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StartseiteUmwelt und VerbraucherNew Climate Institute: Deutschland tut noch zu wenig31.05.2016

KlimawandelNew Climate Institute: Deutschland tut noch zu wenig

Noch hat Deutschland in Sachen Energiewende im internationalen Vergleich die Nase vorn, doch nun käme es darauf an, wie das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) umgesetzt werde, sagte Niklas Höhne vom New Climate Institute. Klar sei aber auch, dass Deutschland noch zu wenig tue, um die auf dem Weltklimagipfel vereinbarten Ziele einzuhalten.

Niklas Höhne im Gespräch mit Georg Ehring

Ausgetrocknete Böden und Wasserdampf aus Kohlekraftwerken - In Jänschwalde kümmert der Klimawandel kaum einen Kraftwerksmanager (Aufnahme von 2015) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Niklas Höhne vom New Climate Institute bescheinigt Deutschland grundsätzlich auf dem richtigen Weg in Sachen Klimaschutz zu sein, es müsse aber mehr getan werden. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
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Erneuerbare-Energien-Gesetz "Ausschreibungen bringen erhebliche Probleme"

Georg Ehring: 40 bis 45 Prozent Ökostrom bis zum Jahr 2025 - noch vor wenigen Jahren hätte das als ehrgeiziges Ausbauziel gegolten. Doch heute muss die Regierung dafür kräftig auf die Bremse treten.

Heute Abend geht es beim Energiegipfel im Kanzleramt darum, ob es auch ein bisschen mehr sein darf und wie der Ausbau gesteuert werden soll. Eine Energiewende hat freilich längst weltweit eingesetzt und über deren Stand gab es soeben in München Neues vom Allianz Energiewende-Monitor, zusammengestellt gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation Germanwatch und dem New Climate Institute.

Niklas Höhne vom New Climate Institute ist jetzt am Telefon. Guten Tag, Herr Höhne.

Niklas Höhne: Hallo, Herr Ehring.

Ehring: Herr Höhne, Sie haben untersucht, wie die Industrie- und Schwellenländer der G-20 ihre Energiesysteme umbauen. Wie steht denn da Deutschland im Vergleich?

Höhne: Wir haben in dem Energiemonitor den Investitionsbedarf auf der einen Seite aufgestellt und ihn gegenübergestellt der Investitionsattraktivität. Es ging uns in dieser Studie darum zu schauen, wie aus der Sicht eines privaten Investors sind die Bedingungen in den einzelnen Ländern, um die Energiewende voranzutreiben, und haben dort die G-20-Staaten in ein Ranking gebracht. Und Deutschland in der Tat kommt hier auf den ersten Platz hinter dem Vereinigten Königreich und Frankreich.

"Gefahr, den ersten Platz einzubüßen"

Ehring: Das heißt, Deutschlands Energiewende ist, auch wenn sie gebremst wird, jetzt nach wie vor auf Kurs?

Höhne: Ich würde sagen, was wir hier zeigen ist ein relatives Ranking zwischen den Ländern. Das heißt nicht, wenn man hier am ersten Platz ist, dass auch wirklich alles in den Bahnen läuft, wie es der Klimaschutz vorschreibt oder wie es auch die beschlossenen Ziele in Paris vorschreiben.

Deutschland ist hier auf dem ersten Platz, aber läuft Gefahr, diesen ersten Platz einzubüßen, und es kommt, glaube ich, jetzt sehr darauf an, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz umgebaut wird, das ja jetzt in der Diskussion steht.

"Die politischen Rahmenbedingungen sind für Investoren sehr sehr wichtig"

Ehring: Was bringt denn diese Gefahr? Was verursacht sie?

Höhne: Aus der Sicht von Investoren ist es sehr wichtig, dass man Planungssicherheit hat, dass klar ist, wie die politische Situation und die Fördersituation in der Zukunft ist, und da sieht man jetzt schon, das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist geändert worden 2014 und man sieht als Folge daraus, dass im letzten Jahr die Investitionen eingebrochen sind. Sie waren vorher bei rund 18 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien in Deutschland und waren im letzten Jahr runtergegangen auf zehn Milliarden. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass die politischen Rahmenbedingungen sehr, sehr wichtig sind für die Investoren und dass man hier sehr vorsichtig sein muss, wie man sie ändert, um die Ausbauziele nicht zu gefährden.

Ehring: Wie stark hängen denn die Erneuerbaren noch am Tropf der Subventionen in Deutschland und auch in anderen Ländern?

Höhne: Sehr, sehr viel weniger als früher. Das positive Signal ist, das sehen wir hier auch in allen Ländern, dass die erneuerbaren Energien so günstig geworden sind, dass sie in vielen Bereichen mit den fossilen Energieträgern konkurrieren können.

Das Wichtige ist jetzt eigentlich, das wichtige politische Signal aller Länder ist, dass sie aus dem Weg gehen und diese Entwicklung nicht behindern. Man sieht in einigen Ländern sogar, dass dort politische Bestrebungen sind, diesen Weg etwas abzubremsen, und das ist genau kontraproduktiv. Was jetzt passieren müsste ist, dass die Regierungen aus dem Weg gehen, schädliche Subventionen abbauen und Marktbedingungen schaffen, dass die Erneuerbaren sich so schnell entwickeln können, wie das derzeit der Trend ist.

Ehring: Welche Länder bremsen denn die Energiewende?

Höhne: Es gibt zum Beispiel Länder wie die Türkei, die hohe Subventionen haben auf Kohleverstromung und die sogar eine Steuer haben auf Fotovoltaik. Wir haben gefunden, dass in allen Ländern, allen G-20-Ländern es Subventionen gibt für fossile Energieträger. Da kann sich kein Land, auch Deutschland nicht ausnehmen.

Ehring: Es gibt dann trotzdem beeindruckende Zahlen zum Ausbau der erneuerbaren Energien in vielen Ländern. Wie ist das denn verglichen mit dem Ziel, die Erderwärmung tatsächlich auf zwei Grad zu begrenzen? Müsste man da noch mehr Tempo machen und wenn ja wie viel?

Höhne: Die Entwicklung der erneuerbaren Energien ist deutlich schneller, als noch vor Jahren erwartet. Das ist sehr, sehr positiv. Aber sie reicht noch bei Weitem nicht aus, um den Klimawandel zu begrenzen, so wie es in Paris beschlossen worden ist.

In Paris auf der Konferenz wurde quasi ein Ausstieg aus fossilen Energieträgern beschlossen und das bedeutet für den Energiesektor, für den Stromsektor, dass der quasi bis Mitte des Jahrhunderts CO2-frei ist. Und wenn man das mit erneuerbaren Energien erreichen will, dann muss es deutlich schneller gehen, als es bis jetzt ist.

Wenn Deutschland die Ziele ernst nimmt, dann ist das Ziel, das jetzt im Raum steht, 40 bis 45 Prozent Erneuerbare bis 2025, noch zu wenig. Es müsste eher 60 bis 80 Prozent sein, um kompatibel zu sein mit den in Paris beschlossenen Zielen.

Ehring: Niklas Höhne vom New Climate Institute war das. Herzlichen Dank.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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