Einigung nach fast 20 Jahren Verhandlung
Kernpunkte des Handelsabkommens zwischen der EU und Indien

Die EU und Indien haben sich nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Es schafft die Grundlage für den freieren Handel mit Waren und Dienstleistungen in einem Markt mit etwa zwei Milliarden Menschen. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte im Vertrag.

    Der indische Premierminister Narendra Modi (Mitte) posiert für ein Foto mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Antonio Costa (links), und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, vor ihrem Treffen in Neu-Delhi, Indien.
    Die EU und Indien haben sich auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. (picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Manish Swarup)

    Welche Zölle werden gesenkt oder aufgehoben?

    Das Abkommen ebnet den Weg für die Öffnung des bislang stark abgeschotteten indischen ⁠Marktes für Unternehmen aus der EU, die bereits jetzt der größte Handelspartner des Landes ist. Die Zölle auf mehr als 90 ‌Prozent der EU-Exporte nach Indien werden abgeschafft oder gesenkt. Für 30 Prozent der mit der EU gehandelten Waren sinken die Zölle auf null. So werden etwa die meisten Zölle auf Industriewaren wie Maschinen, elektrische Ausrüstung, Chemikalien und Arzneimittel vollständig aufgehoben. Zudem sollen die Zollverfahren vereinfacht werden. Die EU teilte mit, es werde erwartet, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdoppelung der EU-Exporte nach Indien führen werde.
    Die europäische Autoindustrie wird besonders profitieren. Die indischen Autozölle sinken über fünf Jahre von 110 auf zehn Prozent. Dies gilt im Rahmen einer jährlichen Quote von 250.000 Fahrzeugen und dürfte Volkswagen, BMW , Mercedes-Benz und Renault deutlich zugutekommen.

    Welche Ausnahmen gibt es?

    Landwirtschaftliche Produkte und Autos aus Indien sind nicht von der Zollsenkung betroffen. So sind Rindfleisch, Reis, Zucker, Milchprodukte und Geflügel von dem Abkommen ausgenommen. Die EU-Vorschriften ‍zur Lebensmittelsicherheit bleiben unverändert. Anders als beim aufgeschobenen Mercosur-Abkommen - dem weiteren großen Freihandelsabkommen, das die EU beschließen will - ist daher nicht mit Protest von Landwirten zu rechnen.

    Wo soll die Zusammenarbeit noch gestärkt werden?

    Indien bemüht sich um einen besseren Zugang zu den zollfreien EU-Importquoten für Stahl. Eine Entscheidung darüber wird bis zum 30. Juni erwartet. Nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen sind vom Abkommen betroffen. Die EU öffnet mehr als 140 Dienstleistungsbereiche für Indien, Indien im Gegenzug fast 100 für die EU. Im Zuge des Abkommens werden auch verbindliche Regeln zu ​Arbeitsrechten, Umweltschutz und zur Stärkung der Rolle der Frau festgelegt. Regeln für den digitalen Handel sollen die Wirtschaft unterstützen und gleichzeitig den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit gewährleisten.
    Die EU und Indien wollen nach der Einigung zum neuen Freihandelsabkommen auch in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung enger zusammenarbeiten. Beide Seiten einigten sich in Neu-Delhi auf eine entsprechende Partnerschaft. Ziel sollten Projekte in den Bereichen maritime Sicherheit,Terrorbekämpfung und Cyberabwehr sein, teilte die EU-Kommission mit.

    Wie fallen die Reaktionen aus?

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sprach in Neu-Delhi von einem Signal an die Welt, dass eine auf Regeln basierende Zusammenarbeit weiter hervorragende Ergebnisse liefere. "Die EU und Indien schreiben heute Geschichte", betonte die Kommissionspräsidentin. Der indische Ministerpräsident Modi erklärte, die Vereinbarung eröffne große Chancen für die 1,4 ‌Milliarden Menschen in Indien und die Bevölkerung Europas. Bundesfinanzminister Klingbeil würdigte das Handelsabkommen als neues Kapitel der europäischen Handelspolitik. Der Vertrag werde neue Chancen für Wachstum und gute Arbeitsplätze in Europa wie in Indien schaffen, erklärte der SPD-Politiker.
    Der Leiter des Indien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung, Haack, nannte den Abschluss der Verhandlungen eine "großartige Nachricht". Der Politikwissenschaftler sagte im Deutschlandfunk, durch das Abkommen habe Europa ”einen ersten Fuß in der Tür” zu einem riesigen Absatzmarkt, der angesichts von Wachstumsprognosen von rund sechs Prozent pro Jahr noch ”viel Potenzial” biete. Entsprechend lobten auch Wirtschaftsvertreter die Einigung. So sagte beispielsweise Volkswagen-Chef Blume, Indien biete als drittgrößter Automobilmarkt der Welt große Chancen.
    Bis das Abkommen in Kraft tritt, dürfte es noch etwas dauern. Grund ist, dass der Vertragstext noch rechtlich überprüft werden muss. Anschließend braucht es zudem die Billigung der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments.

    Weiterführende Informationen

    Indien und EU über Freihandelsabkommen einig (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 27.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.