Freitag, 30.07.2021
 
Seit 20:05 Uhr Das Feature
StartseiteCorso"Wir sind als Gesellschaft getroffen"17.02.2021

Late Night Show zu Hanau"Wir sind als Gesellschaft getroffen"

Neun Menschen sterben vor fast einem Jahr in einer Shishabar in Hanau. Der Schütze ist ein Deutscher, die Opfer haben alle einen Migrationshintergrund. Morgen beschäftigt sich die Late Night Talkerin Nalan Sipar mit dem Anschlag in ihrer Show, "Hanau war eine Zäsur", sagte sie im Dlf.

Nalan Sipar im Gespräch mit Adalbert Siniawski

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Portrait Nalan Sipar (Privat / Sipar)
Nalan Sipar gibt Betroffenen nach dem Anschlag in Hanau in ihrer Late Night Show auf Youtube eine Stimme (Privat / Sipar)
Mehr zum Thema

Nalans Late Night Show "Nichts Schönes war jemals einfach“

Angehörige ein Jahr nach Hanau "Fühle mich von Politik und Ermittlungsbehörden allein gelassen"

Wo bleibt das diverse Talk-Format? Empathie ist nichts Zielgruppenspezifisches

Rapper Ben Salomo Keine Normalität für Juden in Deutschland

Ein Datum, das sich schmerzlich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat: Vor fast genau einem Jahr erschießt der Deutsche Tobias R. neun Menschen in einer Shishabar und in einem Kiosk – alle seine Opfer haben einen Migrationshintergrund. Es folgt ein Aufschrei und eine Solidaritätswelle: 18 Rapper rund um den Hanauer Musiker "Azzi Memo" veröffentlichen einen Track gegen Rechts.

WhatsApp und Instagram

Theater greifen die Anschläge des "NSU" und "Hanau" auf und auch im Netz wird über die Folgen der Attentate diskutiert. Nalan Sipar ist eine im Netz sehr aktive Journalistin, sie moderiert "Nalans Late Night Show" bei Youtube und gibt dort Menschen mit Migrationshintergrund eine Stimme. Morgen steht ihre Sendung im Zeichen des Anschlags von Hanau.

"Ich werde es ganz kurz kommentieren, denn es ist ja eigentlich eine Satiresendung." Aber danach lässt sie Betroffene zu Wort kommen, "aber ich denke, wir sind als Gesellschaft getroffen."

Normalerweise geht sie auf die Straße, spricht Menschen an, fragt sie nach ihrer Meinung, weil dies wegen Corona nicht möglich ist, hat sie nach Alternativen gesucht. "Ich habe eine WhatsApp-Hotline eingerichtet und meine Community auf Instagram, Youtube, Twitter darum gebeten, mir ihre Videostatements zuzuschicken."

Verantwortung der Medien

Auch fast ein Jahr nach dem Anschlag, sei es immer noch "ein sehr, sehr krasses Gefühl", so Sipar. Das Video einer jungen Mutter, die Angst um ihr ungeborenes Kind hat und nicht weiß, wie sie ihren Sohn später vor Rassismus schützen soll, habe bei Gänsehaut ausgelöst. 

Hanau, so Sipar, stelle eine Zäsur da. Die Probleme würden seitdem deutlicher wahrgenommen, aber dennoch bemängeln viele Betroffene, dass es in erster Linie Einzelmaßnahmen, es sei keine Gesamtstrategie vorhanden.

"Das Rassismus in der Mitte der Gesellschaft ist, das hat uns zuletzt die WDR Sendung 'Die letzte Instanz' gezeigt, da ist noch viel zu erarbeiten", sage Sipar. Die Medien allgemein müssten sich stärker mit dem Thema beschäftigen, nicht nur ein Jahr nach Hanau. "In der Show spreche ich fast in jeder Folge über Rassismus."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk