Nahost-Reise
Kritik an Klöckners Besuch mit israelischer Armee im Gazastreifen

Der Besuch von Bundestagspräsidentin Klöckner im Gazastreifen hat in Deutschland Kritik hervorgerufen, teils auch mit scharfer Wortwahl. Laut Berichten sollen ihr zuvor sowohl das Auswärtige Amt als auch die deutsche Botschaft in Tel Aviv explizit von einem Besuch in Gaza abgeraten haben. Klöckner selbst verteidigte ihre Visite.

    Das Bild zeigt Julia Klöckner in Schutzkleidung mit Helm und schusssicherer Weste. Umringt wird sie von Soldaten.
    Bundestagspräsidentin Klöckner besucht den von Israel kontrollierten Teil des Gazastreifens. (Xander Heinl / Deutscher Bundestag / dpa)
    Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ahmetovic, kritisierte, dass Klöckner kein Treffen mit offiziellen Palästinenservertretern geplant habe und warf ihr vor, Belange der palästinensischen Bevölkerung zu vernachlässigen. Er sagte der Nachrichtenagentur AFP, angesichts der enormen Zerstörungen im Gazastreifen, massiven Vertreibungen von Palästinensern und zehntausenden getöteten Zivilisten "wäre es umso wichtiger, auch das Gespräch mit einer offiziellen palästinensischen Vertretung zu suchen". Dass Klöckner dies nicht tue, "wiegt schwer – und es wiegt noch schwerer vor dem Hintergrund der jüngsten Entscheidungen der israelischen Regierung" zur "klar völkerrechtswidrigen" Ausweitung der Kontrolle über die Palästinensergebiete.
    Die Partei Die Linke sprach gar von "Katastrophentourismus". Der Besuch der CDU-Politikerin unter Führung der israelischen Armee ermögliche keinen echten Austausch mit der palästinensischen Bevölkerung, sagte die Außenpolitikerin Reisner ebenfalls der AFP. Klöckner sollte ihr politisches Gewicht nutzen, um Medien einen unabhängigen Zugang zu Gaza zu verschaffen und um humanitäre Hilfskorridore zu öffnen - nicht um einer rechtsradikalen Regierung Legitimität zu verleihen.

    Klöckner: "Weg der Öffnung"

    Klöckner dagegen verteidigte ihren Besuch. Der erstmals erteilte Zugang für eine parlamentarische Beobachterin sei ein wichtiges Zeichen, sagte die CDU-Politikerin. "Ich begrüße ausdrücklich, dass Israel mit mir nun erstmals einer parlamentarischen Beobachterin Zugang zum Gazastreifen ermöglicht hat." Gleichzeitig sei klar, dass sie bei ihrem Aufenthalt nur einen begrenzten Einblick erhalten habe können. Zugleich appellierte die Bundestagspräsidentin, "diesen Weg der Öffnung weiterzugehen" und betonte, die sogenannte gelbe Linie, die von Israel besetzte Gebiete im Gazastreifen vom Rest des Gazastreifens abtrennt, dürfe "nicht zu einer dauerhaften Barriere werden".
    Nach Angaben des Bundestags hielt sich Klöckner rund eine Stunde im Gazastreifen auf. Die Bundestagspräsidentin war am Dienstag zu einem dreitägigen Antrittsbesuch nach Israel gereist. Der Besuch im Gazastreifen war vor der Reise nicht angekündigt worden.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

    Bundestagspräsidentin Julia Klöckner besucht Gazastreifen auf Israel-Reise
    Diese Nachricht wurde am 12.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.