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StartseiteKalenderblattKriegsheld und Landgraf30.03.2008

Kriegsheld und Landgraf

Vor 375 Jahren wurde Friedrich II., Prinz von Homburg, geboren

Als Friedrich von Homburg mitten im 30-jährigen Krieg geboren wurde, sahen seine Aussichten wenig rosig aus: Sein Vater war Landgraf von Hessen-Homburg, einem winzigen hessischen Territorium, das am Rande des Bankrotts stand und von marodierenden Truppen heimgesucht wurde. Und Friedrich hatte als jüngster von vier Brüdern keine Aussicht, jemals an die Regierung zu kommen. Und trotzdem schaffte er es, zu einem der prägenden Fürsten des alten Deutschen Reiches zu werden. Berühmtheit erlangte er über 100 Jahre nach seinem Tod durch Heinrich von Kleist, der ihn in seinem vielleicht wichtigsten Drama verewigte. Heute vor 375 Jahren wurde Prinz Friedrich von Homburg geboren.

Von Christian Berndt

"Auf! Lasst Fanfaren blasen. Folge mir. Brüder, in Staub mit allen Feinden Brandenburgs. In Staub mit allen Feinden Brandenburgs."

Mit jugendlichem Überschwang hat der blonde Jüngling die Schlacht entschieden. Jetzt soll der Prinz trotz seines Sieges hingerichtet werden, weil er gegen den Befehl des brandenburgischen Kurfürsten zu früh losgeschlagen hat. Heinrich von Kleist hat mit seinem Drama "Prinz Friedrich von Homburg" den Sieger der Schlacht von Fehrbellin 1675 zum patriotischen Helden gemacht. Das Drama von 1811 war das Lieblingsstück Kaiser Wilhelms II., die Nazis erklärten es zum arischen Heldenepos. Der echte Prinz von Homburg dagegen, der zu Kleists Zeiten längst vergessen war, hat damit wenig zu tun.

Friedrich von Homburg wird am 30. März 1633, mitten im 30-jährigen Krieg geboren. Die Landgrafenfamilie von Hessen-Homburg lebt in einer zugigen mittelalterlichen Burg mit halb verfallenen Mauern. Das winzige Territorium zählt maximal 2500 Einwohner. Für Friedrich, den Jüngsten, bleibt nur die Militärlaufbahn, immerhin darf er trotz Finanznot die Ritterakademie in Genf besuchen. 1654 tritt der 21-Jährige in schwedische Dienste. Friedrichs erster Einsatz läuft erfolgreich, mit einer tollkühnen Kavallerieattacke führt er sich grandios ein. Vier Jahre später ist er bei der Belagerung Kopenhagens dabei. Bei einem besonders verwegenen Angriff, über den Friedrichs Kammerdiener berichtet, passiert ein Unglück:

"Der Feind wagte einen Ausfall und wurde von Seiner Durchlaucht empfangen. Daraufhin wurde Seine Durchlaucht von einer sechspfündigen Kanone getroffen, dass das Pferd durch und durch geschossen war. Dabei ward Seiner Durchlaucht Schenkel abgeschossen, er hing aber noch an einer großen Sehne. Er ließ sich ein Messer geben und schnitt den Schenkel selbst ab."

Nachdem Friedrich ein Bein verloren hat, ist der Krieg für ihn vorbei, und der 26-Jährige wird mit einer lebenslangen Pension ausgestattet. Allerdings weigern sich die Schweden zu zahlen. Nach langem Streit wird der hochangesehene Kriegsheld zur Entschädigung am Stockholmer Hofe mit der 30 Jahre älteren Witwe eines Sohnes des ehemaligen schwedischen Reichskanzlers vermählt. Friedrich ist jetzt vermögend und kauft Ländereien in Brandenburg. Als nach acht Jahren Ehe seine Frau Margarete stirbt, heiratet er ein Jahr später die Tochter des Herzogs von Kurland. Die Ehe wird über den Kurfürsten von Brandenburg vermittelt, der Friedrich als Soldaten schätzt und ihn als General in Dienst nimmt. Allerdings nur hinterm Schreibtisch in Berlin. Der leicht aufbrausende Friedrich beschwert sich sofort:

"Ich muss mit großer Ungemächlichkeit an diesem teuren Ort mit dem wenigen, nicht mehr als fünfzig oder sechzig Reichstaler auskommen. Obwohl im Feld, wo man bekanntlich mit ungleich geringeren Kosten leben kann, dort stehende Oberste ebensoviel bekommen."

Friedrich denkt auch als Offizier immer wie ein Unternehmer. Eine Gelegenheit für den ersehnten Kampfeinsatz ergibt sich, als die Schweden in Brandenburg einfallen. In der Schlacht von Fehrbellin am 18. Juni 1675 kann Friedrich den Sieg wieder mal durch riskantes Vorpreschen entscheiden, allerdings keinesfalls wie in Kleists Drama gegen ausdrücklichen Befehl. Verstimmungen mit dem Kurfürsten gibt es eher aus finanziellen Gründen, Friedrich lässt nach der Schlacht an Friedrich Wilhelm schreiben:

"Da auch Seine Durchlaucht bei den letzten Feldzügen ein Großes geleistet, so ersucht Dieselbe Sie, Ihr deshalb etwas Ergötzlichkeit widerfahren zu lassen und die jetzige Gage insoweit zu verbessern, dass Sie gleichwohl sich nicht dabei ruinieren müssten."

Nach einem letzten Einsatz quittiert Friedrich den Dienst. Denn mit der Mitgift seiner Frau kann er die Grafschaft Homburg, die seine Brüder vollkommen heruntergewirtschaftet und verpfändet haben, wieder einlösen und als Friedrich II. von Hessen-Homburg regieren.

Jetzt beginnt die Zeit, in der Friedrichs nachhaltigste Wirkung liegt. Er baut das kleine Homburg vollständig um, aus der mittelalterlichen Burg wird ein modernes Barockschloss, in dessen Hof die gesamte Bevölkerung der Grafschaft Platz hätte. Um das vom Krieg entvölkerte Land wieder aufzubauen, nimmt er aus Frankreich vertriebene Hugenotten auf. Am Schluss jedoch hat sich der barocke Landesherr verhoben, der ganze Reichtum seiner Ehefrauen ist verprasst. Aber damit hat Friedrich nicht nur Homburg zu einer prächtigen Residenzstadt gemacht, deren Erscheinungsbild er bis heute bestimmt, er ist auch einer der prägenden Fürsten des Alten Reiches geworden.

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