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StartseiteCampus & KarriereGefragter Job in Frankreich22.07.2019

KrankenpflegeGefragter Job in Frankreich

Harte Arbeit und wenig Lohn - die Arbeitsbedingungen von Krankenpflegerinnen und -pflegern sind in Frankreich noch schlechter als in Deutschland. Trotzdem ist die Zahl der Bewerber für Krankenpflegeschulen in Frankreich gestiegen. Der Grund dafür hat auch mit Wertschätzung zu tun.

Von Suzanne Krause

Der albanische Krankenpfleger Samed Qoshja bereitet in der Neurochirurgie der Charité am Campus Benjamin Franklin eine Infusion vor.  (Kristin Bethge/dpa)
In Frankreich haben Krankenpfleger mehr Befugnisse als in Deutschland (Kristin Bethge/dpa)
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Am östlichen Rand von Paris liegt das Hopital Armand-Trousseau, ein altehrwürdiges Kinderkrankenhaus. Dort im Gewerkschaftsbüro türmen sich Exemplare des jüngsten Monatsheft der französischen Gewerkschaft des Krankenpflegepersonals. Darin ist zu lesen, dass 2018 das Budget der öffentlichen Krankenhäuser um 960 Millionen Euro gekürzt wurden und in diesem Jahr weitere 663 Millionen Euro einzusparen seien. Die Broschüre spricht vom "Leid der Krankenpfleger", Gewerkschaftsführer Thierry Amouroux nennt ein Beispiel:

"In den letzten vier Jahren wurden allein in Paris in den öffentlichen Krankenhäusern 4.500 Posten gestrichen."

Dabei steige der Bedarf, sagt Amouroux Kollege William Perel: Die Bevölkerung sei gewachsen, die Zahl der Pflegebedürftigen ebenso wie die der chronisch Erkrankten gestiegen.

"Ich bin Krankenpfleger geworden, weil mir der menschliche Aspekt, die Beziehung zum Patienten, am Herzen liegt. Ich habe Fachwissen, klinische Kompetenzen, unter anderem im Bereich Arzneimittel. Doch nun bin ich immer mehr zu Schreibkram gezwungen, dazu, Anrufe entgegenzunehmen und Sanitäter-Dienste zu erledigen."

Zunehmende Bewerbungen für Krankenpflegeschulen

In Deutschland reicht der Realschulabschluss für eine Krankenpflegerausbildung. In Frankreich wird Abitur verlangt. Die Bewerbungsmodalitäten jedoch haben sich in diesem Jahr grundlegend geändert, sagt Bilal Latréche, Präsident der Gewerkschaft der Studierenden im Bereich Krankenpflege.

"Erstmals werden nun die Plätze an den Krankenpflegeschulen über die zentrale Studienplatzvergabe angeboten. Bislang hatte jeder Kandidat eine harte und teure Aufnahmeprüfung abzulegen. Da buchte mancher gar noch einen Vorbereitungskurs."

Jetzt hat jeder Interessent den Überblick über alle Krankenpflegeschulen im Land – und gratis Zugang. Alle Bewerbungen werden von der Kommission der zentralen Studienplatzvergabe geprüft. Dieser neue, direkte Weg erklärt, dass in diesem Jahr über 100.000 Bewerbungen bei der Krankenpflege eingingen – ein Drittel mehr als je zuvor.

Harte Arbeit und wenig Lohn

Damit verzeichnet der Pflegebereich unter den Angeboten der zentralen Studienplatzvergabe mit Abstand die meisten Bewerber. Und das, obwohl die dreijährige Ausbildung - zur Hälfte Theorie, zur Hälfte Praxis - harte Arbeit bedeutet. Zudem: Während in Deutschland die Auszubildenden ein monatliches Gehalt bekommen, wird in Frankreich nur für die Praktikumszeiten ein Minimalbetrag gezahlt. Apropos Geld: Der Einstiegslohn für Krankenpfleger beträgt in Deutschland im Schnitt rund 2.100 Euro – in Frankreich 1.400 Euro.

Hohe Wertschätzung

Thierry Amouroux von der Landesgewerkschaft des Pflegepersonals verweist auf einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Ländern.

"Wir sind befugt, weit mehr technische, medizinische Handlungen durchzuführen als Fachkräfte in Deutschland, zum Beispiel, was Injektionen und Transplantationen anbelangt."

Seit 2009 entspricht der Krankenpflege-Schulabschluss in Frankreich einem Uni-Diplom und ermöglicht ein weiterführendes Studium, sagt Bilal Latréche von der Studierenden-Gewerkschaft.

"Mehr und mehr Studierende im Bereich Krankenpflege gehen einen Master an, ob im Bereich öffentliche Gesundheit oder auch Gesundheitsmanagement."

Trotz oder vielleicht auch wegen der harten Arbeit und dem geringen Lohn steht das Krankenpflegepersonal in der Wertschätzung der Franzosen an oberster Stelle.

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