Freitag, 09. Dezember 2022

Kritik an Katar-WM in Großbritannien
Sportswashing mit Beckham und Robbie Williams

Vor der Fußball-WM gibt es auch aus Großbritannien viel Kritik an Katar wegen Menschenrechtsverstößen, Ausbeutung und Diskrimnierung. In Misskredit gerieten auch Stars wie David Beckham oder Robbie Williams, wegen ihrer PR-Auftritte für den umstrittenen WM-Gastgeber.

Von Gabi Biesinger | 12.11.2022

English former football player and UNICEF ambassador, David Beckham takes part in a panel at the Doha Forum in Qatar's capital on March 27, 2022. (Photo by AMMAR ABD RABBO / MOFA / DOHA FORUM)
PR-Tour für Katar - David Beckham in Doha (DOHA FORUM / AMMAR ABD RABBO)
In Großbritannien hagelt es Kritik an der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar aus verschiedenen Richtungen. Liverpools Trainer Jürgen Klopp etwa ist sauer, weil durch die Winter-WM die Premier-League-Saison unterbrochen wird. Das sei bis drei Wochen vor der WM nicht problematisiert worden. Die ausgelaugten Spieler würden sich dann eben jetzt verletzen, das sei eine Katastrophe, aber er könne es nicht ändern. 

Katar-WM als Politikum - auch in Großbritannien

Sechs von zehn Briten sehen laut Umfragen die WM in Katar kritisch, wegen Menschenrechtsverletzungen mit Blick auf Strafen für Homosexualität und die Versklavung von Arbeitskräften. Kontrovers diskutiert wird, ob und wenn ja, welche Politiker zu den Spielen reisen sollten. Außenminister James Cleverly setzte sich in die Nesseln, als er schwule WM-Besucher aufforderte, die Kultur des Gastlands zu respektieren - und sich damit anschickte, Diskriminierung zu verteidigen. Spielerfrauen und -freundinnen wurden instruiert, sich angemessen zu kleiden und nicht öffentlich Alkohol zu trinken.
Breit in den britischen Medien behandelt wurde in den vergangenen Tagen die Äußerung des katarischen WM-Botschafters Khalid Salman, Homosexualität sei ein geistiger Schaden, die das deutsche ZDF in einer Doku gezeigt hatte.
Helen Hardy, Gründerin des non-binären Fußballclubs Manchester Laces reagierte ernüchtert. Das sei extrem beleidigend, mache aber noch einmal ganz deutlich, wo Katar in Sachen LGBTQ+-Rechte stehe.

Ikonen wie David Beckham, Gary Neville und Robbie Williams in der Kritik

Kritisiert werden in Großbritannien auch Prominente, die sich für die WM in Katar engagieren oder dort als Kommentatoren arbeiten. Der gern von Schwulen verehrte Popstar Robbie Williams geriet in einen Fan-Shirtstorm, nachdem bekannt wurde, dass er bei der WM singen wird. Ex-Nationalspieler David Beckham soll 150 Millionen Pfund bekommen haben, um in fröhlichen Filmchen als Gesicht des Turniers zu werben.
Und Ex-Manchester-Star Gary Neville hat sich beim katarischen Staatssender beIN SPORTS als Experte verdungen. In einer BBC-Quiz-Show wurde Neville dafür heftig angegangen und versuchte sich zu verteidigen: "Entweder man hält die Klappe und bleibt zu Hause. Oder man spricht die Probleme direkt vor Ort an und das ist meine Devise."

Kapitäne Kane und Bale mit "One Love"-Binde

Der Satiriker Ian Hislop hielt ihm entgegen, er könne die Menschenrechtsverletzungen auch von England aus thematisieren und müsse dafür nicht das Geld der Katarer annehmen. Schließlich spottete Hislop noch, wie so eine kritische Spielreportage klingen könnte: "Die Fußball-WM hat begonnen in diesem furchtbaren Land... - Oh, jemand tritt gegen den Ball. Die Zahl der getöteten Arbeitsmigranten ist schockierend… - Oh, da ist ein Tor gefallen."  
Die Kapitäne der englischen und der walisischen Nationalelf, Harry Kane und Gareth Bale, wollen wie die Mannschaftsführer anderer europäischer Teams auch mit toleranzfordernden "One Love"- Armbinden mit Regenbogen-Herzchen auflaufen - im Zweifel auch gegen das Verbot der Fifa. Kritiker sprechen von Alibi-Aktionen und Sportswashing.