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StartseiteSprechstundeKeimzellenkonservierung künftig Kassenleistung14.05.2019

Kinderwunsch junger KrebskrankerKeimzellenkonservierung künftig Kassenleistung

Krebs ist eine Krankheit, die meistens alte Menschen betrifft, aber nicht ausschließlich. Auch Kinder und Jugendliche können daran erkranken. Für sie bringt eine aktuelle Gesetzesänderung eine deutliche Verbesserung: Die Kosten von Keimzellenkonservierung soll bei ihnen nun die Krankenkasse übernehmen.

Von Christina Sartori

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Kassetten mit eingefrorenen Eizellen lagern am 09.12.2014 in einem Labor im Universitätsklinikum in Tübingen (Baden-Württemberg) in einem Stickstoffbehälter. (picture alliance / Sebastian Kahnert)
Die Kosten für die Entnahme von Eizellen betragen bis zu 4.300 Euro (picture alliance / Sebastian Kahnert)
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Früher war nicht alles besser, schon gar nicht in der Medizin. Prof. Mathias Freund hat in seinem Berufsleben als Onkologe diese Verbesserung miterlebt. Auch und gerade, wenn es junge Menschen sind, die an Krebs erkranken:

"Ganz früher, als ich ein junger Oberarzt war, da muss ich ganz offen gestehen: Da hat man sich gefreut, wenn man überhaupt die jungen Leute durchbekommen hat. Krebs ist eine tödliche Erkrankung und wir dürfen nicht vergessen: Vor 50 Jahren sind die meisten daran verstorben. Heute ist das ja anders. Heute haben wir mehr als 80 Prozent der jungen Leute, die wir heilen können, und damit rücken andere Fragen in das Zentrum der Aufmerksamkeit."

Zum Beispiel die Frage der Nebenwirkungen einer Behandlung. Oft sind massive Therapien notwendig: Mehrere Chemotherapien, kombiniert mit mehreren Bestrahlungen und auch Operationen sind keine Seltenheit. Damit steigt die Chance auf Heilung – aber ebenso das Risiko für Nebenwirkungen. Eine mögliche Nebenwirkung betrifft vor allem junge Krebskranke: Da die Keimzellen nachhaltig geschädigt werden, können sie nach der erfolgreichen Behandlung keine Kinder mehr bekommen; es sei denn, vor der Krebsbehandlung werden Eizellen oder Spermien entnommen und eingefroren – für eine spätere künstliche Befruchtung.

Kosten von bis zu 4.300 Euro

Das mussten bisher die Patienten selber bezahlen, erzählt Mathias Freund, heute Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs:

"Das waren ganz erhebliche Kosten. Und zwar bei jungen Frauen so zwischen 3.500 und 4.300 Euro für eine Eizellkonservierung und bei jungen Männern für Spermienkonservierung 500 Euro. Und dazu dann aber noch Lagerkosten für das eingefrorene Material von 300 Euro im Jahr."

Kosten, die gerade junge Menschen selten alleine tragen können. Bei Lena und Gerrit konnten zum Glück ihre Eltern helfen:

"Meine Eltern sind komplett für die Kosten aufgekommen. Das hat 4.000 Euro damals gekostet, allein die Entnahme plus dann die Lagerungskosten dazu – das konnte ich mir überhaupt nicht leisten."

"Das waren circa 700 Euro. Hab dann meine Familie angerufen und die haben das Geld dann sofort zur Verfügung gestellt, dass es möglich war."

Doch die finanzielle Hilfe durch die Familie wird in Zukunft nicht mehr nötig sein. Seit dem 11. Mai gilt eine Gesetzesänderung, die vorsieht, dass diese Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Für Patienten mit Krebs, aber auch für junge Menschen, die an anderen Krankheiten leiden, deren Behandlung ihre Fertilität gefährdet. Prof. Diana Lüftner, Onkologin an der Charité und Vorstand der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, hat lange dafür geworben:

"Ich freu mich, dass diese Gesetzesänderung jetzt in Kraft getreten ist, weil diese mangelnde Kostenübernahme uns wirklich wie ein Damoklesschwert im Nacken hing."

Mehr Beratung zu Keimzellenkonservierung

Bisher lassen weniger als 10 Prozent der betroffenen Frauen ihre Eizellen oder Eierstockgewebe vor der Therapie einfrieren – Diana Lüftner hofft, dass diese Zahl steigen wird, wenn die Krankenkassen nun die Kosten übernehmen werden. Außerdem sollten Patientinnen und Patienten häufiger als bisher über diese Möglichkeit beraten werden:

"Ich als Onkologe sehe den Patienten und sehe die Notwendigkeit, bestehe auf dieser und schicke dann den Patienten oder die Patientin zum Urologen oder Gynäkologen weiter, um sicherzustellen, dass dort die angemessene Beratung auch stattfindet."

Bevor die Krankenkassen wirklich verpflichtet sind, die Kosten zu übernehmen, müssen noch einige Formalien geklärt werden, das kann durchaus noch mehrere Monate dauern. Junge Erwachsene, die in dieser Zeit ihre Krebsdiagnose erhalten, können nur hoffen, dass die Kassen ihnen trotzdem jetzt schon ermöglichen, von einer Zukunft mit Familie zu träumen.

"Zwei möchte ich gerne: Einen Jungen und ein Mädchen am besten. Eins wäre auch schon schön."

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