Donnerstag, 30. Juni 2022

Ulkiges Raumfahrt-Bühnenstück
Mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt zum Mond

„Der Flug zum Mond mit dem Raketenflugzeug“ hieß ein Bühnenstück, das die kongenialen Partner Karl Valentin und Liesl Karlstadt im Münchner Kolloseum aufführten – im Jahr 1928, ein Jahr vor Fritz Langs berühmtem Film „Frau im Mond“. Das Publikum war begeistert.

Von Dirk Lorenzen | 04.06.2022

Schon Karl Valentin und Liesl Karlstadt zog's zum Mond – aber sie blieben nicht dort
Schon Karl Valentin und Liesl Karlstadt zog's zum Mond – aber sie blieben nicht dort (LRO/NASA)
Valentin, ein gelernter Schreiner, hat dazu ein Flugzeug aus Holz gebaut, mit kleinen dreieckigen Flügeln und Propeller. Darin nimmt er mit seiner Frau im Mond Platz.
Der „sensationelle technische Ulk“, wie das Plakat zur Aufführung versprach, begeisterte das Publikum. Im „Himmelflugkommando“ wurden der Start und die Reise zum Mond als Trickfilm eingespielt, auf der Bühne gebannt verfolgt von Menschen an Fernrohren. Schließlich prallt das Flugzeug am Mond ab und es kommt zur Bruchlandung auf der Erde, die die beiden Protagonisten gut überstehen.
Den Flügen zum Mond, die im Laufe dieses Jahrzehnts erfolgen sollen, könnte es ähnlich ergehen. Womöglich bekommen auch sie – im übertragenen Sinne – den Erdtrabanten nicht zu fassen. Ganz so einfach und unterhaltsam wie damals sind die lunaren Missionen heutzutage nicht mehr. In der Raumfahrteuphorie Ende der zwanziger Jahre brauchte man nicht viel:
„Die Voraussetzungen sind ja alle da. Mia sind da – das Flugzeug ist da – der Mond ist da“, sagte Liesl Karlstadt kurz vor dem Abheben. Der ulkige Mondflug lässt sich noch heute nachempfinden: Das Bühnensetting von Valentin und Karlstadt ist im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg als begehbare Kulisse nachgebaut – inklusive hölzernem Raketenflugzeug.