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StartseiteEine WeltNeue Mittel gegen verdorbenes Obst und Gemüse17.09.2016

KeniaNeue Mittel gegen verdorbenes Obst und Gemüse

Mehr als die Hälfte der in Kenia in großen Mengen angebauten Mangos verfault, bevor sie die Verbraucher erreicht. Das hat verschiedene Gründe. Ein Gegenmittel besteht in verbesserter Kühlung. Kleinunternehmer gewinnen zudem aus Mangos und anderen Früchten neuerdings Flocken und Pulver. Das kommt vor allem bei besser gestellten Kenianern gut an.

Von Thomas Kruchem

Der Nakuru Nationalpark in Kenia (picture-alliance/ dpa / Andreas Gebert)
Unter der Sonne Ostkenias vergammelten Mangos binnen eines Tages, sagt ein Mitarbeiter der amerikanischen Hilfsorganisation Technoserve. (picture-alliance/ dpa / Andreas Gebert)
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Chuka, ein Städtchen im Meru County Ostkenias. In der Aula einer Schule erklärt ein Experte der amerikanischen Hilfsorganisation Technoserve fünfzig Bauern moderne Produktionsmethoden für Mangos. Denn mehr als die Hälfte der in Kenia in großen Mengen angebauten Mangos verfault, bevor sie die Verbraucher erreicht. Auf jungen Früchten lege der Mangokäfer seine Larven ab, die mit Insektiziden bekämpft werden müssten, erklärt der Dozent. Und kurz vor der Ernte kämen dann die Fruchtfliegen, weiß aus leidvoller Erfahrung der fast siebzigjährige Bauer Peter Muganya.            

"Wenn die Früchte fast reif sind, zieht ihre Süße Fruchtfliegen an. Die durchstechen die Haut der Früchte und legen Eier ab. Die Maden lassen dann die Früchte verfaulen; und der Bauer verliert einen Großteil seiner Ernte."

Die Sonne lasse Mangos binnen eines Tages vergammeln

Von nun an will Muganya zehn Fruchtfliegenfallen pro Hektar in seine Bäume hängen. Die Fallen kosten 30 Euro im Jahr und verhindern angeblich Verluste im Wert von 200 Euro. Bei der Ernte rissen viele Bauern die Mangofrüchte von den Ästen oder schüttelten sie aus den Bäumen, sagt Dickson Mbando, Chef von Technoserve in Kenia. Die Bauern wüssten nicht, dass derart rabiat behandelte Früchte später faulen. Richtig pflücke man Mangos frühmorgens oder abends – mit einer sanften Drehbewegung oder mit einem Pflückkorb am langen Stiel. 

"Direkt nach dem Pflücken sollte der Bauer die Früchte auf ein Holzregal legen – mit der Pflückwunde nach unten, sodass austretender Saft auf den Boden tropft – und nicht auf andere Früchte. Anschließend sollte der Bauer die Früchte in gechlortem Wasser waschen und in einem kühlen Raum lagern – zum Beispiel in einem traditionellen Holzkohlekühler. Da bleiben sie eine Weile frisch."

Unter der Sonne Ostkenias vergammelten Mangos binnen eines Tages, sagt Mbando. Nicht so im Holzkohlekühler: vier zehn Zentimeter starke Wände aus Holzkohlestücken, zusammengehalten durch Maschendraht, abgedeckt mit Gras oder Stroh. Auf die Holzkohle wird kontinuierlich etwas Wasser geleitet; und fertig ist – dank der entstehenden Verdunstungskälte – ein Kühlraum, in dem es zehn Grad kälter ist als draußen. Der Kühlraum koste mit einer Kapazität von 150 Tonnen rund 4.000 Euro, sagt Mbando. Erschwinglich für eine größere Gruppe von Bauern, 
eine Kooperative.

Mangos können im Holzkohlekühler vier Tage lagern, Gemüse in Polyäthylenfolie sogar acht Tage. Die Kühlung, sagt Mbando, gebe den Bauern zeitlichen Spielraum – um ordentlich zahlende Käufer für ihre Früchte zu finden
oder sie weiter zu verarbeiten. Eine von kenianischen Kleinbauern noch kaum genutzte Option – trotz eines alljährlich wiederkehrenden Problems: Mango-, Guava-, Papaya- und Passionsfrüchte; Avocados, Tomaten, Grünkohl – das meiste Obst und Gemüse einer Art wird zur selben Zeit reif. Die Märkte der betreffenden Region werden dann überschwemmt vom jeweiligen Produkt; die Preise fallen 
rapide; viel Obst und Gemüse vergammelt im Einzelhandel. Für den Bauern rentiert sich oft nicht einmal die Ernte. Er lässt dann seine Familie essen, soviel sie kann; und der Rest verfault. 

Einen möglichen Weg aus dieser Marktkrise zeigt der gut gehende Kiosk der jungen Joey Masekende mitten im Verkehrstrubel des Städtchens Chuka.

"Ich verkaufe hier Mangoflocken, Ananasflocken und Bananenflocken. Ich habe auch viele Sorten Mehl – aus Kürbis, Bananen und Süßkartoffeln; aus Maniok, Fingerhirse, Sorghum und Karotten. Die Kürbiskerne hier kosten hundert Schilling; das Porridge aus mehreren Sorten Hirse, Kürbis und grüner Banane bekommen Sie ebenfalls für hundert Schilling pro Pfund." 

Alternative: Flocken und Pulver aus Obst und Gemüse

Die von Joey verkauften Flocken und Pulver aus Obst und Gemüse sind relativ neu auf dem kenianischen Markt. Zu den wenigen Unternehmen, die sie produzieren, zählt die kleine Firma Azuri Health, betrieben von der 40jährigen Tei Mukunya in Nairobi. Tei hat zwei blitzsaubere Schuppen und einige Trockenkästen unter Plastikfolie in den Garten ihres Vaters gestellt. Seit einigen Jahren produziert sie dort, mit 15 Mitarbeitern, Mango- und Ananasflocken – die allerdings viel kosten: 200 Gramm kosten so viel wie ein Arbeiter am Tag verdient. Gleichwohl greife die wachsende Mittelschicht zu, sagt die Kleinunternehmerin.

Immer mehr gut situierte Kenianer wollten kein importiertes Junkfood mehr essen. Aufgeklärt durch Internet und soziale Medien wollten sie heimisches Obst auch dann, wenn es nicht frisch auf dem Markt erhältlich sei. Die mit einer modernen Versiegelungsmaschine attraktiv 
verpackten Trockenfrüchte seien ein beliebter Snack auch für Schulkinder.

Tei Mukunya achtet streng auf beste Qualität. Vorgetrocknete Ananas bezieht sie von einer Kleinunternehmerin in Uganda; Süßkartoffelmehl aus Westkenia. Teis Mango-Lieferanten leben im Osten, im Meru County, wo sie sie sorgsam auswählt und ausbildet. Die Bauern lernen dort, die Früchte gründlich zu waschen, in Scheiben zu schneiden und zu trocknen – auf feinmaschigen, vor Insekten geschützten Netzen. Aber:

 "Mit allzu vielen Bauern können wir nicht zusammenarbeiten. Wir sprechen mit ihnen; und dann wissen wir schnell, ob wir mit ihnen arbeiten können. Es geht um ihre Einstellung. Wenn einer immer nur Geschenke erwartet, können wir keine Geschäfte mit ihm machen. Wir sind schließlich kein Wohltätigkeitsverein. Wir wollen nur, sauber und nachhaltig Geschäfte mit den Bauern machen. Einige verstehen das, viele nicht. Und auf die, die verstehen, konzentrieren wir uns."

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