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Kurze Blütezeit eines erstaunlichen ObservatoriumsBothkamp, die vergessene Sternwarte

Für einige Jahre befand sich das größte Teleskop Deutschlands auf Gut Bothkamp, einige Kilometer südlich von Kiel. Dies erscheint heute selbst vielen Astronomen völlig unglaublich.

Von Dirk Lorenzen | 22.02.2017

Die Sternwarte des Herrn Bülow in Bothkamp
Die Sternwarte des Herrn Bülow in Bothkamp (Bülow)
Doch im Jahr 1870 hatte der Kammerherr Friedrich Gustav von Bülow am Rand seines Gutes mit erheblichem Aufwand eine Sternwarte mit exzellenter Ausstattung errichten lassen. Das Schmuckstück war das Linsenteleskop mit fast dreißig Zentimetern Objektivdurchmesser und über vier Metern Brennweite.
In Bothkamp waren zwei der besten Astronomen jener Zeit tätig. Hermann Carl Vogel und Wilhelm Oswald Lohse führten dort nach 1870 für vier Jahre bedeutende astrophysikalische Arbeiten durch.
Herausragend ist die Beobachtung der Sonne. Mithilfe exzellenter Spektrografen haben die beiden die Rotation unseres Sterns präzise vermessen.
Hermann Carl Vogel wechselte mit seinem Assistenten schließlich nach Potsdam und machte das dortige Observatorium zur weltweit führenden Einrichtung - auch dank seiner Erfahrungen in Bothkamp.
Die meisten Forscher blieben nur wenige Jahre auf dem Gut. Leo Anton Carl de Ball entdeckte von dort aus den Asteroiden Athamantis, wodurch die vergessene Sternwarte bis heute zumindest auf Asteroidenlisten erhalten ist.
Nach dem Tode Friedrich von Bülows 1893 verlor das Observatorium Bothkamp schnell an Bedeutung. Später wurden Instrumente und Bibliothek nach Kiel gebracht und das Gebäude abgerissen. Von Deutschlands einst bedeutendster Sternwarte sind nur noch die Fundamente auszumachen.