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StartseiteMarkt und MedienKerner und Co.06.05.2006

Kerner und Co.

Wenn aus Journalisten Werbeträger werden

Reinhold Beckmann und Johannes B. Kerner sind Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und sie sind so genannte Testimonials für Versicherungskonzerne und Fluggesellschaften. Ob das der Glaubwürdigkeit der Branche dienlich ist, kann man bezweifeln.

Von Rüdiger Heimlich

Journalist und Werbeträger: Johannes B. Kerner hebt ab. (AP)
Journalist und Werbeträger: Johannes B. Kerner hebt ab. (AP)

Beim Fernsehen lernt man doch ständig dazu. Englisch zum Beispiel. Prime Time, Talkmaster, Product Placement, Sponsoring - auch das Wort "Testimonial" käme ohne das Fernsehen im Deutschen vermutlich gar nicht vor.

Reinhold Beckmann, zum Beispiel, ist ein Testimonial. Für einen Versicherungskonzern kommentiert der bekannte Talkmaster, so heißt es, "als neutraler Beobachter das moderne Leben mit seinen veränderten und manchmal beängstigenden Zukunftsperspektiven". Im Klartext: Beckmann wirbt für die private Altersvorsorge und spricht dem Versicherungsunternehmen als "Testimonial" öffentlich sein Vertrauen aus.

Auch Johannes B. Kerner ist ein "Testimonial" und bewirbt derzeit auf jeder frei verfügbaren Plakatwand der Republik für die Aktie einer Fluggesellschaft. Auch dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Ja, muss man den beiden Unternehmen wirklich gratulieren. Mit Beckmann und Kerner haben sie zwei überzeugende Werbeträger gefunden.

Die Ich-AG Beckmann zeigt, dass auch ein Freier Journalist mit ein paar gut dotierten Nebenjobs privat gut vorsorgen kann. Und der Dampfplauderer Kerner beweist vier Mal in der Woche, dass einer mit jeder Menge komprimierter Luft ganz schön abheben kann.

Nur ARD und ZDF schauen irgendwie gekniffen in die Röhre. Und sie haben auch allen Grund dazu. Denn im Falle Beckmann war die ARD nicht über den Nebenjob ihres Mitarbeiters informiert. Und Johannes B. Kerner hat das ZDF ohne Skrupel erlaubt, dass ihr Mitarbeiter seine Zuschauer als Kleinanleger zu einem riskanten Börsengang einlädt.

Was die Affäre noch misslicher macht: Beckmann nutzte seine Sendung, um, wie hieß das doch so schön, "das moderne Leben mit seinen manchmal beängstigenden Zukunftsperspektiven" zu thematisieren, im Klartext: über private Altersvorsorge zu sprechen.

Und Kerner bat gleich den Chef seiner Fluglinie auf die Couch. Der Zuschauer aber hat keine Ahnung, wer da mit wem außerhalb des Bildschirms privatgeschäftliche Kontakte pflegt, in wessen werblichen Diensten ein Talkmaster sonst noch unterwegs ist.

Es ist also Transparenz von Nöten. Als erstes würde es helfen, englische Begriffe zukünftig vermeiden. Statt Talkshow sollte man die Sendung deutlich als Mitarbeiter- oder Werbungsgespräch kennzeichnen; statt Interview sollte ein Gespräch unter Geschäftspartnern angekündigt werden. Und schließlich sollten ARD und ZDF prüfen, ob es sich mit dem Ruf einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Anstalt verträgt, wenn seine bestbezahlten Mitarbeiter an jeder Straßenecke ihr Reklamelächeln vermieten.

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