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StartseiteWirtschaft am Mittag"Wirtschaftliche Vernunft hat gesiegt"25.04.2019

Keine Großbanken-Fusion"Wirtschaftliche Vernunft hat gesiegt"

Vor der Finanzkrise wäre eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank möglicherweise gekommen, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz im Dlf: "Man hätte versucht, sich ein Denkmal zu setzen." Glücklicherweise seien die handelnden Personen heute schlauer.

Klaus Nieding im Gespräch mit Dorothee Holz

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(picture alliance | Frank Rumpenhorst | dpa)
Seit Mitte März wurde eine Fusion geprüft - nun ist klar, die Banken gehen nicht zusammen (picture alliance | Frank Rumpenhorst | dpa)
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Dorothee Holz: Herr Nieding, wie ist denn Ihre Gefühlslage?

Klaus Nieding: Ich bin erleichtert und bestätigt zugleich. Ich habe ja schon Mitte März gesagt, dass ich davon ausgehe, dass ein Scheitern dieser Fusionsgespräche zu über 90 Prozent stattfinden wird. Und erleichtert darüber, dass die wirtschaftliche Vernunft in beiden Häusern gesiegt hat.

"Für das bisschen Chance waren die Risiken wohl zu groß"

Holz: Das hat ja auch die Deutsche Bank gesagt, wirtschaftliche Vernunft. Aber glauben Sie das wirklich? War es nicht letztendlich der Druck der Großaktionäre?

Nieding: Ich glaube, es war vor allen Dingen die Erkenntnis, dass man unter dem Strich nicht so viel wird gewinnen können, wie man sich das von einem solchen Projekt versprechen muss. Oder um es anders zu sagen: Für das bisschen Chance waren die Risiken wohl zu groß, wenn Sie an die Arbeitnehmerinnern und Arbeitnehmer denken, die aufgrund von Kosteneinsparungen ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Wenn Sie daran denken, dass auch Großaktionäre etwa der Deutschen Bank sehr kritisch diesem Vorhaben gegenüberstehen. Wenn Sie daran denken, dass eine Postbank immer noch nicht integriert ist in die Deutsche Bank und wie lange die Integration der Dresdner Bank bei der Commerzbank gedauert hat. Das alles führt letztlich dazu, dass hier die wirtschaftliche Vernunft siegt. Und um das auch direkt an dieser Stelle mal ganz klar zu sagen: elf oder zwölf Jahre früher – und diese Fusion wäre möglicherweise gekommen, man hätte versucht, sich ein Denkmal zu setzen. Glücklicherweise sind die handelnden Personen heute schlauer.

Holz: Sie haben vielleicht eins nicht aufgeführt: Gab es da nicht auch einige Leichen im Keller, also einige Probleme in der Bilanz, wo beide gesagt haben, nee, das ist uns jetzt doch zu heißt?

Nieding: Ganz klar, ich sage ja, für das bisschen Chance waren die Risiken zu hoch. Man hat in beiden Häusern gesehen, dass auch die Geschäftsbereiche sehr stark überlappen, dass man also im Grunde genommen bei den Problemkindern, die man jeweils in den Büchern hat nicht so wahnsinnig nach vorne kommt. Und da braucht man sicherlich andere Partner, die da auch mehr versprechen.

Holz: Commerzbankchef Zielke hat trotz des drohenden massiven Jobabbaus die Fusion ganz klar befürwortet. Wie steht er denn jetzt im Unternehmen da? Muss er nicht sagen, ich war für diese Seite, jetzt bin ich nicht mehr der richtige Chef?

Nieding: Nein, also soweit würde ich nicht gehen. Herr Zielke hat ja gesagt, wir führen diese Gespräche ergebnisoffen, genauso wie Herr Sewing. Insofern kann man jetzt nicht da Forderungen nach Rücktritt oder ähnlichem stellen sondern im Gegenteil. Ich sage nochmal ganz deutlich: hier hat die wirtschaftliche Vernunft gesiegt und sagen wir mal nicht das Prestigedenken oder wie wir es noch vor der Finanzkrise auch kritisiert haben an der einen oder anderen Stelle, der Größenwahn. Sondern hier ist man ganz vernünftig und ganz solide an die Dinge rangegangen und da danke ich beiden Herren dafür.

"Eigenes Geschmäckle"

Holz: Ein Dank also von dieser Seite. Kein nationaler Champion also, das war ja der Wunsch der Bundesregierung, gibt es jetzt vielleicht eine europäische Lösung?

Nieding: Dass die Bundesregierung dieses Projekt von Anfang an befürwortet hat, hatte ja sein eigenes Geschmäckle. Ich glaube, Herr Scholz hat da im Grunde genommen zwei Dinge gesehen: zum einen sind wir in einem Wahlkampfjahr und auf der anderen Seite wäre der Bund ganz elegant aus seiner 15-Prozent-Beteiligung bei der Commerzbank rausgekommen. In der Tat, die europäische Idee ist glaube ich die richtige und das passt wunderbar zum Europawahlkampf. Ich glaube, beide Parteien, beide Banken haben gute europäische Partner, mit denen sie das eine oder andere zusammen machen können. Vielleicht die große Fusion, vielleicht auch ein Stückchen tiefer, das heißt, dass man Geschäftsbereiche zusammenlegt. Und das müssen wir mal abwarten, was sich da in den nächsten Wochen und Monaten für Chancen ergeben.

Holz: Schnappt sich jetzt die Unicredit die Commerzbank?

Nieding: Nicht auszuschließen. Denn sie hat ja mit der bayrischen Hypo ein Pendant, was man wunderbar dazu führen könnte. Aber es gibt auch andere, die interessant wären, mit denen die Commerzbank Gespräche führen, genauso wie die Deutsche Bank übrigens. Also das bleibt spannend und deswegen kann ich auch die Reaktion der Anleger im Augenblick verstehen, die sind so ein bisschen hin und hergerissen, die warten natürlich ab, die gucken was passiert in den nächsten Wochen und Monaten. Da ist immer noch Fantasie drin in den beiden Aktien.

Holz: Aber gibt es denn auch wirklich einen Plan B, der überzeugend ist?

Nieding: Das müssen wir abwarten. Das werden wir auf der Hauptversammlung abfragen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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