Eine Lateinklasse am Ernst-Abbe-Gymnasium in Berlin-Neukölln. Die Schüler übersetzen gemeinsam einen Text von Ovid. Sie sind mit Begeisterung bei der Sache.
"Es ist wie ein kleines Rätsel, jedes Mal. Man hat diesen Text, man liest ihn zwar, aber man versteht ihn nicht wirklich. Und sobald man ihn analysiert, Stück für Stück, versteht man mehr. Und am Ende kommt eine Lösung raus, die einen Sinn ergibt - wenn man's richtig macht. "
An der Ernst-Abbe-Schule erfreut sich die so oft für tot erklärte Sprache bester Gesundheit. Fast zwei Drittel aller Schüler haben Latein belegt, als zweite oder dritte Fremdsprache. Und es werden immer mehr. Das liege daran, dass sich der Unterricht gewandelt habe, glaubt die Lateinlehrein Barbara Stalinski.
"Man übersetzt heute zum Beispiel nicht mehr um der Übersetzung willen, sondern es geht um den Inhalt. Und es sind Punkte, die die Schüler heute genauso ansprechen, wie sie vor 2000 Jahren aktuell waren. Zum Beispiel Probleme, die die Schüler mit Freunden haben, sind Probleme, die es in der Antike genauso gab. Oder, wie gehe ich mit fremden Menschen um? Das ist heute ja ein ganz aktuelles Thema, und ich denke, das macht es auch spannend. "
Über 80 Prozent der 500 Schüler haben einen Migrationshintergrund. Die Schule verzeichnet große Erfolge bei der Verbesserung der Sprachkompetenz - nicht zuletzt dank Latein.
"Generell Sprache - Sprachverständnis wird einfach deutlich verbessert. Insofern ist jede Lateinstunde auch eine Deutschstunde für die Schüler, indem Grammatik ganz gründlich analysiert wird, bearbeitet wird und bewusst wahrgenommen wird als solche. "
Das einst mit dem Spruch "Latinum in Latrinam" verunglimpfte Fach erlebt eine Renaissance. In den letzten sechs Jahren wuchs die Anzahl der Lateinschüler bundesweit um 30 Prozent. Lateinlehrer werden händeringend gesucht. Stefan Kipf, Vorsitzender des Altphilologenverbands und Professor für Latein und Altgriechisch an der Berliner Humboldt-Universität, warnt jedoch davor, blind auf den Erfolgszug zu springen.
"In der Regel wird gesagt, bis 2012 hält sich noch die Lücke - in Bayern hieß es neulich gar bis 2020, dass Latein Mangelfach bleiben wird. Das ist natürlich einerseits eine schöne Motivation für angehende Studierende, die sich sagen, damit kriege ich auf jeden Fall ne Anstellung. Aber das Studium ist anstrengend, das Studium ist anspruchsvoll, und wenn man dann merkt, dass man das eigentlich nicht so richtig will, dann liegt man schon falsch. "
Einst war das Latinum ein Beleg für humanistische Bildung und Hochschulreife. Noch heute ist es Voraussetzung für viele fachfremde Studiengänge, zum Beispiel in München für das Fach "Deutsch als Fremdsprache". Warum?
"Das sind einerseits Traditionen der deutschen Universität, dass jemand, der ein philologisches Fach studiert, von dem wird verlangt, dass er Latein sozusagen als die ehemalige Leitdisziplin der Philologie auch beherrscht. Durch die neuen Studienordnungen hat sich einiges geändert. Es ist in der Tat so, dass dort, was den Bachelor angeht, das Latinum häufig nicht mehr verlangt wird - da wird zunehmend auch Latein freiwillig belegt. "
Viele Universitäten planen aber die Wiedereinführung des Latinums, zum Beispiel für Jura und Medizin. Gute Berufsaussichten für Samuel Beckmann. Bei neuen Bekanntschaften löst der 26-jährige Student dennoch Irritationen aus. Sobald er erzählt, er wolle Lateinlehrer werden, reagieren alle ähnlich.
"Also meistens mit einem Kopfschütteln oder mit Unverständnis. Latein sei langweilig, Latein sei staubtrocken. Und vor allem das Argument, Latein sei eine tote Sprache, was willst du denn damit? Und dann noch andere damit quälen..."
Es gibt sie also noch, die Vorurteile. Zu Unrecht, findet Samuel Beckmann. Denn in einer schnelllebigen Zeit vermittelt die alte Sprache wichtige Kompetenzen.
"Das Argument für den Lateinunterricht ist sicherlich unsere heutige Gesellschaft mit der Informationsüberflutung. Wo Informationen aus alle Ecken und Ende kommen und wir sie dafür aber nur oberflächlich wahrnehmen. Und das Lateinische schult ja das genaue Hingucken, die Konzentration und die Ausdauer, so dass man gerade bei Texten ganz genau analysieren muss und nicht mal eben rüberhuschen kann. "
Derweil wartet im Ernst-Abbe-Gymnasium bereits die nächste Lateinklasse auf ihre Lehrerin. Eine Klassenarbeit steht an. Davor aber steht die Begrüßung. Zunftgemäß in lateinischer Sprache.
"Salve" - "Salve Magistra"
"Es ist wie ein kleines Rätsel, jedes Mal. Man hat diesen Text, man liest ihn zwar, aber man versteht ihn nicht wirklich. Und sobald man ihn analysiert, Stück für Stück, versteht man mehr. Und am Ende kommt eine Lösung raus, die einen Sinn ergibt - wenn man's richtig macht. "
An der Ernst-Abbe-Schule erfreut sich die so oft für tot erklärte Sprache bester Gesundheit. Fast zwei Drittel aller Schüler haben Latein belegt, als zweite oder dritte Fremdsprache. Und es werden immer mehr. Das liege daran, dass sich der Unterricht gewandelt habe, glaubt die Lateinlehrein Barbara Stalinski.
"Man übersetzt heute zum Beispiel nicht mehr um der Übersetzung willen, sondern es geht um den Inhalt. Und es sind Punkte, die die Schüler heute genauso ansprechen, wie sie vor 2000 Jahren aktuell waren. Zum Beispiel Probleme, die die Schüler mit Freunden haben, sind Probleme, die es in der Antike genauso gab. Oder, wie gehe ich mit fremden Menschen um? Das ist heute ja ein ganz aktuelles Thema, und ich denke, das macht es auch spannend. "
Über 80 Prozent der 500 Schüler haben einen Migrationshintergrund. Die Schule verzeichnet große Erfolge bei der Verbesserung der Sprachkompetenz - nicht zuletzt dank Latein.
"Generell Sprache - Sprachverständnis wird einfach deutlich verbessert. Insofern ist jede Lateinstunde auch eine Deutschstunde für die Schüler, indem Grammatik ganz gründlich analysiert wird, bearbeitet wird und bewusst wahrgenommen wird als solche. "
Das einst mit dem Spruch "Latinum in Latrinam" verunglimpfte Fach erlebt eine Renaissance. In den letzten sechs Jahren wuchs die Anzahl der Lateinschüler bundesweit um 30 Prozent. Lateinlehrer werden händeringend gesucht. Stefan Kipf, Vorsitzender des Altphilologenverbands und Professor für Latein und Altgriechisch an der Berliner Humboldt-Universität, warnt jedoch davor, blind auf den Erfolgszug zu springen.
"In der Regel wird gesagt, bis 2012 hält sich noch die Lücke - in Bayern hieß es neulich gar bis 2020, dass Latein Mangelfach bleiben wird. Das ist natürlich einerseits eine schöne Motivation für angehende Studierende, die sich sagen, damit kriege ich auf jeden Fall ne Anstellung. Aber das Studium ist anstrengend, das Studium ist anspruchsvoll, und wenn man dann merkt, dass man das eigentlich nicht so richtig will, dann liegt man schon falsch. "
Einst war das Latinum ein Beleg für humanistische Bildung und Hochschulreife. Noch heute ist es Voraussetzung für viele fachfremde Studiengänge, zum Beispiel in München für das Fach "Deutsch als Fremdsprache". Warum?
"Das sind einerseits Traditionen der deutschen Universität, dass jemand, der ein philologisches Fach studiert, von dem wird verlangt, dass er Latein sozusagen als die ehemalige Leitdisziplin der Philologie auch beherrscht. Durch die neuen Studienordnungen hat sich einiges geändert. Es ist in der Tat so, dass dort, was den Bachelor angeht, das Latinum häufig nicht mehr verlangt wird - da wird zunehmend auch Latein freiwillig belegt. "
Viele Universitäten planen aber die Wiedereinführung des Latinums, zum Beispiel für Jura und Medizin. Gute Berufsaussichten für Samuel Beckmann. Bei neuen Bekanntschaften löst der 26-jährige Student dennoch Irritationen aus. Sobald er erzählt, er wolle Lateinlehrer werden, reagieren alle ähnlich.
"Also meistens mit einem Kopfschütteln oder mit Unverständnis. Latein sei langweilig, Latein sei staubtrocken. Und vor allem das Argument, Latein sei eine tote Sprache, was willst du denn damit? Und dann noch andere damit quälen..."
Es gibt sie also noch, die Vorurteile. Zu Unrecht, findet Samuel Beckmann. Denn in einer schnelllebigen Zeit vermittelt die alte Sprache wichtige Kompetenzen.
"Das Argument für den Lateinunterricht ist sicherlich unsere heutige Gesellschaft mit der Informationsüberflutung. Wo Informationen aus alle Ecken und Ende kommen und wir sie dafür aber nur oberflächlich wahrnehmen. Und das Lateinische schult ja das genaue Hingucken, die Konzentration und die Ausdauer, so dass man gerade bei Texten ganz genau analysieren muss und nicht mal eben rüberhuschen kann. "
Derweil wartet im Ernst-Abbe-Gymnasium bereits die nächste Lateinklasse auf ihre Lehrerin. Eine Klassenarbeit steht an. Davor aber steht die Begrüßung. Zunftgemäß in lateinischer Sprache.
"Salve" - "Salve Magistra"