Kommentar zu Rheinmetall-Sponsoring
Der BVB entscheidet sich dafür, von Kriegen finanziell zu profitieren

Borussia Dortmund hat einen Sponsorenvertrag mit Rheinmetall abgeschlossen. Der Rüstungskonzern wird bald auf Werbebanden sichtbar sein. Ein Deal, der erneut zeigt, dass Geld im Fußball wichtiger als Werte sind, kommentiert Maximilian Rieger.

Von Maximilian Rieger | 29.05.2024
Hans-Joachim Watzke (l), Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, und Armin Papperger, Vorsitzender des Vorstands der Rheinmetall AG, reichen sich die Hand.
Umstrittene Sponsoren-Partnerschaft: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zusammen mit Armin Papperger, Vorsitzender des Vorstands der Rheinmetall AG. (- / Borussia Dortmund / dpa / -)
Die Zeitenwende erreicht die Fußball-Bundesliga.
So liest sich zumindest die Begründung von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dazu, warum sich sein Klub jetzt von Rheinmetall sponsern lässt.
Sicherheit und Verteidigung seien Eckpfeiler unserer Demokratie. Und es sei wichtig, sich damit zu beschäftigen, wie man diese Eckpfeiler schützen könne, weshalb sich Borussia Dortmund ganz bewusst für einen Diskurs öffne.
Wer für die Sicherheit in Europa sorgt, darf auch in einem Fußballstadion Werbung machen. Das ist das Framing, das Watzke hier setzt.

Der BVB profitiert ab sofort finanziell von Kriegen

Das BVB-Fanmagazin Schwatzgelb merkt allerdings richtigerweise an: Wenn der BVB sich wirklich um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands sorgen würde, dann hätte der Verein auch ein Video mit der Bundeswehr drehen können, um deren Bedeutung zu erläutern.
Die schöne Rhetorik von Watzke kann nicht verschleiern, dass der BVB die Frage „Wollen wir wirklich finanziell von Kriegen profitieren?“ mit „ja“ beantwortet hat. Denn genau das passiert, zumal Rheinmetall nicht nur der Ukraine bei der Verteidigung hilft, sondern auch Waffen in Länder wie Saudi-Arabien liefert.

Moral-Muskel wird in der Bundesliga selten genutzt

Diese Entscheidung steht dem Verein frei, es gibt keine Regeln oder Gesetze, die dagegensprechen. Nur moralische Erwägungen. Der Moral-Muskel wird in der Fußball-Bundesliga aber spätestens seit Corona kaum trainiert, geschweige denn genutzt.
Die Vereine sprechen zwar gerne von Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Aber anstatt ihre Fans vor Spielsucht zu schützen, nehmen praktisch alle Profi-Vereine Geld von Glücksspielanbietern an, die dann penetrant Werbung machen, um den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Dortmund ignoriert Widersprüche zwischen Selbstbild und Sponsoring

Wenn Geld zu machen ist, werden solche Widersprüche ignoriert. Und durch die Partnerschaft mit Rheinmetall ist der BVB in dieser Disziplin bereits jetzt Champions-League-Sieger.
Denn der BVB schreibt in seinem Grundwertekodex, für eine Gesellschaft ohne Gewalt einzutreten – und lässt sich von einem Unternehmen sponsern, für den mehr Gewalt höhere Umsätze bedeuten.
Der BVB bietet Gedenkfahrten nach Ausschwitz an – und erhält jetzt Geld von einem Unternehmen, das seine Rolle im Vernichtungskrieg von Hitler immer noch nicht umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet hat.

Für den Diskurs öffnet sich der BVB, wenn es dafür Geld gibt

Darüber hinaus ist auch interessant, für welchen Diskurs sich der BVB öffnet – und für welchen nicht.
Als Hans-Joachim Watzke im Dürre-Sommer 2022 gefragt wird, was er als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Fußball Liga unternimmt, um den CO2-Fußabdruck des Fußballs zu senken, weicht Watzke aus und sagt, das grundsätzliche Geschäftsprinzip werde sich nicht ändern. Obwohl die Klimakrise ebenfalls die Eckpfeiler unseres Zusammenlebens in Gefahr bringt.
Einen bewussten Diskurs startet der BVB also nicht, wenn ein Thema die Demokratie gefährdet – sondern nur dann, wenn der Klub dafür viel Geld bekommt.