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KosmetikseminarPflegetipps für Krebspatientinnen

Eine Chemo- und Strahlentherapie bei der Diagnose Krebs verändern das Aussehen drastisch. Die Haare fallen aus, vielleicht auch Wimpern und Augenbrauen. Die gemeinnützige Gesellschaft DKMS Life bietet deshalb spezielle Kosmetikkurse an, zum Beispiel im Katholischen Klinikum in Mainz.

Von Anke Petermann | 26.09.2016

Krebszellen
Krebszellen: Neben dem Kampf ums Leben ist für viele Menschen auch die Veränderung des eigenen Äußeren erschreckend. (dpa / picture alliance / CTK Petr Eret)
Nicole trägt eine blonde Perücke, Annes graues Haar ist ein wenig, aber noch nicht auffällig schütter geworden. Der Haarausfall im Zuge der Chemo steht noch bevor. Ein Shampoo-Tröpfchen recht oft schon, sagt Pia Huf, Kosmetikerin im Ehrenamtseinsatz.
"Wenn aber die Kopfhaut aufgrund des Haarverlusts sehr, sehr empfindlich ist, was ja meistens der Fall ist, nehmen Sie ein ganz mildes Reinigungsprodukt für die Gesichtshaut, eine Reinigungsmilch, geben sie in die Handfläche und kreisen die über die Kopfhaut und spülen das mit Wasser ab. Die Haut wird nicht zu sehr ausgelaugt und gereizt."
Gereizte und gerötete Haut ist ein Problem
Gereizte, gerötete Haut – das Problem kennen die zehn Krebspatientinnen zwischen 15 und 70 Jahren. Seife, aggressives Gesichtswasser oder rubbelndes Peeling sind jetzt nicht angeraten, sondern milde Pflege, am besten so verpackt, dass sie hygienisch bleibt. Zum Beispiel mit einem Creme-Spender, so wie bei einem der gesponserten Produkte, mit denen die Krebspatientinnen im Workshop arbeiten.
"Die Öffnung ist relativ klein, damit es nicht kontaminiert mit Bakterien. Also, Sie drücken einfach. Und Sie nehmen sich so eine kleine Erbsengröße an Pflege, den Fingerkuppen sanft einmassieren, immer entgegen der Schwerkraft, immer von unten nach oben. Mit leichten, kreisenden Bewegungen ... ",
... bis auf die Kopfhaut. Das zeigt die Kosmetikerin den Frauen, die inzwischen Tücher und Perücken abgelegt haben. Streicheleinheiten für Haut und Seele. Ein Kompakt-Make-up kann Rötungen verbergen, ein Concealer, mit dem Mittelfinger unters Auge gerollt, lässt dunkle Schatten verschwinden. Dolores, die mit über 70 schon ihre dritte Krebserkrankung durchmacht, schaut in den Spiegel – zufrieden.
"Ja doch! Also, ich finde, die Rötung vom Kortison ist ein bisschen zurückgenommen."
Wenn Krebspatientinnen die Haare auch im Gesicht ausgehen, wird der Augenbrauenstift zum wichtigsten Schminkutensil. Vom Nasenflügel über den inneren Augenwinkel gelegt, demonstriert Pia Huf, markiert die Verlängerung des Stifts den inneren Ansatzpunkt der Braue.
"Das heißt, Sie machen sich hier einen kleinen Punkt."
Vom Nasenflügel über den äußeren Augenwinkel gelegt, markiert der Stift den äußersten Ansatzpunkt der Braue, vom Nasenflügel mitten übers Auge gelegt, den höchsten Punkt.
"Und diese drei Punkte kennzeichnen Sie sich und schraffieren dann ganz leicht mit dem Stift."
Dominant oder dezent, je nachdem, wie der Brauenwuchs ursprünglich war.
- "War sehr dicht bei mir und dunkel."
- "Ja, dann können Sie da auch großzügig schraffieren."
Spezielle App hilft bei der Suche nach guter Kosmetika
Auf dem Markt sind auch Seren, die Wimpern wachsen lassen. Nicole ist skeptisch. Sie leidet an einem hormonempfindlichen Krebstumor und nutzt beim Kosmetikeinkauf den sogenannten Tox-Fox, eine Smartphone- App des Bundes für Umwelt und Naturschutz, kurz BUND.
"Und da gehe ich durch die Drogerien. Und durch den Barcode auf dem Produkt entdeckt diese App sofort, ob das Produkt hormonfrei ist. Wenn's hormonfrei ist, ist ein schönes rotes Herz zu sehen."
Wenn nicht, lässt Nicole es liegen, um kein Risiko einzugehen. Zertifizierte Naturkosmetik ist hormonfrei, sagt am Telefon Ulrike Kallee, die Kosmetik-Spezialistin beim BUND in Berlin. Wer schadstoffarme Schminke will, muss ansonsten im Kleingedruckten suchen nach hormonwirksamen Parabenen, nach Silikon, Formaldehyd und dessen Abspaltern, nach Paraffin oder Polyethylenglykolen, kurz PEG. Die machen die Haut durchlässiger für Fremdstoffe.
Auch hochpreisige Markenprodukte enthalten problematische Emulgatoren und Konservierungsstoffe, weiß die BUND-Expertin. Wer ökologische Tests verfolgt, bekommt eine Idee davon. Das Ökotest-Jahrbuch liefert eine Zusammenfassung.