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StartseiteUmwelt und VerbraucherVersicherer zieht sich aus Kohlebranche zurück16.11.2015

KlimawandelVersicherer zieht sich aus Kohlebranche zurück

Es ist keine neue Entwicklung: Die Kohleförderung in alten Bergwerken lohnt sich kaum noch, weil sie zu teuer ist. Kohlekraftwerke sind ebenfalls oft nicht mehr rentabel. Das Problem betrifft aber nicht nur Energiekonzerne. Auch der französische Versicherer Axa zieht Konsequenzen.

Christian Thimann im Gespräch mit Georg Ehring

Wasserdampfschwaden steigen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde (Brandenburg). (Aufnahme von 2015) (picture alliance / dpa/ Patrick Pleul)
Wasserdampfschwaden steigen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde (Brandenburg). (Aufnahme von 2015) (picture alliance / dpa/ Patrick Pleul)
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Georg Ehring: Der weltweite Ausstieg aus der Kohle wird ein Thema sein in Paris und hier entscheiden nicht nur Regierungen, sondern auch Unternehmen, und zwar nicht nur Energieversorger und andere Firmen, die Strom oder Wärme für ihre Prozesse brauchen, sondern auch Finanzunternehmen. In der Finanzwelt ist die Diskussion darüber längst entbrannt, ob sich Investitionen etwa in Kohlebergwerke nach wie vor lohnen, wenn ein großer Teil der Kohle im Boden bleiben muss, um die Erderwärmung in Grenzen zu halten. Der französische Versicherer Axa will aus der Geldanlage in Kohlekraftwerken aussteigen und seinen Vorstand Christian Thimann habe ich vor dieser Sendung gefragt, wie der Konzern dies umsetzen will.

Christian Thimann: Axa hat im Mai dieses Jahres eine Ankündigung gemacht, dass man sich aus Investitionen in Unternehmen, die überwiegend in Kohle investiert sind, bis zum Jahresende zurückzieht. Das ist eine Desinvestition von 500 Millionen Euro und diese ist in der Umsetzung. Wir werden bis Jahresende das abgeschlossen haben. Das hat man getan aus Einsicht in das Problem des globalen Klimawandels, aus Interesse, als Versicherer, als langfristorientiertes Unternehmen solche Entwicklungen in Betracht zu ziehen, und aus unternehmerischer Verantwortung, schon selbst agieren zu können, auch dann, wenn es noch keine speziellen regulatorischen Vorschriften dafür gibt.

Fokus auf erneuerbare Technologien

Ehring: Unter Umständen verzichten Sie auf Rendite. Wie erklären Sie das den Aktionären?

Thimann: Ich denke, es gibt ein weites Investitionsumfeld, das zur Verfügung steht, und es war uns jetzt wichtig, ein Signal zu setzen, dass man sich aus dem Bereich zurückzieht, der hauptsächlich für den globalen Klimawandel zuständig gemacht wird, nämlich die Kohleemissionen. Das ist das Signal. Aber es hört da nicht auf. Es gibt auch die Übereinkunft oder Verpflichtung, die Investitionen im grünen Bereich, sogenannte grüne Investitionen bis zum Jahr 2020 zu verdreifachen, von einer auf drei Milliarden, und auch damit zu zeigen, dass man nicht nur ein negatives Signal des Zurückziehens sendet, sondern auch ein positives Signal, sich stärker auf erneuerbare Technologien zu engagieren.

Ehring: Glauben Sie, dass das eine Bewegung ist in der Investment-Community und dass das auf die Energiewende weltweit auch Einfluss haben kann?

Thimann: Es gibt sicherlich ein verstärktes Nachdenken zu diesem Thema, sowohl bei Investoren als auch beim gesamten Unternehmenssektor als auch bei den Regulatoren. Mehr und mehr erkennen dieses Problem und überlegen, wie sie diesem Problem am besten begegnen können. Insofern denke ich schon, dass dieses weitergehen wird. Es gab auf unsere Ankündigung hin durchaus andere Investoren, die Ähnliches gemacht haben, aus anderen Sektoren. Wir haben schon gesehen, dass viele das Signal sehr zur Kenntnis genommen haben und auch selber agieren.

Naturkatastrophen nehmen in Frequenz und Intensität zu

Ehring: Sehen Sie sich da als Versicherer in einer Vorreiterrolle auch wegen der Risiken?

Thimann: Es ist tatsächlich so, dass schon heute die Versicherer sehr stark von Klimawandel und Klimarisiken betroffen sind. Allein im letzten Jahr hat die Axa weltweit etwa eine Milliarde an Schäden ausgezahlt, die mit Klima im weitesten Sinne zu tun haben. Wir sehen immer wieder, dass Naturkatastrophen in Frequenz und Intensität zunehmen, und das ist auch einer der Anlässe, wieso wir auf die COP 21 in Paris gucken und uns dann wirklich ein stringentes Ergebnis erwarten, dass man dort auf Maßnahmen sich einigt, die die globale Erwärmung zumindest verlangsamen auf das Ziel von plus zwei Grad maximal.

Ehring: Was für ein Signal muss das sein? Welche Ergebnisse wären für die Investoren besonders wichtig?

Thimann: Für Versicherer wäre es wichtig, Maßnahmen zu erreichen, was das Zwei-Grad-Ziel glaubwürdig macht. Wie die Maßnahmen im Einzelnen sind, das ist wirklich Sache der Politik, aber wir sehen, dass die Frequenz und Intensität von Naturkatastrophen zunimmt.

Langfristige Ziele hilfreich

Ehring: Wie wichtig ist ein Langfristziel für Sie?

Thimann: Als langfristorientiertes Unternehmen sind Langfristziele immer sehr hilfreich, denn je mehr Klarheit, je mehr Stabilität man geben kann für Investoren mit langfristiger Orientierung, umso hilfreicher ist das. Denn die Investitionen sind im Durchschnitt bis zu zehn Jahre, etwa acht bis zehn Jahre, und es gibt tatsächlich schon viele Langfristtitel, die die Versicherer haben, weil man einfach als Versicherer auch langfristige Verbindlichkeiten hat.

Ehring: Soweit Christian Thimann, Vorstand des Versicherers Axa. Ich habe in der vergangenen Woche in Berlin mit ihm gesprochen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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