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StartseiteCorsoTod im Spiegelkabinett19.10.2017

Künstliche Intelligenz als Spielgegner Tod im Spiegelkabinett

Elon Musk, Stephen Hawking und andere halten künstliche Intelligenz für eine der größten Bedrohungen der Menschheit. Im Science-Fiction-Spiel "Echo" erfährt man spielerisch, wie sich Klone vieles vom Spieler abgucken und ihre neu erworbenen Fähigkeiten einsetzen - um ihn umzubringen.

Von Kai Löffler

Ein Screenshot aus "Echo" - die weißhaarige Protagonistin in ihrem Science-Fiction-Anzug schwingt sich über ein Geländer in einem barock anmutenden Abschnitt des Palastes (Indigo Pearl Press / Ultra Ultra / Echo)
Wenn sich Protagonistin En in "Echo" über ein Geländer schwingt, muss sie damit rechnen, dass die KI-Gegner das kurz darauf auch können (Indigo Pearl Press / Ultra Ultra / Echo)
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"It all looks completely untouched. En. Something's not right. I'm seeing an massive radiation spike down there." – "She's waking up..."

In "Echo" muss der Spieler extrem auf der Hut sein. Denn jede seiner Aktionen wird aufgezeichnet. Im Mittelpunkt der Story: Die Hauptfigur En, im Original gesprochen von Rose Leslie aus "Game of Thrones".

"I never expected this to be easy."

Mit ihr steigen wir wie Orpheus in die Unterwelt herab, um einen toten Liebhaber zurückzubringen. Die Unterwelt, das ist in diesem Fall aber ein Apparat auf einem fremden Planeten: Ein prunkvoller, kalt-weißer Palast mit leuchtenden Böden, der an das Ende von Stanley Kubricks 2001 erinnert.

"What a strange place. It's impressive, really."

Faszinierende künstliche Intelligenz

Schon recht schnell findet man heraus, warum jede von Ens Aktionen aufgezeichnet wird. Der Palast hat ein ungewöhnliches System zur Abwehr von Eindringlingen: Eine Armee aus Klonen - oder eben "Echos" - die haargenau dem Eindringling gleichen. Alle paar Minuten wird es dunkel und der Palast "bootet" neu. Alles was En in der letzten Lichtphase getan hat, können nun auch ihre Klone. Rennen, über Balustraden springen und selbst Türen öffnen - alles will überlegt sein.

"That would explain why they didn't touch any water out there. I didn't touch the water in the light cycle before." – "They echo your behavior." – "Yes." - "They're coming. Hurry, get out."

"Echo" ist das erste Spiel des kleinen dänischen Entwicklerteams Ultra Ultra. Was an großen Schauwerten fehlt, kompensiert "Echo" aber mit Einfallsreichtum und der faszinierend eingesetzten künstlichen Intelligenz: Die Spieler sind gezwungen, Probleme auf immer neue Arten zu lösen und ständig neue Taktiken zu entwickeln, bevor die künstliche Intelligenz sich anpasst. Ein beliebtes Science-Fiction-Konzept, das in dieser Form noch nie in einem Spiel umgesetzt wurde.

"I don't know what's most absurd. The palace populating itself with these grotesque hostiles or you, charging on like you'll be able to survive when they're fully evolved."

Im besten Sinne verstörend

Damit kann "Echo" aber vor allem sehr schnell sehr schwer werden. Der Griff zur Schusswaffe oder ein Sprint zur nächsten Tür können zwar in einer brenzligen Situation das Leben retten. Aber aus den anfänglichen Zombie-Klonen, die träge und passiv durch die Gänge des Palasts schlurfen, werden dadurch auch aggressive, bewaffnete Killermaschinen. Die Schuld trägt niemand anders als ihr Lehrer - der Spieler selbst. Theoretisch vergessen die Klone zwar nach jedem Lichtzyklus wieder, was sie früher gelernt haben - aber wenn die Gegner einmal schnell und tödlich sind, ist der Spieler von nun an gezwungen, sich zu verteidigen.

Dass "Echo" eins der originellsten Spiele der letzten Jahre ist, liegt am Spielprinzip, daran, dass jede Aktion des Spielers zweischneidig ist. Mal funktioniert es wie ein "Stealth-Spiel", in dem man versucht, nicht entdeckt zu werden, mal steht die Konfrontation und "Action" im Vordergrund. Jeder Raum hat seine eigenen Tücken, die strategisch überwunden werden müssen. So entwickelt das Spiel seinen eigenen Rhythmus und ist - trotz einiger Längen - aufregend und fesselnd. Und das Konzept der künstlichen Intelligenz, die von uns lernt, um uns zu töten, ist im besten Sinne verstörend - besonders in diesem interaktiven Kontext. 

"Echo" ist für PC und die Playstation 4 erhältlich und kostet 20 Euro.

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