Transformation
Die Angst der Gen Z vor KI wächst

Nicht die Älteren, sondern junge Leute haben Angst vor KI. Sie sind sogar wütend auf die neue Technologie, die sie einerseits kräftig nutzen. Andererseits steigt aber die Sorge, dass KI ihnen ihre Jobzukunft raubt.

    Eine Person trägt eine Neon-VR-Brille in einer futuristischen, blauen Cyberspace-Umgebung.
    Was birgt die KI-Zukunft? Diese Frage wirft bei vielen Jugendliche Sorgen und Ängste auf (picture alliance / Westend61 / Arman Zhenikeyev)
    Bekannte Techgrößen werden von Studierenden ausgebuht, wenn sie nur das Wort KI-Transformation in den Mund nehmen: So erging es kürzlich Ex-Google-Chef Eric Schmidt, als er eine Rede bei der Abschlussfeier der Uni Arizona hielt – und darin betonte, KI werde "jeden Beruf, jedes Klassenzimmer, jedes Krankenhaus, jedes Labor, jeden Menschen und jede Ihrer Beziehungen berühren." Die Studierenden empfanden das wohl eher als Drohung denn als Verheißung. Woher rührt die Sorge der Gen-Z?

    Inhalt

    Umfragen zeigen: Gen Z blickt mit Angst auf KI

    Das US-amerikanische Beratungsunternehmen Gallup hat eine Umfrage unter US-Studierenden und Jugendlichen gemacht. Herausgekommen ist, dass mehr als 40 Prozent der Befragten sagen, KI mache ihnen Angst. Über 30 Prozent sind sogar wütend auf die "Artificial Intelligence".
    Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die negativen Emotionen der Technologie gegenüber verstärkt – und das, obwohl die Hälfte der Befragten angibt, KI regelmäßig zu nutzen.
    Die Generation Z (Jahrgang 1997 bis 2012) glaubt der Befragung zufolge nicht, dass KI kritisches Denken fördert. Im Gegenteil: Die Mehrheit ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz mit Nachteilen verbunden sein könnte – insbesondere fürs Lernen. Und auch das Urteil über KI am Arbeitsplatz fällt in der Generation kritisch aus: Immer mehr von ihnen sind der Ansicht, dass die Risiken der Technologie deren Vorteile überwiegen – und vertrauen KI-gestützten Arbeitsergebnissen weniger als rein menschlichen Leistungen.

    Jobsorge: Warum KI den Berufseinstieg bedroht

    Besondere Sorge haben Jugendliche, dass künstliche Intelligenz ihnen die Jobs wegnimmt. Auch hierzulande beobachtet der KI-Professor Björn Ommer, dass junge Menschen die neue Technologie "immer weniger als Hilfe, sondern mehr als Konkurrenz" sehen.
    Die Jobsorge der jungen Generation ist nicht unberechtigt: Mehrere Studien aus den USA kommen zu dem Schluss, dass KI vor allem Berufseinsteigern schadet. Denn es werden überwiegend Tätigkeiten von der KI übernommen, die bisher noch relativ unerfahrene Arbeitskräfte erledigt haben. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Stanford sowie Forschende aus Harvard.
    Den Untersuchungen zufolge hat die Beschäftigungsquote bei jungen Menschen in den USA nachgelassen. Ältere Qualifizierte haben dagegen Vorteile.

    KI auf dem Arbeitsmarkt in Europa und Deutschland

    Von der vorhergesagten riesigen Transformationswelle auf dem Arbeitsmarkt ist in Europa bisher allerdings noch wenig zu spüren, sagt Holger Görg vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Er hat die Situation in drei europäischen Ländern untersucht und kommt zu dem Ergebnis: "Es kommt nicht zu riesigen Jobverlusten, wie man vielleicht manchmal annimmt. Was wir aber sehen, ist, dass sich Tätigkeiten und dadurch auch Jobs verändern." Was wegfalle, seien Routinearbeiten wie Rechnungen und Angebote schreiben, Texte übersetzen oder Tabellen ausfüllen.
    Auch einen Zusammenhang zwischen Jobverlust durch KI und dem Alter oder dem Berufseinstieg – wie es die Studien aus den USA festgestellt haben – kann Görg hier in Europa nicht erkennen. Das könne auch an dem Bildungssystem liegen, so seine Vermutung. In Deutschland und den skandinavischen Ländern gebe es beispielsweise das System der Berufsausbildung. "Und ich denke, da sehen wir wahrscheinlich die Unterschiede."
    Zusammengefasst: Wer hierzulande ins Berufsleben startet, hat davor oft mindestens eine Ausbildung hinter sich – und damit meist Qualifikationen erworben, die eine KI bisher noch nicht ohne Weiteres ersetzen kann.

    Schutz vor Jobverlust: Bildung und KI als Werkzeug

    Doch schon jetzt gibt es bei den Arbeitsämtern in Deutschland Prognosen, welche Jobs durch KI verloren gehen – und welche nicht.
    "Was nicht ersetzt werden kann, sind Tätigkeiten in einem Job, die mit Erfahrung zu tun haben, die mit sozialen Kompetenzen zu tun haben, die mit kritischem Denken zu tun haben", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Görg. Auch handwerkliche und soziale Tätigkeiten hätten gute Chancen, weiterhin zu bestehen.
    Generell schützt wohl vor allem eines davor, durch KI ersetzt zu werden: Bildung und Wissen – auch in Bezug auf KI. Schulen und Unis sollten deswegen schon jetzt auf die Transformation reagieren, rät der KI-Experte Ommer. Aus seiner Sicht müssten Studierende vor allem so gut ausgebildet werden, dass sie KI als Werkzeug im Beruf nutzen können, statt von ihr ersetzt zu werden.
    Auch Holger Görg rät dazu, möglichst viel in Sachen KI dazuzulernen. Den Kopf in den Sand zu stecken, sei jedenfalls keine Option. "Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns alle mit der KI auseinandersetzen und die Angst davor verlieren."

    Onlinetext: Leila Knüppel