KI-Rechenzentren in den USA
Ressourcenverbrauch ohne Ende

Die US-amerikanische KI-Industrie benötigt immer mehr Rechenzentren, um Daten zu verarbeiten. Doch der Bau dieser milliardenschweren Großprojekte könnte bald vorbei sein, denn die Bevölkerung wehrt sich.

    Bürgerversammlung in Pacific (USA), bei der es um den möglichen Bau eines Rechenzentrums geht.
    Bürgerversammlung in Pacific (USA): Der Widerstand gegen Rechenzentren formiert sich über die Parteigrenzen hinweg. (picture alliance / Sipa USA / TNS)
    Mit dem Auto sind es 45 Minuten von der US-Hauptstadt Washington bis nach Ashburn. Die Stadt im nördlichen Virginia hat etwas mehr als 45.000 Einwohner und ist für die US-amerikanische KI-Industrie von großer Bedeutung. Nirgendwo anders auf der Welt gibt es so viele Rechenzentren auf einem Fleck. Rund 370 sind es in ganz Virginia derzeit, Hunderte mehr sind geplant.
    Einerseits sichern die riesigen Datenfabriken die wirtschaftliche Zukunft des Bundesstaates. Andererseits gibt es auch erhebliche Nachteile des Booms.

    Inhalt

    Energiehunger und Lärm: Wie KI-Rechenzentren Anwohner belasten

    Die Immobilienmaklerin Vicky Hu ist beispielsweise gegen eine geplante Hochspannungsleitung, die ein regionales Energieunternehmen durch Ashburn bauen will, um Datenzentren mit Strom zu versorgen. Eine der vorgeschlagenen Strecken würde die Leitung direkt hinter ihrem Haus vorbeiführen. Sie soll eine Höhe von 56 Metern haben. Hu wirft dem Unternehmen vor, ihr Zuhause und die Umwelt zu zerstören.
    Auch Greg Pirio leistet Widerstand. In der Nähe seines Hauses in Sterling, einem Nachbarort von Ashburn, wurde bereits ein Rechenzentrum gebaut. Seit es im vergangenen Jahr den Betrieb aufgenommen hat, ist die Lebensqualität des 75-Jährigen stark gesunken.
    Das Rechenzentrum sei nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, berichtet er. Falle das eigene Kraftwerk mit Gasturbinen aus, sorgten mit Diesel betriebene Notaggregate für Strom. Deren Abgase machen Pirio gesundheitlich zu schaffen – genauso wie das ständige Surren der Datenfabrik.

    Politik greift ein: Erster Baustopp für Rechenzentren in New York

    Solche und ähnliche Probleme haben inzwischen die Politik erreicht. So hat der US-Bundesstaat New York im Juli als erster überhaupt ein temporäres Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren ausgesprochen.
    Gouverneurin Kathy Hochul will die Zeit nutzen, um die Rechtslage den neuen Gegebenheiten anzupassen. Die kommunalen Bauvorschriften stammen nämlich noch aus einer Zeit, in der der Energiehunger und der Platzbedarf der Datenzentren nicht abzusehen waren.

    Parteiübergreifender Protest: Warum Farmer und Umweltschützer demonstrieren

    Der Widerstand gegen Datenzentren entsteht über Parteigrenzen hinweg. Über den großen Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch der KI-Industrie machen sich konservative Farmer ebenso wie eher linke Umweltschützer Gedanken.
    In Texas soll die Genehmigung neuer Datenzentren laut dem republikanischen Gouverneur Greg Abbott ausgesetzt werden, bis deren Auswirkungen auf das Stromnetz des Bundesstaates geprüft wurden.
    Laut einer Umfrage des Fernsehsenders Fox News lehnen die meisten eingetragenen Wähler den Bau eines Rechenzentrums in ihrer Region ab. Das gilt auch für rund 60 Prozent der Republikaner.
    Aufgrund der rapiden Entwicklung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz werden jedoch immer mehr Datenfabriken benötigt. Vor allem Tech-Konzerne wie Amazon, Google, Microsoft und Meta sowie der Chipkonzern Nvidia stecken Hunderte Milliarden US-Dollar in den Ausbau von KI-Rechenzentren.

    Steuereinnahmen vs. Stromnetz: Das Streitthema im US-Wahlkampf

    Jede KI-Abfrage verbraucht Rechenleistung, sodass der Strombedarf der Datenzentren stetig steigt. Allein in Virginia wird sich der Strombedarf Prognosen zufolge in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln. Die Medienwissenschaftlerin Lauren Bridges von der University of Virginia spricht von einer „unvorstellbaren Größenordnung”. Es wären viele neue Kraftwerke und Leitungen nötig.
    Kurz vor den Zwischenwahlen in den USA, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu gewählt werden, ist das Thema Rechenzentren auch politisch aufgeladen. Befürworter des weiteren Baus von Rechenzentren führen vor allem Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und den technologischen Wettbewerb mit anderen Ländern wie China als Argumente an.
    Im Landkreis Loudoun County sind die jährlichen Steuereinnahmen, die auf Rechenzentren erhoben werden, von etwa 330 Millionen US-Dollar im Jahr 2020 auf mehr als eine Milliarde angestiegen; dieses Jahr sollen sie bei knapp 1,4 Milliarden US-Dollar liegen.
    Vor dem Hintergrund solcher Zahlen ist die US-Regierung unter Präsident Donald Trump für mehr Rechenzentren und will den Ausbau vorantreiben. Trump macht inzwischen auch persönlich Front gegen die Gegner. Auf der Plattform Truth Social schrieb er, Gemeinden seien nur dann gegen Rechenzentren, wenn sie „rückständig und arm” sein wollten.

    Onlinetext: Asmus Heß | Radiobeitrag: Hansjürgen Mai