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StartseiteForschung aktuellWinter in Deutschland werden immer wärmer21.12.2020

KlimawandelWinter in Deutschland werden immer wärmer

Heute beginnt der Winter - zumindest im astronomischen Sinn. In ihrer Ausprägung sind die aktuellen Winter allerdings immer weniger vergleichbar mit denen der Vergangenheit. In den Daten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, erkennen Forschende einen deutlichen Einfluss der Klimaerwärmung.

Von Volker Mrasek

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Mit Reif bedeckte Bäume im Winter (Harald Gesterkamp/DLF)
Laut Deutschem Wetterdienst traten sechs der zehn wärmsten Winter in den letzten 14 Jahren auf (Harald Gesterkamp/DLF)
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Auch wenn eis- und nasskalte Winter weiterhin möglich bleiben – die vierte Jahreszeit wird in Deutschland immer wärmer und schneeärmer. Der Deutsche Wetterdienst DWD hat jetzt zum Start in den Winter seine ganzen Beobachtungen ausgewertet. Die Daten reichen bis ins Jahr 1881 zurück. Andreas Friedrich, Meteorologe beim DWD in Offenbach:

"Der Trend eben seit 1881 ist 1,7 Grad, also das ist der Erwärmungstrend, den wir da in diesen 140 Jahren messen können."

Von den zehn bisher wärmsten Wintern in Deutschland traten demnach sechs in den letzten 14 Jahren auf. Rekordhalter ist der Winter 2006/2007. Seine Durchschnittstemperatur lag bei 4,4 Grad Celsius, die Nachtwerte miteingeschlossen. Auf Platz zwei folgt der vergangene Winter mit einem Temperaturmittel von 4,2 Grad Celsius. Beide Winter waren damit um die vier Grad zu warm, verglichen mit dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990. Den letzten Winter mit tieferen Temperaturen als gewöhnlich gab es vor neun Jahren:

"Was Klimaerwärmung angeht auf der Überholspur"

"Seitdem haben wir nur zu warme Winter. Und da zeigt sich ganz eindeutig, dass die Klimaerwärmung hier weiter vorangeschritten ist - dass wir also hier, was Klimaerwärmung angeht in Deutschland, sozusagen auf der Überholspur sind."

Je höher die Temperaturen, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass Niederschlag nicht in Form von Schnee fällt, sondern als Regen. Auch hier zeigt sich laut Friedrich ein deutlicher Trend in der Wetterstatistik des DWD:

"Wir haben eine ganz lange Reihe jetzt zum Beispiel von München ‘mal ausgewertet. Da haben wir alle meteorologischen Winter seit 1902 ‘mal zusammengefasst. Von 1902 bis 1931, da gab’s in München im Mittel an 41,6 Tagen eine geschlossene Schneedecke im Winter. Und wenn wir die letzten 30 Jahre nehmen, dann sind’s nur noch 32,5 Tage gewesen. Also man sieht: zehn Tage weniger Schnee im Mittel in München in gut hundert Jahren – das ist das Ergebnis der Klimaerwärmung, was man hier auch an der Schneedecke erkennen kann."

Manchmal hört man, der Klimawandel bewirke auch, dass der Winter immer kürzer werde. So, als ob er Kalendertage an den Herbst oder den Frühling verliert. Das stimmt natürlich nicht! Denn Anfang und Ende des Winters sind ja astronomisch festgelegt: Am 21. oder 22. Dezember beginnt er mit der Winter-Sonnenwende, und am 21. März endet er mit der Tagundnachtgleiche zum Auftakt des Frühlings.

Kürzere Winterruhe bei Pflanzen

"Aber es gibt noch den sogenannten phänologischen Winter oder die phänologischen Jahreszeiten. Die Phänologie, das ist die Lehre von den Auswirkungen des Wetters auf Pflanzen. Und da gibt es sogenannte Zeigerpflanzen wie zum Beispiel die Schneeglöckchen-Blüte im Frühjahr. Und das wird ausgewertet. Und danach hat man festgestellt: Die Winterruhe der Pflanzen ist durch die Klimaerwärmung, durch die Temperaturerhöhung, jetzt 14 Tage kürzer als noch vor 50, 60 Jahren."

Seit 2016 veröffentlicht der Wetterdienst inzwischen auch eine Saisonvorhersage für den Winter. Clementine Dalelane arbeitet daran, sie weiter zu verbessern:

"Der Schlüssel ist, dass man sich die großräumige Zirkulation der Luftmassen anschaut und vorhersagt, welche Zirkulation im Winter wahrscheinlich vorherrschen wird."

Serie dürfte sich fortsetzen 

Strömt eher wärmere Luft vom Atlantik nach Deutschland? Oder dominieren polare Kaltluftmassen aus Sibirien? Um das zu ermitteln, berücksichtigt das Vorhersagemodell wichtige Einflussfaktoren wie die Wassertemperatur des Nordatlantik oder die Ausdehnung des Meereises in der Arktis:

"Die Jahreszeitenvorhersage hat für den kommenden Winter eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen milden Winter in Mitteleuropa festgestellt. Das Modell sagt: ein bis zwei Grad wärmer als das langjährige Mittel in Deutschland."

Auch wenn das nur ein grober Orientierungswert für die ganze Saison ist: So wie es aussieht, wird sich die Serie zu warmer Winter in Deutschland nahtlos fortsetzen.

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