Dienstag, 31. Januar 2023

Doping in Kenia
Mit 25 Millionen Dollar raus dem Dopingsumpf

Kenia gehört zu den drei Nationen mit den meisten Doping-Sündern. Zuletzt hatte es wieder öffentlichkeitswirksame Dopingfälle zweier Marathonläuferinnen gegeben. Um einer Sperre von internationalen Wettbewerben zu entgehen, legt das Land ein neues Anti-Doping-Programm auf.

Von Piet Kreuzer | 09.01.2023

Die kenianische Marathonläuferin Purity Rionoripo beim Paris-Marathon 2017.
Die kenianische Marathonläuferin Purity Rionoripo beim Paris-Marathon 2017. (imago / PanoramiC / Michael Baucher)
Kenia steht seit sieben Jahren in der obersten Kategorie der Beobachtungsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. In den vergangenen Monaten gab es öffentlichkeitswirksame Fälle wie die bekannten Marathonläuferinnen Diana Kipyoke und Purity Rionoripo. Das brachte das Fass zum Überlaufen, dem kenianischen Verband drohte ein Ausschluss von allen internationalen Wettbewerben. 
Kenias Politik legt daraufhin wieder einmal ein Anti-Doping-Programm auf. Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbands, Sebastian Coe, reiste vergangene Woche in das ostafrikanische Land um mit Politikern und Sportfunktionäre über die Massnahmen zu diskutieren. Coe wollte sich ein Bild machen und darüber diskutieren, welche Konsequenzen nun für die kenianische Leichtathletik anstehen und drohen. Kenia werde im Kampf gegen Doping alles tun, twitterte Präsident William Ruto nach seinem Treffen mit Coe.

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Sein Sportminister Ababu Namwamba erläutert das Vorhaben der Regierung in den kenianischen Medien:

"Wir wollen mehr Aufklärung"

„Um diesen Plan voranzutreiben, hat die Regierung bereits 5 Millionen Dollar pro Jahr für die nächsten fünf Jahre zugesagt. Das sind 25 Millionen US-Dollar. Und mit diesem Geld werden wir den Kampf gegen Doping in vollem Umfang unterstützen. Wir wollen mehr Aufklärung, mehr Sensibilisierung betreiben. Wir wollen mehr Tests durchführen, Sie werden also eine viel breitere Palette von Tests sehen. Unter Leitung unserer Anti-Doping-Agentur Kenia.“
Weltverbandspräsident Coe begrüßt das Vorhaben.
„Ich danke Präsident Ruto dafür, dass er sich auf Regierungsebene nicht nur dafür einsetzt, diesen Wandel voranzutreiben. Sondern auch die Mittel zur Bekämpfung aufstockt: Mehr und umfassendere Test, eine verstärkte Aufklärung und Bildungsprogramme. Denn das sind entscheidende Faktoren, um diese Probleme zu bekämpfen. Ohne diese Mittel ist es unwahrscheinlich, dass die Pläne in die Tat umgesetzt werden.“

"Doping muss kriminalisiert werden"

Man müsse diese Maßnahmen jetzt überwachen, um sicherzustellen, dass sie auch umgesetzt werden und sich Fortschritte einstellen, so Coe weiter. Kenias Sportminister Namwamba kündigte in der BBC noch weitere Schritte an:
„Wir brauchen definitiv strengere Gesetze. Doping muss kriminalisiert werden, der Umgang mit Dopingsubstanzen muss genauso hart wie der Gebrauch von Betäubungsmitteln bestraft werden.“   

Bislang keine strafrechtliche Verfolgung

Ein Deja-Vu. 2016 drohte Kenia wegen zahlreicher Dopingfälle der Ausschluss von den Olympischen Sommerspielen in Rio. Damals wurde die Anti-Doping-Agentur gegründet und Dopingbetrügern mit strafrechtlichen Sanktionen gedroht. Bislang wurde jedoch noch niemand strafrechtlich verfolgt.
Warum Kenia aber anders als Russland trotz des offenbar nicht wirklich funktionierenden Systems – derzeit sind 55 Sportler gesperrt und acht suspendiert -  nicht ausgeschlossen wird, diese Fragen muss sich auch der Weltverband mit Präsident Coe gefallen lassen.

Noch ein langer Weg für Kenia

„Es gibt Unterschiede: In den ersten Jahren ging es dort um Vertuschung, um Vernebelung und darum, der Aufdeckung zu entgehen. In Kenia ist das anders, wie aus dem Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur hervorgeht. Diese Vertuschungen wurden in Russland auf staatlicher Ebene organisiert. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass dies in Kenia der Fall ist. Eher das Gegenteil.“
Aber Coe betont auch, es sei noch ein langer Weg für Kenia, um Doping auszurotten.