Dienstag, 20.11.2018
 
Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteKalenderblattKonservativer Kirchenvater28.08.2005

Konservativer Kirchenvater

Vor 1575 Jahren starb der Kirchenlehrer Aurelius Augustinus

Aurelius Augustinus gilt als einer der wichtigsten Kirchenväter, als bedeutender Denker der abendländischen Kultur. Von ihm stammt der Ausspruch "Roma locuta, causa finita" - "Der Papst hat gesprochen, die Sache ist beendet." Damit legte er einen Grundstein für die spätere innerkirchliche Macht des Papstes.

Von Anna Gann

Im Werk "Confessiones" schildert Augustinus seine Wandlung zum Christen.    (AP)
Im Werk "Confessiones" schildert Augustinus seine Wandlung zum Christen. (AP)

"Nimm, und lies! Nimm, und lies!" An einem Tag im Sommer des Jahres 386 drang von irgendwo her eine leise Kinderstimme an das Ohr des Aurelius Augustinus, des späteren Heiligen Augustinus. "Nimm und lies!"

Augustinus hatte sich in seinen Garten in Mailand zurückgezogen. Unter einem Feigenbaum rang er mit sich selbst. Seine Mutter Monika, die später ebenfalls heiliggesprochen wurde, hatte ihn im nordafrikanischen Thagaste christlich erzogen. Doch er war nie getauft worden. Während des Studiums in der Handelsmetropole Karthago hatte er sich in das pulsierende Stadtleben gestürzt und sich vorübergehend dem Manichäismus zugewandt, einer ursprünglich persischen Religion, die von der Kirche bekämpft wurde. 15 Jahre lebte er in eheähnlicher Beziehung mit einer Afrikanerin, mit der er auch einen Sohn hatte. Als Rhetorik-Professor stieg er bis zum Dozenten am kaiserlichen Hof auf. Doch dann verspürte er den Drang, Christ zu werden. Dazu musste er jedoch, so war er überzeugt, sein weltliches Leben aufgeben.

"Nimm, und lies! Nimm, und lies!" Augustinus erkannte in der Kinderstimme einen göttlichen Anruf. Er griff zur Bibel und schlug sie wahllos an einer Stelle auf. Es war der Römerbrief des Apostels Paulus. Sein Blick fiel auf den Satz: "Nicht in Gelagen und Zechereien, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Hader und Eifersucht, ziehet vielmehr den Herrn Jesus Christus an und pflegt nicht das Fleisch zur Erregung eurer Lüste."

Für den zaudernden Lebemann stand fest: Dieser biblische Spruch war eine eindeutige Aufforderung an ihn. Im Rückblick bekannte er: "Ich las nicht weiter, es war wahrlich nicht nötig, denn alsbald am Ende dieser Worte kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entfloh."

Augustinus hat die Wandlung zum Christen in seinen "Confessiones", "Bekenntnisse" geschildert. Es ist eines seiner Hauptwerke, eine ausschmückende Biographie. Der zeitgenössische italienische Komponist Luca Belcastro hat einen Teil dieser insgesamt 13 Bücher vertont. Das Stück wurde 2001 in Hannover uraufgeführt.

Kurz nach seiner Bekehrung zum Christentum ließ Augustinus sich taufen. Sein bisheriges Leben erschien ihm nun als sündhaft und gottlos. "Wehe, mit welchen Spießgesellen ich mich auf den Straßen Babels umhertrieb und mich in ihrem Kote wälzte wie in köstlichen Spezereien und Salben."

396 wurde Augustinus Bischof von Hippo Regius im heutigen Algerien. In den Auseinandersetzungen mit christlichen Splittergruppen prägte er kirchliche Glaubenspositionen, die besonders auf die Theologie des Mittelalters wirkten, im heutigen Christentum allerdings als sehr konservativ gelten. Nach der Eroberung Roms durch die Westgoten verfasste er ein weiteres Hauptwerk, das 22-bändige "De civitate Dei", zu deutsch: Der Staat Gottes.

"So lange der himmlische Staat gleichsam im irdischen Staate gefangen sein Pilgerleben führt, gehorcht er ohne Bedenken den Gesetzen des irdischen Staates, die all das regeln, was der Erhaltung des sterblichen Lebens dient."

Die Unterscheidung zwischen "Gottesstaat" und "irdischem Staat" wurde in der Folgezeit kirchenpolitisch bedeutsam. Sie stützte die Auffassung: Der Papst, der Regent des "geistlichen Reiches", steht über den weltlichen Herrschern, die Kirche über dem Staat. Weitreichende Auswirkungen, die dazu beitrugen, dass Aurelius Augustinus bis heute als wichtigster Theologe der Spätantike und darüber hinaus als großer Denker gilt. Seine Lehren beeinflussten nicht nur die abendländische Theologie und Philosophie, sondern auch die europäische Kultur. Doch das ruhmvolle Bild hat auch Schattenseiten: Als Bischof war Augustinus für Glaubenszwang gegenüber Abweichlern. Er verachtete das Körperliche und übte strenge Askese – eine Lebensweise, die ein leibfeindliches Christentum fördert und einen weltzugewandten, lebensfrohen Glauben erschwert.

Augustinus starb mit 75 Jahren am 28. August 430 während der Belagerung Hippos durch die Vandalen. Er wurde unter anderem zum Patron der Bierbrauer erkoren; denn die nach ihm benannten Augustiner-Mönche galten als hervorragende Bierproduzenten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk