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StartseiteComputer und KommunikationWie KI-Systeme die militärische Ausbildung verändern23.03.2019

Künstliche IntelligenzWie KI-Systeme die militärische Ausbildung verändern

In der Bundeswehr soll schon in der Ausbildung der Soldaten verstärkt auf Methoden der Künstlichen Intelligenz gesetzt werden. KI soll geeignete Ausbildungsgänge vorschlagen, das richtige Maß zwischen unter- und überfordern finden - und am Ende den geeigneten Dienstposten bestimmen können.

Peter Welchering im Gespräch mit Manfred Kloiber

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Ein Soldat der Bundeswehr ist an seinem Helm mit einem Nachtsichtgerät ausgerüstet. (picture alliance / Philipp Schulze)
Die Bundeswehr setzt auf Künstliche Intelligenz in drei Bereichen: Waffensysteme, Lernsysteme und Personalmanagement (picture alliance / Philipp Schulze)
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Georg Klein (eingespielt): "Meine Verantwortung ist Ausbildung. Deswegen schaue ich sehr stark auf diesen Bereich. Es gibt schon viele Anwendungsbereiche für künstliche Intelligenz auch im militärischen Bereich. Mich interessiert besonders, wie kann ich das nutzen, um Menschen auf ihre Aufträge in Frieden, Krise und Krieg vorzubereiten."

Manfred Kloiber: So begründete Georg Klein, Brigadegeneral der Bundeswehr sei Interesse an Methoden künstlicher Intelligenz. Als Abteilungsleiter beim Kommando Streitkräftebasis ist Klein für die Ausbildung der Soldaten zuständig. Und genau darum ging es am Dienstag und Mittwoch dieser Woche in Bonn auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, um Künstliche Intelligenz in der Ausbildung, ihre Chancen und Risiken. Peter Welchering, Sie haben die Tagung besucht. Wie diskutieren die Soldaten und Verteidigungsexperten denn über KI in der Ausbildung bei der Bundeswehr?

Peter Welchering: Wir sprechen beim Einsatz von Methoden Künstlicher Intelligenz in der Bundeswehr ja von drei Bereichen: In der operativen Verwendung geht es um unbemannte Systeme, autonome Waffensysteme und Roboter. Im Bereich Aufklärung haben wir es mit Prognosen über das Verhalten gegnerischer Armeen zu tun, aber auch mit dem Erkennen taktischer Erfordernisse im Einsatz. Und für diese beiden Bereiche müssen Soldaten ausgebildet werden. Da genau liegt das primäre Interesse an Künstlicher Intelligenz in der Ausbildung, das ist hier eine Ausbildung, die die Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt, mit den eingesetzten KI-Systemen umgehen zu können. Dazu kommt dann noch der KI-Einsatz im Lernmanagement, also geeignete Ausbildungsgänge für den einzelnen Soldaten vorzuschlagen, beim individuellen Lernen auch entsprechend anzupassen. KI-Methoden sollen auch sicherstellen, dass der lernende Soldat beim Lernen nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert wird. Dazu gehört dann auch der Einsatz von KI-Methoden zur Beantwortung der Frage: Welcher Dienstposten ist für den Rekruten geeignet? KI also als Erweiterung des Personalmanagements, sozusagen an der Schnittstelle zwischen Lernmanagement und Personalmanagement. Und ein eigener Bereich ist noch einmal der Einsatz von KI-gestützten Computerspielen.

Bis 2027 zwei digitalisierte Divisionen

Kloiber: Die Militärs interessieren sich also eigentlich für genau dieselben Anwendungen wie Unternehmen oder Regierungen. Und sie haben beim Aufbau und bei der Einführung von KI-Systemen auch mit denselben Problemen zu kämpfen. Auch das ist auf der Bonner Tagung über Künstliche Intelligenz in der Ausbildung intensiv diskutiert worden. Wie stark sind die, ich sage einmal, Geschäftsprozesse der Bundeswehr denn hier schon digitalisiert und welche Rolle spielen dabei KI-Methoden, Peter Welchering?

Welchering: Es gibt Erfahrungen mit unbemannten Systemen bei den Gebirgsjägern. Es gibt erste Ansätze, Betriebsdaten von Waffensystemen für die vorausschauende Wartung zu nutzen. Es gibt Analysesysteme für die Aufklärung. Ende dieses Jahres, also 2019 soll endlich das Konzept "KI im Heer" ausgearbeitet sei. Und im Jahr 2027 soll es zwei sogenannte digitalisierte Divisionen geben. Der digitale Gefechtsstand, über den wir ja in Computer und Kommunikation auch schon berichtet haben, gilt bisher nicht gerade als Erfolgsmodell. Insofern hat mich aufhorchen lassen, dass der Untertitel zur Bonner Tagung ja lautete 'Chancen und Risiken für die Streitkräfte'. In der Tat birgt der Einsatz von KI-Systemen in der Bundeswehr eine Menge an Risiken. Und die sollen jetzt, wo die Ausstattung mit KI-Systemen bevorsteht, auch zuvor diskutiert und geklärt werden.

Verteidigung gegen autonome Waffensysteme

Kloiber: Welche Risiken und Probleme wollen die Generalstäbler denn da zunächst angehen?

Welchering: Das ganz grundlegende Problem der Bundeswehr ist das von vielen Unternehmen. Da muss zunächst mal die ganz einfache Frage beantwortet werden: Welche Daten werden wozu benötigt? Es gibt also noch kein Datenkonzept. Das ist aber Voraussetzung, wenn wir über den Einsatz von KI-Methoden reden wollen. Dann muss geklärt werden, wie und an welchen KI-Systemen die Soldaten ausgebildet werden sollen. Und da müssen die Einsatzgrundsätze und die verfügbaren Waffensystemen ausreichend beschrieben und berücksichtigt werden. Denn an denen orientiert sich die Ausbildung.

Kloiber: Das heißt aber auch, dass KI-Methoden für autonome Waffensysteme da auch ein Thema sind?

Welchering: Ja klar, es gibt autonome Waffensysteme, mit denen muss man sich auseinandersetzen. Da braucht es Konzepte für die Verteidigung gegen autonome Waffensysteme. Und für diese Konzepte wiederum müssen die Methoden Maschinellen Lernens und der Mustererkennung bekannt und gelernt sein. Und dieses Wissen muss unter ziemlichen Zeitdruck in die Bundeswehr hineingebracht werden. Und da sieht man schon heute: KI-Methoden erfordern nicht nur eine Anpassung der Führungsprozesse, sondern sie werden den Alltag in der Bundeswehr massiv verändern.

Kloiber: Über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Bundeswehr sprach ich mit Peter Welchering, Danke!

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