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StartseiteInformationen am MorgenJimmy Carter überrascht mit heiterem TV-Auftritt21.08.2015

Krebs-DiagnoseJimmy Carter überrascht mit heiterem TV-Auftritt

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter war zuletzt vor allem mit seiner Stiftung für Menschenrechte, Frieden und Demokratie aufgefallen. Nun gab er eine denkwürdige Pressekonferenz: Er leide an Krebs, erklärte er, dachte laut über sein Leben nach – gab sich dabei aber beeindruckend heiter und gelassen.

Von Bettina Klein

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter gibt eine Pressekonferenz zu seiner Krebs-Diagnose und spricht über sein Leben und die Arbeit seiner Stiftung im Carter-Center in Atlanta. (picture alliance / dpa Erik S.Lesser)
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter spricht über seine Krebs-Diagnose. (picture alliance / dpa Erik S.Lesser)

Eine historische Seltenheit, ein amerikanischer Ex-Präsident äußert sich mit 90 Jahren auf einer Pressekonferenz über seinen Gesundheitszustand, über sein Leben als solches und stellt sich den Fragen von Journalisten. Und natürlich, wäre es nicht Jimmy Carter, eine Person der Zeit- und der Weltgeschichte, die Anteilnahme wäre nicht derart groß.

"What was your initial reaction when you've heard the c-word, the cancer word..."

Wie hat er die Nachricht aufgenommen, als er die Krebs-Diagnose hörte, jenes "C-Wort", wie es hier heißt, C für Cancer."

"Nach der Diagnose mit den Krebszellen im Gehirn, dachte ich, ich habe nur noch ein paar Wochen, aber ich war erstaunlich gelassen. Ich hatte ein wundervolles Leben, Tausende Freunde, eine aufregende, abenteuerliche und erfüllte Existenz."

Jimmy Carter referierte acht Minuten über seinen Gesundheitszustand und die Therapie, der er sich nun unterziehen wird, beginnend noch am selben Tag. Mit Bestrahlung der Krebszellen in seinem Gehirn. Er vertraue den Ärzten und habe niemals mit dem Gedanken gespielt, auf eine Therapie zu verzichten. Ein 90 Jahre alter Patient, mit charmantem Lächeln, eloquent wie eh und je, auch wenn die Stimme etwas brüchig geworden ist.

"Die Bushs haben mich angerufen", zählte er auf, "Präsident Obama, die Clintons – und der Außenminister... Das erste Mal seit Langem, dass der sich gemeldet hat!"

Rückblick auf ein erfülltes Leben

So Jimmy Carter unter wissendem Gelächter der anwesenden Journalisten. Carter hatte zuletzt die ergebnislose Außenpolitik der Obama-Regierung gegenüber Israel und den Palästinensern deutlich kritisiert. Carters größte Leistung war der Frieden von Camp David zwischen Israel und Ägypten, der bis heute Bestand hat. Er sprach während der Pressekonferenz über die derzeit aussichtslose Lage im Nahen Osten und die gegenwärtige Einflusslosigkeit der USA. Zur Negativbilanz in seinem eigenen Leben gehört die gescheiterte Geiselbefreiung im Iran, die ihn 1980 die Wiederwahl kostete.

"Ich hätte einen Helikopter mehr schicken sollen", räumte er gestern ein,"dann wäre ich wohl noch mal gewählt worden. Aber dann hätte ich meine Stiftung nicht gegründet, und wenn ich wählen sollte, ich würde mich für das Carter Center entscheiden."

Und die beste Entscheidung in seinem Leben? Natürlich.

"Dass ich Roselyn geheiratet habe, der Höhepunkt meines Lebens, wir sind 69 Jahre zusammen... immer noch zusammen."

In Carters Leben spielt der Glaube eine große Rolle. Hoffnung. Akzeptanz. Und nehmen, wie es kommt.

"Ich bin in Gottes Hand, und ich bin vorbereitet auf alles, was geschieht. Ich freue mich auf das nächste Abenteuer."

Carter hat noch eine Menge vor. Später im Jahr will er für seine Organisation nach Nepal reisen. Er muss dafür nur die letzte Behandlung verschieben, so versicherte er gestern.

"I'm leaving, thank you all very much...!"

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