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StartseiteSport Aktuell"Ich verstehe Täve Schur nicht"01.05.2017

Kritik an DDR-Radsportler"Ich verstehe Täve Schur nicht"

Der frühere DDR-Radsportler wird nicht in die Hall of Fame aufgenommen. Das hat die Deutsche Sporthilfe am Freitag bekanntgegeben. Gleichzeitig war Täve Schur in Berlin zu Gast, um an den umstrittenen Deutschen Turn- und Sportbund der DDR zu erinnern. Dafür wird er aus der Politik kritisiert.

Von Thomas Purschke

In der DDR eine Legende, heute umstritten: Radrennfahrer Gustav-Adolf "Täve" Schur. (Imago)
In der DDR eine Legende, heute umstritten: Radrennfahrer Gustav-Adolf "Täve" Schur. (Imago)
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Birgit Neumann-Becker ist Landesbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Beim Bundeskongress der Beauftragten am Wochenende in Magdeburg fand sie deutliche Worte in Richtung Täve Schur. Der frühere DDR-Radsportler hatte immer wieder, auch zuletzt das Zwangsdopingsystem in der DDR als nicht kriminell bezeichnet. "Das erschüttert mich. Täve Schur hat alle Möglichkeiten sich zu informieren, das Thema DDR-Doping ist in der Welt. Nicht umsonst hat der Bundestag ein zweites Dopingopfer-Hilfegesetz verabschiedet, um dieses furchtbare Leid derer zu lindern, die Opfer von Staatsdoping geworden sind. Insofern verstehe ich seine Motivation nicht, hier nicht nur zu leugnen, sondern auch sogar diese Menschen zu beschädigen und ihnen auch ihre Legitimation abzusprechen."

"Es ist tief befremdlich, wie man dem Osten wieder mitspielt"

Während die Sporthilfe am Freitag bekannt gab, Schur nicht in die Hall of Fame aufzunehmen, war dieser zu Gast im Freizeitforum Berlin-Marzahn, um den 60. Gründungstag des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR zu feiern. Das einstige Mitglied des DTSB-Bundesvorstandes Schur sei dort sogar als Festredner aufgetreten. Der DTSB wurde mehr als zwei Jahrzehnte, von 1961 bis 1988 von Präsident Manfred Ewald, einem früheren NSDAP-Mitglied geführt. Ewald, der 2002 verstarb, wurde im Jahr 2000 für seine Mitverantwortung am staatlichen Zwangsdopingssystem in der DDR, zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Das alles stört Schur jedoch nicht. Nach seiner jüngsten Behauptung, der DDR-Sport sei nicht kriminell gewesen, beschwört er jetzt erneut einen Ost-West-Konflikt herauf. Das "Neue Deutschland" zitierte Schur zur ablehnenden Jury-Entscheidung der Sporthilfe: "Das ist für alle ernüchternd, die sich mir positiv gegenüber geäußert haben - nicht nur im Osten des Landes. Es ist tief befremdlich, wie man dem Osten wieder mitspielt."

Birgit Neumann-Becker, die sachsen-anhaltinische Landesbeauftragte zur SED-Diktatur-Aufarbeitung rät Schur: "Ich fände es wichtig, wenn er sich und die, die auf seiner Seite sind, sich einem offenen Gespräch stellen würden und nicht immer wieder die Leugnung der Tatsachen in die Welt setzen würden und damit nochmal neu diese Menschen verletzen."

 

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