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StartseiteKalenderblattDie kurze Hoffnung auf dauerhaften Frieden04.02.2015

Konferenz von JaltaDie kurze Hoffnung auf dauerhaften Frieden

Die Konferenz in Jalta, zu der vor 70 Jahren die Regierungschefs der USA, der Sowjetunion und Großbritannien zusammenkamen, gilt vielen Historikern als Paradebeispiel für die Unvereinbarkeit der Interessen der Siegermächte. Teilnehmer setzten in sie jedoch die Hoffnung auf eine friedliche und demokratische Weltordnung.

Von Bert-Oliver Manig

Urlaubsparadies Jalta: Der Liwadija-Palast war 1945 Schauplatz der historischen Jalta-Konferenz, wo die drei Großmächte 1945 Deutschland und Europa aufteilten. (dpa / Daniel Gammert)
Urlaubsparadies Jalta: Der Liwadija-Palast war 1945 Schauplatz der historischen Jalta-Konferenz, wo die drei Großmächte 1945 Deutschland und Europa aufteilten. (dpa / Daniel Gammert)

Der abgelegene Konferenzort, der Badeort Jalta, auf der weitgehend kriegszerstörten Halbinsel Krim am Schwarzen Meer, wo vom 4. bis zum 11. Februar 1945 die Regierungschefs der USA, Großbritanniens und der UdSSR über die künftige Weltordnung verhandelten, war gar nicht nach dem Geschmack der Gäste. Doch alle Versuche der Briten und Amerikaner, einen anderen Treffpunkt zu vereinbaren, waren an der Sturheit des sowjetischen Diktators Josef Stalin gescheitert. So musste der schwerkranke amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt eine Anreise per Schiff und Flugzeug von mehr als 11.000 Kilometern auf sich nehmen. Und der britische Premier Winston Churchill mokierte sich sarkastisch über die zu erwartenden Unannehmlichkeiten, wie ein Vertrauter Roosevelts aus London berichtete:

"Churchill meint, dass wir keinen schlimmeren Ort auf der Welt hätten finden können als Jalta, selbst wenn wir zehn Jahre danach geforscht hätten. Er glaubt aber, überleben zu können, wenn er einen angemessenen Whiskyvorrat mitnimmt. Er behauptet, Whisky sei gut gegen Typhus und tödlich für die Läuse, die in der Gegend gedeihen."

Als Churchill und Roosevelt in Jalta eintrafen, hellte sich die Stimmung aber schnell auf. Das lag nicht allein daran, dass man dort für die ausländischen Delegationen angemessene herrschaftliche Häuser hergerichtet hatte und sie fortan mit Kavier, Krimsekt und anderen Köstlichkeiten in Überfülle verwöhnte. Auch die Siegeszuversicht der drei Verbündeten im Kampf gegen den Faschismus wirkte beflügelnd: Kaum zehn Monate nach dem Abzug der deutschen Wehrmacht von der Krim standen die alliierten Soldaten bereits an den Ufern von Oder und Rhein, die Kapitulation Hitler-Deutschlands war absehbar.

Alle Parteien zufrieden

Alle Verhandlungsparteien in Jalta konnten Erfolge verbuchen: Churchill setzte die Beteiligung Frankreichs an der künftigen Besatzungsherrschaft über Deutschland durch, Roosevelt erhielt die Zusage Stalins zum Beitritt der UdSSR in die neu zu gründende Organisation der Vereinten Nationen und zu ihrem Eintritt in den Krieg gegen Japan. Stalin wiederum ließ sich diese Bereitschaft mit territorialen Zugeständnissen im Fernen Osten auf Kosten Japans und Chinas und einem nahezu unbegrenzten Vetorecht im UN-Sicherheitsrat bezahlen.

Besonders zufrieden mit den Ergebnissen war die amerikanische Delegation. Harry Hopkins, ein enger Berater Roosevelts, beschrieb die euphorische Stimmung nach der Jalta-Konferenz:

"Wir glaubten im Herzen wirklich, ein neuer Tag sei angebrochen. Wir waren absolut überzeugt, den ersten großen Friedenssieg gewonnen zu haben - und wenn ich sage 'wir', dann meine ich uns alle, die ganze zivilisierte Menschheit. Die Russen hatten bewiesen, dass sie vernünftig und weitblickend sein konnten, und weder der Präsident noch irgendeiner von uns zweifelte im Geringsten daran, dass wir mit ihnen leben und friedlich auskommen könnten bis in unabsehbare Zukunft."

Auf Zuversicht folgt Katzenjammer

Besonders die Tatsache, dass Stalin eine "Erklärung über das befreite Europa" unterzeichnete, in der freie und geheime Wahlen in allen vom Faschismus befreiten Ländern zugesagt wurden, gab zu Hoffnungen Anlass. Die Zusage galt auch für das von der Roten Armee besetzte Polen, wie die Weltöffentlichkeit in der Nacht zum 12. Februar über die BBC erfuhr:

"Die gegenwärtige provisorische Regierung in Polen soll durch den Eintritt anderer demokratischer Führer aus Polen oder dem Exil auf eine breitere Basis gestellt werden. Es werden so bald wie möglich freie Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts ausgeschrieben werden."

Doch nach der Konferenz hintertrieben die Russen die zugesagte Demokratisierung der kommunistischen Regierung in Warschau ebenso wie die angekündigten freien Wahlen - auch übergingen sie bei der im Kern zwischen den Alliierten unstrittigen Westverschiebung Polens die Briten und Amerikaner und legten die polnisch-deutsche Grenze eigenmächtig fest. In Washington herrschte bald Katzenjammer. Antikommunistische Hardliner wie der amerikanische Diplomat George Kennan prägten von nun an die öffentliche Meinung über die Konferenz von Jalta. Kennan war vom Konferenzergebnis geradezu angewidert:

"Die Erklärung von Jalta mit ihren Hinweisen auf die Umstellung des bestehenden kommunistisch-polnischen Regimes 'auf eine breite demokratische Basis' und auf die 'Abhaltung freier und ungehinderter Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts' erschien mir als ein besonders schäbiges Beispiel für Doppelzüngigkeit.

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