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StartseiteUmwelt und VerbraucherAuf Platz eins des Klima-Risiko-Indexes: Puerto Rico 04.12.2018

Katastrophenbilanz 2017Auf Platz eins des Klima-Risiko-Indexes: Puerto Rico

11.500 Tote und ein Gesamtschaden von mehr als 275 Milliarden US-Dollar – 2017 war weltweit das schlimmste Extremwetterjahr der jüngeren Geschichte. Die Umweltorganisation Germanwatch hat auf der Klimakonferenz in Kattowitz ihren Klima-Risiko-Index vorgestellt. Manche Regionen trifft es immer.

Von Georg Ehring

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Der Hurrikan "Maria" hat in Puerto Rico schwere Schäden angerichtet (21.9.2017). (AFP / Hector Retamal)
Der Hurrikan Maria hat im September 2017 in Puerto Rico schwere Schäden verursacht. (AFP / Hector Retamal)
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Immer wieder die Karibik und immer wieder Südasien: Diese beiden Regionen sind Jahr für Jahr besonders stark von Katastrophen betroffen, die mit der Erderwärmung in Verbindung stehen. Im vergangenen Jahr stehen Puerto Rico, Sri Lanka und die Karibikinsel Dominica auf den ersten Plätzen des Klimarisiko-Indexes, den die umwelt- und entwicklungspolitische Organisation Germanwatch bei der Klimakonferenz in Kattowitz vorgelegt hat. David Eckstein gehört zu den Verfassern des Berichts.

"Das Event, das am meisten eingeschlagen hat in den Ergebnissen, war der Hurrikan Maria, der extreme Verwüstungen in Puerto Rico verursacht hat, aber auch in Dominica, wo, ich glaube über das doppelte Bruttoinlandsprodukt an Schäden verursacht wurden. In Puerto Rico sieht es ähnlich aus, da gab es über 3.000 Tote, und das erklärt das hohe Ranking dieser beiden Staaten."

"Das ganze Land wurde aus der Bahn geworfen"

Lloyd Pascal ist im Umweltministerium auf Dominica für die Bewältigung der Folgen des Hurrikans Maria zuständig, und er ist Kummer gewohnt.

"Wir liegen fast im Zentrum des Hurrikangürtels. Die atlantischen Hurrikans, die sich aus Afrika in die Karibik und nach Amerika bewegen, ziehen immer an Dominica vorbei - nicht alle treffen uns."

Hurrikan Maria traf Dominica und die Folgen werden noch viele Jahre spürbar sein.

"Das ganze Land wurde aus der Bahn geworfen - in jeder Hinsicht. Alle Straßen waren blockiert, viele Brücken wurden einfach weggeblasen. 90 Prozent der Häuser  wurden beschädigt oder zerstört. Viele Menschen starben. Wir kennen nicht die exakten Zahlen, doch wir haben mitbekommen, wie ein Haus einfach weggeschwemmt wurde. Die Bewohner wurden nie gefunden, niemand konnte sie begraben."

In Sri Lanka waren es im vergangenen Jahr  extreme Regenfälle, die für ungewöhnlich starke Zerstörungen sorgten.

Auch in der langfristigen Bilanz sind die Karibik und Südasien besonders betroffen - für den Zeitraum von 1998 bis 2017 stehen Puerto Rico, Honduras und Myanmar ganz oben im Index. Maik Winges von Germanwatch dazu:

"Wir sehen, dass natürlich die Länder, die besonders wenig zum Klimawandel beigetragen haben, besonders stark darunter leiden. Das bedeutet aber nicht, dass Industrieländer und Länder in Europa nicht davon betroffen sind. Wir sehen, dass regelmäßig auch die USA und in Europa  alle Länder Mitteleuropas relativ weit oben in unserem Index landen."

Anpassung an den Klimawandel

Deutschland steht in dem Index in der langfristigen  Bilanz auf Platz 23, der Hitzesommer 2003 mit vielen Todesfällen ist ein Grund dafür. Für 2018 liegen noch keine Daten vor, doch vermutlich gab es mehr katastrophale Ereignisse als zuvor. Für den Index nutzt Germanwatch Daten des Naturkatastrophen-Dienstes des Versicherers Munich Re. Erfasst werden sowohl der Verlust von Menschenleben als auch ökonomische Schäden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und Größe des jeweiligen Landes.

Bei der Klimakonferenz in Kattowitz dürfte die Katastrophenbilanz für Diskussionen sorgen. Entwicklungsländer fordern von den Industrieländern mehr Hilfe bei der Anpassung an den Klimawandel - die Industrieländer sind hier zurückhaltender als bei der Hilfe etwa für den Einsatz erneuerbarer Energien. Marie-Lena Hutfils von Germanwatch nennt Forderungen.

"Im Bereich Klimaschutz und Anpassung muss natürlich mehr getan werden, aber auch der Umgang mit Klimawandel bedingten Schäden und Verlusten muss vermehrt in den Vordergrund geraten. Gerade wenn es jetzt auf der Klimakonferenz um das Regelbuch geht, also die Umsetzung des Paris-Abkommens, muss in der Hinsicht mehr getan werden."

Das Regelbuch steht im Zentrum der Konferenz, es soll eine Art Gebrauchsanleitung für das Pariser Abkommen werden. Entwicklungsländer fordern möglichst genaue Festlegungen für ihre Unterstützung im Klimaschutz - und zuverlässige Finanzflüsse, um mit den Folgen von Naturkatastrophen fertig zu werden, die durch die Erwärmung häufiger oder auch intensiver werden.

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