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Krise der Bayer AGSport als Imageretter?

Seit der Übernahme des amerikanischen Saatgut- und Pflanzenschutzmittelherstellers Monsanto ist die Bayer AG in eine tiefe Krise gestürzt. Die Sportler von Bayer spüren aber noch keine Auswirkungen und machen sich sogar Hoffnungen, das schlechte Image von Bayer wieder aufzupolieren.

Von Daniel Theweleit

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25 Millionen Euro zahlt die Bayer AG der Fußballtochter und stellt den anderen Bayer-Sportvereinen in Leverkusen, Krefeld, Dormagen und Wuppertal jährlich 14 Millionen Euro zur Verfügung (Imago)
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"Im Verlauf des Jahres 2018 verlor unsere Aktie zirka 40 Prozent an Wert. Seit dem Urteil im Fall Johnson am 10. August 2018 haben wir eindeutige Kursreaktionen auf die Entwicklung im Rechtskomplex Glyphosat gesehen, das ist, meine Damen und Herren, sehr enttäuschend und es schmerzt sehr." Mit diesen Worten beschreibt Werner Baumann, der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, auf der jüngsten Hauptversammlung eine düstere Entwicklung, die auch in den Sportvereinen des Konzerns aufmerksam verfolgt wird.

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender, CEO, auf der Hauptversammlung der Bayer AG in Bonn am 26.04.2019. (imago images / Malte Ossowski/Sven Simon)Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender, auf der Hauptversammlung der Bayer AG Ende April (imago images / Malte Ossowski/Sven Simon)

Seit der Übernahme des amerikanischen Saatgut- und Pflanzenschutzmittelherstellers Monsanto ist die Bayer AG in eine tiefe Krise gestürzt. Tausende Arbeitsplätze werden abgebaut, Wirtschaftsexperten halten sogar eine Zerschlagung des Traditionsunternehmens für möglich. Was unabsehbare Folgen für die Standorte und damit auch für den Sport haben könnte.

Gegenwärtig investiert Bayer nach eigenen Angaben jedes Jahr 25 Millionen Euro in die Fußballtochter und stellt den anderen Bayer-Sportvereinen in Leverkusen, Krefeld, Dormagen und Wuppertal jährlich 14 Millionen Euro zur Verfügung.

Bayer-Sportler sind nicht verunsichtert

Die Zukunft ist ungewiss, aber Anne Wingchen, die als Geschäftsführerin des TSV Bayer 04 Leverkusen für 13 Abteilungen jenseits des Fußballs mitverantwortlich ist, hat dennoch nicht den Eindruck, dass die Sportler verunsichert sind: "Wir nehmen im Verein keine besonderen Diskussionen um das Thema wahr. Ich habe den Eindruck, dass das Thema Monsanto genauso diskutiert wird, wie man das im Alltag tut. Wenn man Nachrichten hört oder die Zeitungen liest. Aber an mich ist jetzt noch keine Information herangetragen worden, dass sich ein Mitglied oder ein Sportler Sorgen um die Zukunft des Vereins macht."

Auch Säbelfechter Max Hartung von Bayer Dormagen, der Athletensprecher im Deutschen Olympischen Sportbund, betrachtet die Situation gelassen. Er sagt: "Also als Sportler bin ich schon lange, weil ich beim TSV Bayer Dormagen groß geworden bin, mit dem Unternehmen verbunden. Und wir Sportler schauen natürlich schon genau: Was ist los in der Region mit dem Gesamtunternehmen? Was passiert da, auch die Übernahme von Monsanto: Was passiert da? Allerdings muss ich auch sagen: bisher gibt es keine Anzeichen aus meiner Sicht und keine Kommunikation von Bayer, dass im Sportbereich eingespart werden sollte."

Düsseldorf, Deutschland, SPOBIS, Sportbusiness Kongress in Düsseldorf am 30.01.2018 Max HARTUNG Athletensprecher DOSB *** Dusseldorf Germany SPOBIS sports business Congress in Düsseldorf, Germany on 30 01 2018 Max HARTUNG athletes spokesman DOSB (imago sportfotodienst)Säbelfechter Max Hartung von Bayer Dormagen beobachtet die Vorgänge rund um die Bayer AG nach der Übernahme von Monsanto genau (imago sportfotodienst)

Zugleich sagt Hartung jedoch auch: "Ohne Bayer würde es den Verein TSV Bayer Dormagen und das Fechten in Dormagen, so wie es das bis jetzt gibt, nicht geben."

Gegenüber dem Deutschlandfunk versichert der Konzern, dass weder die Zuwendungen an die Fußball GmbH noch die Mittel für die anderen Bereiche des Bayer-Sportengagements zur Debatte stünden. Massive Kürzungen im Sportbudget, wie sie der Volkswagen-Konzern in Folge der Dieselkrise vornahm, seien nicht zu erwarten.

Schon 2008 gab es Kürzungen im Sportbereich bei Bayer

Ob das so bleibt, wenn irgendwann eine Beteiligungsgesellschaft ins Spiel kommt, wenn der Konzern, wie von Experten befürchtet wird, zerschlagen wird, kann allerdings niemand vorhersagen. Die Gelassenheit der Sportler beruht daher auf dem Umstand, dass die Bayer AG ihre Ausgaben für die Vereine bereits 2008 stark zusammengestrichen hatte.

Die Handballer am Standort Dormagen, die Volleyballer in Wuppertal oder die Basketballer in Leverkusen, die die Männer-Bundesliga dominierten, verschwanden aus der nationalen Spitze. Viele Sportanlagen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand, ohnehin sind an Bau, Betrieb und Instandhaltung längst auch die Städte, die Vereine selbst und das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt. Einige Bereiche wie das Fechten, der Frauen-Handball oder die Leichtathletik profitieren hingegen weiterhin stark von der engen Anbindung des Sports an den Konzern und haben sich trotz der Kürzungen gut weiter entwickelt.

Hoffnung: Sport könnte Bayers Ruf wieder verbessern

Bayer-Geschäftsführerin Wingchen: "Zunächst muss man mal sagen, dass wir auch nach 2008 sehr, sehr großzügig von der Bayer AG unterstützt werden. Es hat natürlich in einigen Bereichen Veränderungen gegeben, die auch sehr tiefgreifend waren, wie damals die Situation mit dem Erstliga-Basketball, das war die einschneidendste Veränderung, aber wir kriegen seither weiterhin eine Unterstützung, die es uns möglich macht, den Spitzensport aufrecht zu erhalten. Für uns war in diesem Moment gemeinsam mit der Bayer AG wichtig, ein Konzept zu entwickeln, wie wir langfristig konstant Spitzensport anbieten können."

Beruhigend wirkt zudem, dass das Sponsoring gerade jetzt wichtig ist für das Image der Bayer AG ist. Die im Verhältnis zu den drohenden Entschädigungssummen bescheidenen Mittel für den Sport haben eine wichtige Marketingfunktion. Den Verantwortlichen ist bewusst, dass die positiven Image-Impulse, die der Sport besser liefern kann als die meisten anderen Marketinginstrumente, einen wertvollen Beitrag zur Reparatur des beschädigten Rufes leisten können.  

Sticheleien von anderen Sportlern

Ein bisschen sensibler als vor dem Monsanto-Problem, das Börsenanalysten als größten Kapitalvernichter in der Geschichte des deutschen Aktien-Index’ bezeichnen, will Wingchen trotzdem mit dem Geld für den Sport umgehen. Der TSV Bayer werde sich, sagt Vereinsgeschäftsführerin Wingchen, "keine Dinge erlauben, die völlig über den sonstigen Rahmen hinausgehen nach dem Motto: Dahinten ist es wirklich sehr, sehr schwierig in der Bayer AG, da denkt man sicherlich in solchen Phasen dran oder ist ein bisschen sensibler als in anderen Zeiten."

Provokante Sprüche zum Monsanto-Thema müssen die Bayer-Sportlerinnen und Sportler sich allerdings schon anhören, wenn sie zu Wettkämpfen antreten, berichtet ein Handball-Trainer. Da könne man aber oft sogar mitscherzen, denn die Entscheidungen der Konzernspitze würden auch in den Hallen und auf den Sportplätzen ziemlich kritisch gesehen.

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