Samstag, 02. Juli 2022

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Laufende Ermittlungen gegen Rainer Koch
DFB will Vorsitz der Ethik-Kommission neu bestimmen

Nach einer Anzeige der Frauen-Initiative um Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb gegen Rainer Koch ermittelt die DFB-Ethik-Kommission gegen den Verbands-Interimspräsidenten. Jetzt will der DFB plötzlich den Vorsitz der aktuell nur kommissarisch geführten Kommission neu bestimmen.

Von Thomas Kistner | 14.06.2021

Dr. Rainer Koch, Vizepraesident des Deutschen Fussball-Bundes beim DFB-Bundestag
Dr. Rainer Koch, Vizepraesident des Deutschen Fussball-Bundes beim DFB-Bundestag (Jan Huebner/Pool/Simon Hoffmann/imago)
Der DFB und Rainer Koch geraten in neue Turbulenzen. Die Ethik-Kommission ermittelt seit zwei Wochen zum Verhalten des Interimspräsidenten auf Basis einer Anzeige der neuen Frauen-Initiative um Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb. Die Frauen drängen auf personelle Reformen im DFB. Steinhaus-Webb soll von Koch zu Zurückhaltung gedrängt worden sein – was dieser bestreitet. Das Verfahren läuft, aber nun will das DFB-Präsidium bei seiner Sitzung am Mittwoch plötzlich über den Vorsitz der Ethik-Kommission bestimmen.
Seit dem Tod des früheren Vorsitzenden Thomas Oppermann im Herbst 2020 leitet der Münchner Jurist Bernd Knobloch den Ethikrat kommissarisch. Er hat knapp 20 Verfahren bearbeitet. Eine stattliche Zahl. Dass nun, inmitten der Causa Steinhaus-Webb/Koch, der Vorsitzende plötzlich zur Disposition steht, versucht der DFB als reine Formalität zu verkaufen. Es gehe nur darum, das Komitee "vollständig arbeitsfähig" zu machen, es gebe mit laufenden Verfahren keinen Zusammenhang.
Rainer Koch sitzt vor einer Grafik eines verschwommenen DFB-Wappens.
Frauen-Initiative zeigt DFB-Interimspräsident Koch an
Neue Vorwürfe gegen Rainer Koch: Die Frauen-Initiative, die auf Personalreformen im DFB drängt, hat den Interimspräsidenten bei der Ethikkommission des Verbands angezeigt.
Voll arbeitsfähig ist Knoblochs Gremium jedoch seit all den Monaten, das zeigt die Rekordzahl an Fällen. Überdies stand die formale Ernennung des Ethikchefs schon vor Monaten auf der Agenda, damals wurde die Sache gar nicht behandelt. Doch ausgerechnet jetzt, während der Fall Koch untersucht wird, muss die Frage plötzlich dringend geregelt werden. Knoblochs Rücktritt gilt als gesichert, falls ihm am Mittwoch das Vertrauen entzogen wird.
Als möglicher Ersatz wurden der Theologe Nikolaus Schneider und die Personalberaterin Irina Kummert in den Ring geschoben. Auch sie sind Mitglieder der Ethikkommission.