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StartseiteForschung aktuellWüstenbildung bekämpfen11.10.2021

Kernziele zum Schutz der BiodiversitätWüstenbildung bekämpfen

Von Verödung bis hin zur Wüstenbildung: Rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit sind laut UN von der Verschlechterung der Bodenqualität betroffen. Auch in Deutschland machen sich erste Auswirkungen des Klimawandels bemerkbar. Welche Strategien gibt es, um die Fruchtbarkeit von Böden besser zu schützen?

Von Volker Mrasek

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Maßnahmen gegen Desertifikation in China (dpa / picture alliance / Photoshot)
Schon seit 1994 gibt es eine UN-Konvention zur Bekämpfung von Desertifikation. Und auch im Aichi-Ziel Nr. 15 ist sie erwähnt: Demnach sollten bis 2020 mindestens 15 Prozent aller geschädigten Ökosysteme und ausgedörrten Landstriche wiederhergestellt sein (dpa / picture alliance / Photoshot)
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UN-Konferenz zur Wüstenbildung Schwieriger Kampf gegen das Verschwinden der fruchtbaren Böden

Im Jahr 2010 wurden im japanischen Nagoya die so genannten Aichi-Ziele zum weltweiten Schutz der Artenvielfalt formuliert. Diese Kernziele zum Schutz der Biodiversität sollten bis 2020 erreicht werden. Manchen dieser Vorgaben ist die Menschheit ein wenig nähergekommen, die meisten wurden klar verfehlt. Darüber diskutieren Experten ab Oktober 2021 im chinesischen Kunming beim 15. Weltbiodiversitätsgipfel (COP15).


Verlorene Vielfalt: Wunsch und Wirklichkeit beim Artenschutz

In unserer Reihe "Verlorene Vielfalt: Wunsch und Wirklichkeit beim Artenschutz" stellen wir ausgewählte Ziele dar und ziehen Bilanz. 

Kernziel 4: Ressourcenverbrauch beschränken
Kernziel 5: Regenwaldrodungen stoppen, Flächenfraß eindämmen
Kernziel 6: Überfischung vermeiden, marine Ökosysteme schützen
Kernziel 8: Nitratbelastung senken, Pestizideinsatz verringern
Kernziel 9: Invasive Arten kontrollieren
Kernziel 10: Korallenriffe schützen
Kernziel 11: Mehr wirksame Schutzgebiete an Land und im Meer
Kernziele 12+13: Artensterben stoppen, Biodiversität erhalten 
Kernziel 15: Wüstenbildung bekämpfen
Kernziel 18: Bedürfnisse indigener Gruppen schützen


Viele Landflächen auf der Erde sind von Verödung bedroht und deshalb taucht das Problem auch in den Aichi-Zielen auf, konkret im Kernziel Nr. 15:

Aichi-Ziel 15: Bis 2020 ist die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme und der Beitrag der biologischen Vielfalt zu den Kohlenstoffvorräten durch Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen, einschließlich der Wiederherstellung von mindestens 15 Prozent der geschädigten Ökosysteme, erhöht und somit ein Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels und zur Anpassung daran sowie zur Bekämpfung der Wüstenbildung geleistet worden.

Aichi-Ziel 15: Bilanz: Desertifikation schreitet voran, aber es gibt Fortschritte 

Das Fazit nach dem Erreichen des Zieljahres ist geteilt: Die Desertifikation schreitet weiter kräftig voran, aber es gibt inzwischen ernsthafte Anstrengungen, sie zu beschränken und auch Erfolge!

Schon seit 1994 gibt es eine UN-Konvention zur Bekämpfung von Desertifikation. Und auch im Aichi-Ziel Nr. 15 ist sie erwähnt. Demnach sollten bis 2020 mindestens 15 Prozent aller geschädigten Ökosysteme und ausgedörrten Landstriche wiederhergestellt sein. Doch bis heute ist das Wunschdenken geblieben: "Beim Rückblick auf das letzte Jahrzehnt würde ich sagen: Wir verlieren den Kampf", sagt der niederländische Geograph Chris Reij . Denn noch immer degradiert mehr Land als wiederhergestellt wird. Es geschieht auf Millionen Hektar weltweit: in Indien, in Lateinamerika, in Brasilien und sicherlich in der ganzen Sahel-Zone. Aber auch in Südeuropa wachsen die Probleme. Pro Jahr veröden nach wie vor über 50.000 Quadratkilometer Land, schätzt man bei den Vereinten Nationen. Eine Fläche etwas größer als Niedersachsen.

Ein junge Frau trägt einen Wasserkanister. (Dunja Sadaqi / Magib Gaye) (Dunja Sadaqi / Magib Gaye)Klimaschutz im Tschad und im Senegal - Die Vision einer grünen Sahelzone
Ein Band aus Milliarden Bäumen soll die Wüstenbildung eindämmen. Vor 15 Jahren setzte die Afrikanische Union das Thema auf die Tagesordnung. Heute gibt es bittere Rückschläge, aber auch blühende Gärten.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: In über 20 afrikanischen Ländern lassen Kleinbauern inzwischen wieder Bäume auf ihren Äckern und Weideflächen sprießen. Allein in Niger sollen es 200 Millionen sein. Ihre Kronen spenden Schatten, abgefallenes Laub düngt den Boden. Und es gibt weitere Projekte: In riesigen Trockengebieten wie der Sahel-Zone soll nun bis 2030 Afrikas ambitioniertestes Umweltprojekt endlich vollständig umgesetzt werden: die Great Green Wall. Ein fast 8.000 Kilometer langer Riegel aus neugepflanzten Bäumen am Südrand der Sahara. Auf einem Umweltgipfel im Januar in Paris wurden über 14 Milliarden US-Dollar zusätzlich für das Projekt bewilligt.

Ausblick

Sahel-Experte Chris Reij ist dennoch skeptisch: "Dafür müssten ab sofort acht bis neun Millionen Hektar pro Jahr aufgeforstet werden, statt nur einer wie im Moment. Ich glaube kaum, dass das realistisch ist. Es hilft auch nichts, wenn man im Norden der Sahel-Länder Bäume pflanzt, während im Süden immer noch viel mehr Wald gerodet wird, um etwa Holzkohle zu gewinnen. Wir brauchen andere Strategien! Wir sollten Millionen von Kleinbauern in Afrika dafür gewinnen, dass sie die natürlichen Baumbestände auf ihren Farmen wieder wachsen lassen. Gelingt uns das nicht, verlieren wir den Kampf."

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