde, kämpfen Hunderte Milizen und Gangsterbanden um Einfluss. Immer wieder wechseln Allianzen und Fronten. Selbst in der Hauptstadt Tripolis, im Westen Libyens, sind mehr als zwei Dutzend Milizen aktiv; manche stehen zur international anerkannten Regierung von Fayez al-Sarraj; andere nicht. Im Osten Libyens versucht eine Gegenregierung ihre Interessen durchzusetzen – mit ihr verbunden: General Khalifa Haftar. In den vergangenen Monaten haben seine Kräfte auch Teile im Süden Libyens unter ihre Kontrolle gebracht. Donnerstag erteilte Haftar seinen Einheiten den Befehl, auf Tripolis zu marschieren.

"Schießt nur auf die, die Waffen tragen, die schießen und Blut vergießen. Die, die ihre Waffen niederlegen, die zuhause bleiben, und die, die die weiße Flagge hissen, sind sicher."

Khalifa Haftar, Anführer der sogenannten Libyschen Nationalen Armee (LNA) bei einer Konferenz im November 2018 in Palermo (Filippo MONTEFORTE / AFP)General Khalifa Haftar (Filippo MONTEFORTE / AFP)

Wie erfolgreich Haftars Marsch auf Tripolis ist, ist unklar. Einer seiner Militärsprecher verkündete bereits einen großen Zwischensieg:

"Der Flughafen von Tripolis ist unter voller Kontrolle. Der Flughafen und die Straße zu ihm sind unter voller Kontrolle (unserer) Streitkräfte."

Doch Haftars Leute, die mittlerweile von weiteren Einheiten aus dem Osten Unterstützung erhalten sollen, stoßen auf Gegenwehr: Regierungstreue haben am Nachmittag einen Gegenangriff befohlen. Die Reaktion: Einheimische in Tripolis haben mit Hamsterkäufen begonnen; Ausländer werden evakuiert.

Konferenz der Vereinten Nationen in Ghadames

Haftars Angriff ist auch ein Angriff auf die Konferenz, die in den nächsten Tagen im libyschen Ghadames stattfinden soll. Ausgerichtet von den Vereinten Nationen; mit dem Ziel, mit allen wichtigen Fraktionen nach politischen Lösungen für die inner-libyschen Probleme zu suchen. Noch halten die UN an dem geplanten Treffen fest. Allen voran ihr Libyen-Sondergesandter, Ghassan Salame:

"Wir werden nicht aufhören, Tag und Nacht zu arbeiten, die Kämpfe zu beizulegen, Eskalation zu verhindern und eine internationale Haltung zu finden, die diesen Anspruch unterstützt."

Die internationale Staatengemeinschaft mag nach außen geschlossen wirken, wenn es um Libyen geht. Doch in Wirklichkeit gibt es viel zu viele äußere Kräfte, die ihre Interessen in Libyen durchsetzen wollen. Kräfte im Nahen Osten und in Nordafrika, aber auch in Europa.

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