Globales Rennen um KI
Europäische Unternehmen punkten durch Spezialisierung

Europa hat KI-Unternehmen, die global wettbewerbsfähig sind: Mistral, DeepL und Black Forest Labs. Insbesondere Unternehmen nutzen gern KI aus Europa. Ein Grund dafür ist die vergleichsweise strenge KI-Regulierung in der EU.

    Auf einem Smartphone ist das Logo von DeepL zu sehen, dahinter ist ein Bildschirm.
    DeepL aus Köln ist Europas KI-Vorzeigeunternehmen für Übersetzungen (Symbolfoto) (picture alliance / CFOTO)
    ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot: Im Alltag nutzen die meisten Menschen auch in Europa KI-Modelle aus den USA. Den Vorsprung amerikanischer Anbieter bei den großen Sprachmodellen werden europäische Unternehmen auf absehbare Zeit kaum aufholen. Doch es gibt auch KI-Erfolge aus Europa. Europäische Unternehmen punkten dabei durch Spezialisierung.

    Inhalt:

    Spezialisierung, Datenschutz und eigene Server: Wie DeepL und Mistral punkten

    Europäische Unternehmen sind insbesondere mit KI-Modellen erfolgreich, die von Unternehmen genutzt werden. DeepL aus Köln bietet beispielsweise Übersetzungen an und punktet dabei mit Fachvokabular. Wenn Unternehmen rechtliche Dokumente übersetzen wollen, dann ist im Vergleich zur Alltagskommunikation eine ganz andere Präzision gefragt.
    Auch Mistral AI aus Frankreich setzt auf Unternehmenskunden. "Viele unserer KI-Modelle sind im Unternehmensbereich auf Spitzenniveau", sagt Arthur Mensch, Geschäftsführer des Unternehmens. Mistral AI hat seine Modelle so entwickelt, dass sie sich flexibel an die Anforderungen von Unternehmen anpassen lassen.
    Diese behalten dabei die volle Kontrolle über ihre Daten: Sie können Mistral-Modelle auf eigenen Servern betreiben. Ein entscheidender Vorteil, denn viele Firmen möchten nicht, dass sensible Daten ihre eigene IT-Infrastruktur verlassen.

    Strengere KI-Regulierung als Standortvorteil

    Die EU reguliert KI deutlich strenger als die USA. Viele Unternehmen sehen darin zunächst eine Belastung. Gerade kleinere Unternehmen würden durch zusätzliche Bürokratie und Dokumentationspflichten gebremst, sagt beispielsweise Arthur Mensch von Mistral AI.
    Doch die EU-Regulierung bietet auch einen zentralen Vorteil: Sie schafft Vertrauen. Gerade Unternehmen wollen wissen, was mit ihren Daten passiert. Sie wollen sicher sein, dass ihre Daten beispielsweise nicht bei Konkurrenten landen. Europäische Anbieter können auf einen klaren rechtlichen Rahmen verweisen.

    Unabhängigkeit von den USA: Schutz vor digitalem Druck

    Ein weiterer Standortvorteil: Wer Anwendungen aus Europa nutzt, ist dabei nicht vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig. Denn der Zugang zu KI-Anwendungen könnte im Extremfall auch geopolitisch als Druckmittel eingesetzt werden.
    Den meisten Menschen sei nicht bewusst, wie abhängig wir von der Willkür des US-Präsidenten Donald Trump sind, sagt Fabian Westerheide, der Gründer der Konferenz Rise of AI. Ein Beispiel: Im Sommer 2026 hat die US-Regierung anderen Staaten den Zugang zum US-Modell Faible 5 wegen angeblicher Sicherheitsbedenken abgeschaltet.
    Gerade für Unternehmenskunden sei es zentral, Technik zu haben, "auf die man sich wirklich verlassen kann", sagt Holger Hoos, einer der Direktoren des KI-Centers an der Universität RWTH Aachen. Technik müsse auch in Krisen funktionieren.
    Europa ist zudem in Forschung und Entwicklung längst nicht abgehängt. Robin Rombach, Geschäftsführer des KI-Unternehmens Black Forest Labs, hält die Rahmenbedingungen für KI-Forschung in Europa für gut. "Es gibt so wahnsinnig gute Leute, die von den Unis kommen", sagt Rombach. Auch die offene Forschungskultur sei ein Standortfaktor. Die größte Herausforderung bestehe oft darin, wissenschaftliche Erkenntnisse in erfolgreiche Geschäftsmodelle zu übertragen.

    KI-Konzerne brauchen globale Kooperation

    Europa hat einige starke KI-Konzerne. Das ändert aber nichts daran, dass der globale Markt von den USA dominiert wird. Das gilt für die bekannten Anwendungen und das gilt für die KI-Infrastruktur: Nach Zahlen des Instituts Epoch AI stehen 75 Prozent der Rechenleistung für KI in den USA, weitere 15 Prozent in China und nur 5 Prozent in Europa.
    Die europäische Abhängigkeit bei KI wird von vielen Experten kritisiert. In der Branche herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Europas Fähigkeiten im Bereich KI gestärkt werden müssen. Das Ziel dürfe aber auch kein nationaler Alleingang sein. Spitzentechnologie könne nur durch internationale Zusammenarbeit entwickelt werden.
    Die wechselseitige Abhängigkeit zeigt sich beispielsweise bei den Chips, die für KI-Rechenzentren gebraucht werden. Die US-Firma NVIDIA ist bei der Produktion der Chips der unangefochtene Marktführer - europäische Unternehmen spielen dabei aber Schlüsselrollen.
    Das niederländische Unternehmen ASML liefert die Maschinen, ohne die viele Hochleistungschips nicht hergestellt werden könnten. ASML wiederum braucht dafür Optiken der Firma Zeiss und Industrielaser der Firma Trumpf, also Technik aus Deutschland.

    Fehlendes Risikokapital: Europas KI-Unternehmen brauchen vor allem mehr Geld

    Der US-Markt ist auch für europäische Unternehmen zentral. In den USA ist es für Unternehmen deutlich leichter, Geld einzuwerben. Auch das deutsche Unternehmen Black Forest Labs hat daher einen Standort in den USA. Darüber komme das Unternehmen leichter an Gelder, sagt Geschäftsführer Rombach. In Europa sei schlicht weniger privates Risikokapital verfügbar.
    Mistral-Gründer Arthur Mensch fordert deshalb, dass die europäischen Staaten mehr Geld in die eigenen Unternehmen lenken. Wenn der Staat Aufträge für KI vergibt, sollten die bevorzugt an europäische Unternehmen gehen. Mensch sieht darin den wirksamsten Hebel, den Staaten hätten, um den KI-Standort Europa zu fördern.

    Online-Text: Tobias Pastoors , Hörfunkbeiträge: Moritz Metz, Maximilian Brose, Ralf Krauter