Montag, 28. November 2022

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Klimagipfel in Lima
"Die gesamte Gesellschaft muss sich engagieren"

Der UNO-Klimagipfel in Lima geht in die entscheidende Phase. Während im Plenum Minister und Staatschefs ihre Reden halten, wird hinter den Kulissen über das Abschlussdokument verhandelt. Die Positionen einiger Staaten sind noch weit voneinander entfernt. UNO-Generalsekretär Ban forderte die Beteiligten zu schnellem Handeln auf.

Von Georg Ehring | 09.12.2014

    Indianische Rhythmen, Kostüme und Folklore zu Beginn und ein Feuerwerk projiziert auf die Wand des Plenarsaals – mit der feierlichen Eröffnung des Ministersegments ist der Klimagipfel von Lima in die entscheidende Phase eingetreten. Zur Eröffnung forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schnelles Handeln.
    "Es gibt nach wie vor die Chance, unterhalb des international vereinbarten Ziels von zwei Grad Celsius Temperaturanstieg zu bleiben. Aber das Fenster der Gelegenheit schließt sich schnell. Alle Länder müssen Teil der Lösung sein. Die gesamte Gesellschaft muss sich engagieren."
    Während im Plenum des Klimagipfels in einer Zeltstadt im peruanischen Verteidigungsministerium die Minister und einige Staatschefs ihre Reden halten, wird hinter den Kulissen über das Abschlussdokument verhandelt. Strittig ist unter anderem die Einteilung der Welt in Industrie- und Entwicklungsländer beim Klimaschutz. Bisher mussten nur die Industrieländer ihre CO2-Emissionen verringern und viele Entwicklungsländer wollen weiter Rabatt bei Klima-Verpflichtungen, obwohl ein großer Teil der weltweiten Emissionen mittlerweile von aufstrebenden Staaten wie China, Indien oder Brasilien stammt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will auch sie in die Pflicht nehmen:
    "Wir wollen diese schematische Unterscheidung nicht mehr haben. Es liegt natürlich im Interesse vieler Entwicklungsländer, das weiterhin zu tun, aber das wollen wir nicht mehr."
    Stimmung so positiv wie selten
    Auch in anderen Fragen sind die Differenzen Hendricks zufolge noch groß, doch dies ist mehrere Tage vor dem Abschluss einer Klimakonferenz normal und die Stimmung ist positiv wie selten. Ein Grund dafür sind die kurz vor dem Gipfel vorgelegten Klimaschutzpläne Chinas und der USA. Bundes-Entwicklungshilfeminister Gerd Müller gießt hier allerdings Wasser in den Wein:
    "Ich sehe das nicht als ehrgeizig an, was Obama verkündet hat. Ich hoffe, dass er ein Ausrufezeichen setzt an seine Präsidentschaft und wirklich sich zumindest im Mittelfeld der Industriestaaten die Amerikaner einreihen. Und dazu bedarf es wesentlich ehrgeizigerer Vorgaben. Auch China: 2030 sozusagen einzusteigen in die Minderung, das ist natürlich eine Vorgabe, die wenig ehrgeizig ist.
    Seine Ministerkollegin Barbara Hendricks sieht die Rolle der beiden größten CO2-Emittenten in einem deutlich positiveren Licht.
    "Ich sehe das so, dass China und die USA einen wichtigen ersten Schritt gemacht haben, dass da aber im Laufe des Jahres hin zur Konferenz in Paris durchaus auch noch ein bisschen mehr kommen kann."
    Am Freitagabend um 18 Uhr soll der Gipfel zu Ende gehen, doch bisher ist er fast jedes Mal in die Verlängerung gegangen. Für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist es der erste Klimagipfel:
    "Ehrlich gesagt, ich bin ziemlich gespannt. Als freuen, weiß ich nicht, aber gespannt bin ich auf jeden Fall. Mal gucken!"
    "Insgesamt haben wir eine generell ja gute Stimmung hier in Lima. Aber die grundsätzlichen Positionen der Staaten sind an einigen Stellen doch noch weit voneinander entfernt. In den Verhandlungen versuchen durchaus einige Staaten, ihre Ausgangs- und teilweise auch ihre taktischen Positionen in den Texten zu verankern und so eine Einigung auf hohem Niveau zu erschweren."