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Kosmische Lücken
Nichts sagt viel

Um etwas über das Universum als Ganzes zu lernen, untersuchen die meisten Astronomen große Ansammlungen leuchtender Materie, etwa Galaxienhaufen. Dagegen erforscht Nico Hamaus von der Universitätssternwarte München jetzt die Gebiete im All, in denen nichts zu sehen ist.

Von Dirk Lorenzen | 19.09.2016

    Galaxienhaufen bilden im Universum große Wände, die riesige Leerräume umgeben.
    Galaxienhaufen bilden im Universum große Wände, die riesige Leerräume umgeben. (Hamaus/LMU)
    Der junge Kosmologe hat mit einem internationalen Forscherteam die gigantischen Leerräume untersucht, die in der großräumigen Struktur des Kosmos zwischen den Wänden und Haufen aus Galaxien liegen. In diesen Bereichen gibt es kaum sichtbare Materie. Dafür dürften sie voller Dunkler Energie sein, die nach gängiger Vorstellung das Universum immer schneller auseinander treibt.
    Salopp gesagt, sehen sich Nico Hamaus und seine Kollegen die ländlichen Gebiete im Kosmos an und nicht die Großstädte. Sie hoffen, dass sich dort Effekte der Dunklen Energie eher verraten als im Gewimmel der Galaxien. Das Team wertete den Sloan Digital Sky Survey aus, eine großräumige Kartierung des Weltalls. Wie sich zeigt, passt die Entwicklung der großen Leerräume im Laufe der kosmischen Geschichte bestens zur Allgemeinen Relativitätstheorie.
    Das ist für die Forscher eher unerfreulich. Denn die Astronomen suchen händeringend nach Beobachtungen, die nicht zur Einsteinschen Theorie passen. Solche Daten könnten helfen, die Natur der Gravitation besser zu verstehen und endlich zu erkennen, was hinter der ominösen Dunklen Energie steckt. So wurde das bestehende Modell bestätigt, das zwar gut die Beobachtungen beschreibt, aber keine physikalische Erklärung liefert. Das Nichts im All sagt zwar viel, aber das hilft manchmal – nichts.