
Was schlägt das Gremium vor?
Die Fachleute empfehlen einen EU-weit einheitlichen, stufenweisen Zugang zu sozialen Medien. Die Nutzung sollte demzufolge für Kinder unter 13 Jahren nur unter Aufsicht der Eltern oder in einem pädagogischen Kontext und zeitlich begrenzt erfolgen. Für Kleinkinder empfiehlt das Gremium, ganz auf Bildschirme zu verzichten.
Ab 13 Jahren soll der Zugang schrittweise erweitert werden. Es seien aber auch Beschränkungen für ältere Jugendliche denkbar, solange Onlinedienste sie nicht vor Suchtgefahren, Gewaltdarstellungen und Hassrede schützten.
Wie geht es weiter?
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen will im September ankündigen, wie sie plant, die Empfehlungen des Gremiums in EU-Recht umzusetzen. Die Kommission wird dafür zunächst einen Gesetzesvorschlag machen, über den anschließend das Europaparlament und der Rat der 27 Mitgliedstaaten beraten.
Von der Leyen, die den Einfluss von Social Media auf Minderjährige zuletzt kritisiert und daher das Expertengremium damit beauftragt hatte, schloss sich den Empfehlungen an und nannte den Bericht sehr überzeugend. Die CDU-Politikerin fügte hinzu, man müsse einen schrittweisen Zugang für unterschiedliche Altersgruppen in Betracht ziehen. Bestimmte Internetseiten und Apps könnten demzufolge also ab 13 Jahren erlaubt werden, andere erst ab 15 oder 16 Jahren.
Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Barley, schlug vor, für die jeweiligen Social Media-Plattformen einzeln zu entscheiden, ob und welche Beschränkungen nötig seien. Viele Betreiber großer Social-Media-Plattformen gestalteten ihre Angebote ganz bewusst so, dass sie süchtig machten, kritisierte die SPD-Politikerin im Deutschlandfunk.
Was sagen andere Fachleute zu einem Social-Media-Verbot?
Viele Experten und Verbände jedoch lehnen eine pauschale Altersgrenze für die Nutzung Sozialer Medien ab. Zuletzt sprach sich der Deutsche Ethikrat dagegen aus. Auch der Kinderschutzbund ist dagegen. Kinder und Jugendliche müssten zur Nutzung von entsprechenden Angeboten befähigt werden, sagte Vorstandsmitglied Alhäuser im Deutschlandfunk. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend etwa argumentierte, die Lebensrealität der jungen Menschen finde auch im digitalen Raum statt. Durch die diskutierten Beschränkungen würde man ihnen die gesellschaftliche Teilhabe in diesem Bereich verwehren, führte der Bundesvorsitzende Andres im Magazin "Herder-Korrespondenz" aus. Als ersten Schritt ein pauschales Verbot einzuführen, könne nicht die Lösung sein. Statt eines Verbotes brauche es deutlich mehr Bildungs- und Beratungsangebote.
Wie gehen EU-Länder derzeit mit dem Thema um?
Zahlreiche EU-Mitglieder planen bereits eigene Social-Media-Verbote, darunter Dänemark, Spanien, Großbritannnien und Griechenland. Die Pläne in Frankreich sind am weitesten fortgeschritten. Ab September wird die Nutzung sozialer Medien dort für unter 15-Jährige verboten sein.
In Deutschland sprach sich ein Expertengremium für eine EU-weite Lösung aus, Bundesfamilienministerin Prien (CDU) will bis Jahresende aber auch einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen. Die deutschen Experten hatten ebenfalls zu einem Verbot für Kinder unter 13 Jahren oder zu Beschränkungen für einzelne Dienste je nach Risiko geraten.
Von Online-Konzernen eine Alterskontrolle verlangen kann jedoch per Gesetz nur die EU. Die Europäische Kommission setzt die Digitalgesetze ihnen gegenüber durch. Sie überwacht die großen Onlinedienste wie Instagram, Tiktok und Snapchat, nur sie kann die Konzerne zu Änderungen zwingen und bei Verstößen Bußgelder verhängen.
Wie könnte eine Altersgrenze auf Social Media technisch funktionieren?
In dieser Frage dürfte eine App der EU eine große Rolle spielen. Die digitale Brieftasche EUDI-Wallet soll Anfang 2027 auch in Deutschland verfügbar sein. Darin soll es eine Möglichkeit der Altersverifikation geben. Nutzerinnen und Nutzer sollen ein Mindestalter nachweisen können, ohne persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum an die großen Online-Plattformen weiterzugeben.
In Australien berichteten Jugendliche allerdings davon, dass sich das Social-Media-Verbot [leicht umgehen ließe und man die Angebote einfach weiter nutzen könne|https://www.ardmediathek.de/video/morgenmagazin/socia-media-verbot-fuer-minderjaehrige-schueler-streiten-um-den-richtigen-weg/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtMzk2ZGE1NzQtOTYwZC00ZTA1LWI3NTgtNmQwNzMyNT
Diese Nachricht wurde am 13.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






