Mittwoch, 16.10.2019
 
StartseiteKultur heuteFürsprecher der Künstler10.11.2015

Kulturpolitiker Helmut SchmidtFürsprecher der Künstler

Der verstorbene Helmut Schmidt war ein Klavier spielender Bundeskanzler, der Philosophen las und zitierte. In einer Regierungserklärung setzte er sich für die Künstler ein: Er beabsichtigte, eine Künstlersozialversicherung und Nationalstiftung zur Förderung von Kunst und Kultur einzuführen.

Von Michael Köhler

Helmut Schmidt am Klavier bei einem Mozart-Konzert 1983 in Zürich in der Schweiz. (picture alliance / dpa / DB UPI)
Helmut Schmidt spielte bei einem Mozart-Konzert 1983 in Zürich in der Schweiz als Solist mit. (picture alliance / dpa / DB UPI)

Auf der Bonner Hofgartenwiese demonstrieren die Menschen gegen Nachrüstung. Die eigene Partei muss er mit einer Rücktrittsandrohung zum NATO-Doppelbeschluss zwingen, da spielt Helmut Schmidt mit Justus Frantz und Christoph Eschenbach in London Mozarts Tripelkonzert ein. Er spielt den dritten Part, den Mozart ausdrücklich für sogenannte Laienmusiker komponiert hat. Als die Aufnahme ein Jahr später erscheint ist die sozialliberale Koalition am Ende.

"Kunst und Kultur müssen sich in unserem Land frei und schöpferisch entfalten können. Bund, Länder und Gemeinden müssen dazu beitragen, dass dafür dann auch die materiellen Grundlagen für diese Künstler geschaffen werden."

Einsatz für Künstler in Regierungserklärung von 1976

Ein Klavier spielender Bundeskanzler, der Philosophen liest und zitiert, weckte auch kulturpolitische Hoffungen. In der Regierungserklärung vom Dezember 1976 setzte sich der bürgerliche und kunstsinnige Regierungschef für die Künstler ein.

"Wir wollen den Künstlern unter anderem, durch die Einführung einer Sozialabgabe helfen, wir wollen das Urheber- und Vertragsrecht verbessern, aber wir müssen auch die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Künstler verbessern."

Man muss zwischen persönlichen Anschauungen in Kunstdingen und kulturpolitischen Absichten Helmut Schmidts unterscheiden. Eine Künstlersozialversicherung war ein genuin sozialdemokratisches, nämlich sozialpolitisches Anliegen. Die Absicht eine Nationalstiftung einzurichten, griff einen Gedanken Willy Brandts auf.

"Wir haben uns in Verhandlung mit den Ländern für die baldige Errichtung einer Deutschen Nationalstiftung eingesetzt. Wenn die Verhandlungen sich nun noch länger hinziehen sollten, so wird der Bund als ersten Schritt im Rahmen seiner Zuständigkeit eine Zwischenlösung finden, um endlich die Stiftung ins Leben zurufen. Bei uns stehen die Haushaltsmittel, beschlossen vom Bundestag, bereit. Mit der Stiftung sollen Kunst und Kultur zeitnah und unkompliziert gefördert werden. Mit ihrer Hilfe sollen Kulturgüter unseres Landes bewahrt werden. Die Kunstschaffenden sollen dabei mitwirken und die Bundesregierung wird wegen der gesamtstaatlichen Bedeutung der Stiftung den Herrn Bundespräsidenten bitten, den Vorsitz der Stiftung zu übernehmen."

Skulptur von Henry Moore

Auch wenn der Expressionist Emil Nolde und die Worpsweder Künstlerkolonie, die Helmut Schmidt schätzte, nicht gerade die Speerspitze der Avantgarde bedeuten, so war es doch sehr zeitgemäß vor dem Bonner Kanzleramt eine liegende Skulptur des amerikanischen Gegenwartskünstlers und Bildhauers Henry Moore aufzustellen.

Das kulturpolitische Profil des Kanzlers Helmut Schmidt bestand also im individuellen sozialpolitischen Engagement für die Künstler einerseits und dem Wunsch nach einer kollektiven Nationalstiftung andererseits.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk