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Klimagipfel
Wenig Geld - viele Empfänger

Kein Land leidet so sehr unter Extremwetterereignissen wie das mittelamerikanische Land Honduras. Hilfe aus den reichen Industriestaaten, die den Klimawandel verursacht haben, kommt jedoch kaum an. Auch beim Klimagipfel in Lima lassen sie keine glaubwürdige Perspektive erkennen

Von Georg Ehring | 03.12.2014

Ein Kind während einer Überschwemmung in Honduras - das Land hat mit vielen Extremwetterereignissen zu kämpfen.
Ein Kind während einer Überschwemmung in Honduras - das Land hat mit vielen Extremwetterereignissen zu kämpfen. (imago)
Honduras steht ganz oben im Klimarisiko-Index der Nord-Süd-Initiative Germanwatch, das Land hat danach in den vergangenen 20 Jahren mehr unter Extremwettereignissen gelitten als jeder andere Staat der Welt. Wirbelstürme und Überschwemmungen gehören dazu, außerdem lange Trockenzeiten, die die Pflanzen verdorren lassen.
Für Stürme gerüstet - für Trockenphasen nicht
Für die Stürme sei Honduras einigermaßen gerüstet, sagt Carlos Alberto Pineda, der stellvertretende Umweltminister von Honduras: "Aber auf die Trockenheit als Folge des Klimawandels sind wir nicht vorbereitet. Sie betrifft direkt die Produktion in der Landwirtschaft, die bei uns vor allem der Selbstversorgung dient."
Um Äcker zu bewässern oder die Landwirtschaft auf Pflanzen umzustellen, die besser mit der Trockenheit umgehen können, setzt Pineda auf internationale Hilfe: Die reichen Länder hätten die Erwärmung der Erdatmosphäre schließlich verursacht, also müssten sie dafür auch zahlen. Geld aus den Industriestaaten für die Katastrophenvorsorge in seiner Heimat sei auch eine Frage der Gerechtigkeit:
"Wir dürfen nicht abwarten, bis die Katastrophe eingetreten ist. Ich sage es jetzt ganz hart: Wir wollen nicht die Toten einsammeln, sondern die Menschen bewegen, bevor ihr Leben bedroht ist."
100 Milliarden Dollar Hilfe bis 2020
Im Prinzip ist die Hilfe bei der Anpassung bei den Klimaverhandlungen auch schon längst anerkannt. Die Geldflüsse dafür und für die Verringerung der Treibhausgase in Entwicklungsländern sollen bis zum Jahr 2020 immer weiter steigen und in der Zeit danach die Summe von 100 Milliarden Dollar pro Jahr erreichen. Das hört sich nach viel an und ist auch viel, doch das Geld wird auf viele Empfänger aufgeteilt.
Die Vertreter der Entwicklungsländer sind alarmiert, sagt Jan Kowalzig von der Hilfsorganisation Oxfam: "Das liegt daran, dass die Industrieländer zwar vor fünf Jahren zugesagt haben, dass sie die finanziellen Hilfen bei der Bewältigung des Klimawandels über die Jahre bis 2020 auf diese 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigern wollen, bisher aber keine Anzeichen dafür da sind, dass diese Hilfen auch tatsächlich wie versprochen ansteigen."
Geld und Gerechtigkeit Thema beim Klimagipfel
Für die nähere Zukunft sind in den letzten Wochen zwar fast zehn Milliarden Dollar zusammengekommen, doch wie es danach weiter geht, ist unklar. Zumindest eine glaubwürdige Perspektive ist gefragt, und zwar schon auf dem Klimagipfel in Lima. Beim vergangenen Gipfel in Warschau hatten die Industrieländer auch Verhandlungen über den Ersatz von Schäden zugesagt, die durch den Klimawandel entstehen, gegen die es aber keine Möglichkeit zur Anpassung gibt. Dabei ginge es zum Beispiel um die Versalzung von Küstenregionen, die dann nicht mehr für die Landwirtschaft zu gebrauchen sind.
Carlos Alberto Pineda, der stellvertretende Umweltminister von Honduras, will auch hier darauf bestehen, dass den Worten Taten folgen. "Ich glaube nicht, dass es möglich sein wird, in Paris ein Abkommen abzuschließen, ohne das Thema der Klimaschäden mit zu behandeln. Wenn wir uns darum nicht kümmern, dann würden wir die Wirtschaft über die Rettung von Menschenleben stellen." Welches Land wie viel für den Schutz des Klimas tut, das soll nächstes Jahr beim Klimagipfel in Paris entschieden werden. Beim Thema Geld und Gerechtigkeit muss es nach Ansicht vieler Entwicklungsländer schon dieses Mal Fortschritte geben, und das sei durchaus entscheidend für den Klimagipfel von Lima.