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StartseiteKultur heuteKooperation zwischen Stiftung und Namibias Museen18.09.2019

Koloniale LeihgabenKooperation zwischen Stiftung und Namibias Museen

Wie umgehen mit Artefakten aus ehemaligen Kolonien in unseren Museen? Über diese Frage wird seit einigen Jahren gestritten. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz glaubt, dass Leihgaben eine gute Lösung sind. Heute wurde in Berlin eine Kooperation mit Namibias Museen vorgestellt.

Vladimir Balzer im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Dolch mit reich verzierter Messingscheide (Onkonda), gefertigt von einer Ondonga Künstler*in, dessen Name nicht dokumentiert wurde, ca. 1900, Ankauf: Hermann Tönjes, 1909, Inventarnummer: 3647a,b (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz / Martin Franken, 2019)
Dolch mit reich verzierter Messingscheide (Onkonda), gefertigt von einem Ondonga Künstler oder einer Künstlerin - Name nicht dokumentiert, ca. 1900 (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz / Martin Franken, 2019)
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Rund ein halbes Jahr lang haben Forscher aus Namibia in den Ethnologischen Museen Dahlem, die zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören, Sammlungsstücke erforscht. Von 1.400 Objekten wurden nun 23 ausgewählt, die in die ehemalige deutsche Kolonie geschickt werden - erst einmal für drei Jahre. "Von Rückgabe will man aus politischen Gründen nicht sprechen, vielleicht um Präzedenzfälle zu vermeiden", so Deutschlandfunk-Kulturkorrespondent Vladimir Balzer. Hermann Parzinger, Präsident der SPK, habe heute aber gesagt, er könne sich vorstellen, dass die Objekte für immer in Namibia blieben. Diese Kooperation zwischen der Stiftung und der Museums Association of Namibia ist laut Parzinger ein "einzigartiges und wegweisendes" Projekt.

Objekte mit ideeller Bedeutung

Zu den historisch wertvollen Artefakten, die auf Reisen gehen, gehören Schmuck, Puppen, ein Schildkrötenpanzer mit Ledertasche oder ein Dolch mit reich verzierter Messingscheide - Objekte, die für Namibier vor allem eine ideelle Bedeutung hätten, so Vladimir Balzer. Die Stiftung gibt an, die Objekte seien durch Missionare, Kolonialbeamte oder Militärs in die Sammlung gekommen, mehrheitlich vor 1905, "also vor dem Völkermord". Von "Unrechtskontexten" war nicht die Rede. Viele Kritiker, die Rück- statt Leihgaben fordern, verwiesen darauf, dass man davon ausgehen müsse, dass auch gekaufte und geschenkte Objekte nicht unter gleichberechtigten Voraussetzungen ausgetauscht worden seien.

Kooperation geht Kritikern nicht weit genug

Er habe aber den Eindruck, so Balzer, dass hier tatsächlich auf Augenhöhe zusammengearbeitet wurde. Trotzdem habe es Proteste von Vertretern der Herero in Deutschland gegeben, denen die Geste dieser Kooperation nicht weit genug ginge - sie fordern eine offizielle Rückgabe.

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