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StartseiteSprechstundeKontrast-Ultraschall04.11.2008

Kontrast-Ultraschall

Studien und künftige Einsatzgebiete

Ultraschall-Untersuchungen haben keine Nebenwirkungen und lassen sich ortsunabhängig durchführen. Allerdings waren sie bislang nicht allzu genau. Neue, speziell für den Ultraschall entwickelte Kontrastmittel ermöglichen jetzt detailgenaue Bilder. So lässt sich der Ultraschall zukünftig immer breiter einsetzen.

Von William Vorsatz

Ärztin mit Stetoskop (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Ärztin mit Stetoskop (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

"Wir haben uns jetzt hier den zentralen Bereich der Leber eingestellt, Sie sehen hier eine etwas dunkle Läsion, und wir wollen jetzt sehen, wie diese Läsion das Kontrastmittel anreichert. "

Berliner Charité, Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin. Professor Thomas Albrecht tastet mit dem Schallkopf die Leber eines Patienten ab: Verdacht auf Metastasen. Um mehr zu sehen, spritzt er ein Kontrastmittel, das speziell bei Ultraschall wirkt. Schon nach zehn Sekunden ist es in der Leber angekommen. Der Monitor zeigt es:

"Sie sehen hier zunächst einmal in diesem hellen Grau diese baumartig sich aufzweigenden Strukturen, das sind die Lebergefäße. Und dann unmittelbar an eine solche Lebervene angrenzend, jetzt den Herd als deutliche Kontrastmittel-Aussparung, das heißt daher, deutlich dunkler und sehr gut abgrenzbar, dies ermöglicht uns einerseits, zu erkennen, um was für eine Art Tumor es sich handelt, und zweitens auch weitere solche Läsionen besser zu erkennen, weil sie sich eben so gut abgrenzen lassen. "

In der Spritze waren winzige Mengen eines ganz speziellen Gases gelöst. Die einzelnen Gasblässchen sind dabei nur halb so groß wie rote Blutkörperchen. Deshalb verursachen sie keine Embolien und gelangen mit dem Blut selbst in kleinste Gefäße. Die Mikrobläschen reflektieren den Ultraschall besonders gut. An den charakteristischen Durchblutungsmustern können die Experten erkennen, ob es sich um gut- oder bösartige Tumoren handelt. Jetzt haben die Wissenschaftler die erste große Studie zur Kontrastsonografie bei Verdacht auf Leberkrebs vorgestellt. 1400 Patienten an 24 verschiedenen Kliniken nahmen daran teil. Dr. Deike Strobel vom Universitätsklinikum Erlangen:

"Zuvor waren es immer einzelne Spezialisten, die wissenschaftlich darüber gearbeitet haben, jetzt war es eine Studie, die aus dem klinischen Alltag heraus gemacht wurde, also es wurden alle Patienten eingeschlossen, die Raumforderungen hatten, die unklar waren. "

Mit Raumforderungen meinen die Ärzte ungeklärte Veränderungen des Gewebes:


"Und bei diesen gut- und bösartigen Raumforderungen hat sich gezeigt, dass die Methode über 90 Prozent dieser Raumforderungen sicher zuordnen konnte, in gut- oder bösartig. "

Das heißt, in neun von zehn Fällen sind keine weiteren Untersuchungen wie Computer-Tomografie oder Kernspin-Tomographie notwendig. Der Patient erfährt also meist sofort das Ergebnis, ohne eine quälende Zeit der Ungewissheit. Und ohne belastende Röntgenstrahlung wie bei der Computer-Tomografie. Herkömmliche Ultraschall-Untersuchungen waren bisher zu ungenau. Dr. Hans-Peter Westkot vom Siloah Krankenhaus in Hannover:

" Wir denken, dass die Einführung dieser Ultraschall-Kontrastmittel ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung unserer Technik ist, es hat etwas revolutionäres für diese Diagnostik, da wir mit dieser Technik zu Diagnosen kommen können mit einer Sicherheit und eine Zuverlässigkeit, wie wir sie bisher so noch nicht gekannt haben. Und wir erhoffen uns davon auch für die Zukunft große Fortschritte auf anderen Gebieten, nicht nur der Leber. "

Etwa bei Niereninfarkten, wenn sich Gefäße dort plötzlich verschließen. Die Symptome sind zunächst ähnlich wie bei Nierensteinen. Und Nierenzysten, die gerade bei älteren Menschen sehr häufig vorkommen, lassen sich klar von bösartigen Tumoren abgrenzen. Entzündliche Bauchspeicheldrüsen können die Ärzte mit der Kontrast-Sonografie ebenfalls gut beobachten, besonders den Verlauf der Erkrankung. Die Untersuchung lässt sich problemlos alle zwei Tage zu wiederholen. Das Kontrastmittel ist vollständig abbaubar und gut verträglich. Allerdings sind für die den Einsatz leistungsfähige neue Ultraschallgeräte notwendig. Außerdem müssen die Ärzte sich zusätzlich schulen. So wird der Ultraschall mit Kontrastmitteln zunächst auf spezialisierte diagnostischen Zentren beschränkt bleiben.

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