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StartseiteForschung aktuell"Das Risiko von Waldbränden steigt"24.04.2019

Klimawandel"Das Risiko von Waldbränden steigt"

Obwohl es im Frühjahr 2019 immer wieder Niederschläge gegeben habe, sei es zu Waldbränden gekommen, sagte Waldbrand-Spezialist Johann Goldammer im Dlf. Daran könne man sehen, dass nur einige trockene Tage reichten, um die ausgetrocknete und abgestorbene Altvegetation vom Vorjahr in Brand zu setzen.

Johann Goldammer im Gespräch mit Arndt Reuning

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Feuerwehrleute löschen einen Waldbrand im nördlichen Brandenburg (picture alliance/Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa)
Leichter Wind und trockene Böden - die Waldbrandsaison beginnt in Deutschland immer früher (picture alliance/Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa)
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Arndt Reuning: Die Waldbrandgefahr in Deutschland war über die Osterfeiertage stark angestiegen. In etlichen Regionen stand der Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes auf den höchsten Stufen, auf den Stufen vier und fünf. Vielerorts sind die Osterfeuer abgesagt worden. Und das nicht ohne Grund: In Brandenburg, in Hessen und in NRW zum Beispiel gerieten tatsächlich mehr oder weniger große Waldstücke in Flammen.

Bereits im April hat also offenbar die Waldbrand-Saison begonnen. Vor der Sendung habe ich darüber gesprochen mit Johann Goldammer vom Zentrum für Globale Feuerüberwachung des Max-Planck-Instituts für Chemie. Ich wollte von ihm wissen, ob es ihn überrascht hat, dass die Brände so früh in diesem Jahr begonnen haben.

Johann Goldammer: Nein, an sich ist das keine Überraschung. Wir haben ja diese Brände im späten Winter und frühen Frühjahr eigentlich regelmäßig. Sie sind meistens relativ klein und unspektakulär. Und dieses Jahr ist es nun so, dass wir an sich eine relativ komfortable Wetterlage hatten mit sich wechselnden Hoch- und Tiefdruckgebieten und immer wieder Niederschläge. Man kann daran sehen, dass einige Tage Trockenheit eben doch ausreichen, bevor die Vegetation sehr grün wird, ja, dass dann doch diese Altvegetation vom Vorjahr, die ausgetrocknet, abgestorben ist, dann doch recht schnell in Brand geraten kann.

Reuning: Ja. Der vergangene Sommer war ja ganz besonders trocken. Sehen wir da jetzt immer noch irgendwelche Spätfolgen dieser Hitzewelle?

Goldammer: Nein, die Großwetterlage vom vergangenen Jahr, die müssen wir einfach abkoppeln von diesem Jahr. Wir hatten ja zwischendurch nun ausreichend Niederschlag. Allerdings muss man auch schon sagen, dass ein trockener Sommer wie 2018 auch Langzeitfolgen haben kann.

Sekundärschädlinge wie Borkenkäfer schaden langfristig

Reuning: Ja, Langzeitfolgen in welcher Hinsicht?

Goldammer: Es gibt ja einmal die direkten Schäden in einem trockenen Sommer oder Herbst hier in Deutschland, und dann haben wir die indirekten Schäden. Das heißt, die Trockenheit hat ja beispielsweise auch das Absterben von vielen frisch gepflanzten Bäumen oder älteren und schwächeren Bäumen bewirkt.

Und dann beobachtet man, dass bei vor allen Dingen den Fichtennadelwäldern dann die Borkenkäfer reingehen, die Sekundärschädlinge. Die arbeiten relativ langsam, ja, das geht nicht schlagartig, da sieht man die Folgen erst in den kommenden Jahren. Und dann ist es tatsächlich so, und damit müssen wir rechnen, dass einige von den großen Fichtenwaldbeständen hier in Deutschland durch den Borkenkäfer beschädigt sind, dass die jetzt 2019, 2020 ein tatsächlich erhöhtes Waldbrandrisiko darstellen. Also das ist ja der Waldbrand, während wir bei den anderen Bränden, wie sie im Moment auch verzeichnet werden, mehr von der offenen Landschaft sprechen, ja.

Reuning: Gehen wir etwas von der aktuellen Situation weg. Wie sieht es denn aus, wie dürfte sich durch den Klimawandel das zeitliche Muster der Waldbrände in Deutschland ändern?

Goldammer: Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir länger anhaltende Trockenzeiten wie im vergangenen Jahr bekommen, weil die Großwetterlagen in Zukunft sehr viel mehr stabil bleiben werden. Das heißt, durch die Abschwächung des Jetstream wird es dazu kommen, dass wir wie im vergangenen Jahr dann eben sehr langanhaltende Hochdruckwetterlagen haben. Und das bedeutet, dass sich dann über Tage und Wochen hinweg diese Trockenheit aufbaut und damit das Risiko, die Gefährdung von Landschaftsbränden, auch von Waldbränden, steigt.

"Es braucht einige Tage kräftigen Regen" 

Reuning: Für die kommenden Tage wird ja nun Regenwetter erwartet. Werden diese Niederschläge die aktuelle Situation entschärfen?

Goldammer: Ja. Also bei der gegenwärtigen Situation, wo wir vorwiegend oberflächlich brennende Feuer haben, zum Beispiel im Grasland, in der abgestorbenen Vegetation, da reichen dann wirklich schon einige Regentage, um diese Gefährdung völlig herunterzufahren.

Etwas anders ist es dort wie beispielsweise bei einem Moorbrand, wir haben ja in Niedersachsen auch ein Feuer, was sich durchaus in diese Moor- und Torfauflagen hineinfrisst, wenn diese Glut in den tieferen Rohhumusschichten angekommen ist, dann braucht man schon einige Tage gut Durchfeuchtung und kräftigen Regen, bis die Feuchtigkeit dann in diese unteren Rohhumus- oder Torfschichten hineindringt und das Feuer ganz ablöscht. Also in dem Fall wäre es gut, wenn es dann wirklich jetzt einige Tage mal kräftig regnen würde.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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