Kommentar Rassismus
Athleten machen den Mund auf

Die Läuferin Smilla Kolbe hat nach dem EM-Halbfinale rassistische Hass-Kommentare im Netz gegen ihre Teamkollegen verurteilt. Auch andere Sportlerinnen fordern einen respektvolleren Umgang. Gut so. Rassismus ist indiskutabel.

Ein Kommentar von Sabine Lerche |
    Die Läuferin Smilla Kolbe während der Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham
    "Wir vertreten hier Deutschland und ich erwarte ein bisschen mehr Respekt", sagt Läuferin Smilla Kolbe bei der Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham (picture alliance / Gladys Chai von der Laage / Chai von der Laage)
    Die deutsche 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe bittet nach ihrem Rennen im ZDF-Interview darum, noch etwas sagen zu dürfen. Sie nutzt die Aufmerksamkeit, um auf die rassistischen Hasskommentare hinzuweisen, die andere im deutschen Team bekämen. Sie bittet um mehr Respekt für alle Athletinnen und Athleten, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Sie brächten alle Topleistungen für Deutschland.

    Sportlerinnen und Sportler fordern mehr Respekt

    Auch Kugelstoßerin Yemisi Mabry und Schwimmer Lukas Märtens wünschen sich mehr Respekt. Sie kritisieren die journalistische Berichterstattung im Rahmen der Sportgroßereignisse: Mabry wünscht sich mehr Fingerspitzengefühl in den Interviews und Märtens, dass der Fokus bei der TV-Übertragung auf Wettkämpfe mit Medaillenchancen gelegt wird.
    Während Rassismus indiskutabel ist, bewegt sich Sportjournalismus immer auf einem schmalen Grat zwischen Nähe und kritischer Distanz.
    Unabhängig davon, ob die Kritik berechtigt ist, eines haben alle drei Statements gemeinsam. Die Athletinnen und Athleten bringen den Mut auf, öffentlich zu sagen, was sie stört. Und das nicht auf Podiumsdiskussionen oder im Rahmen von vereinbarten Interviews. Nein, sie fassen sich ein Herz und trauen sich, sich zum Teil direkt nach dem Wettkampf vor laufender Kamera zu äußern.

    Athletinnen und Athleten sollen eine Stimme haben

    Sportlerinnen und Sportler machen den Mund auf, und das ist gut so. Denn sie sind die Charaktere, die das Produkt Leistungssport erst möglich machen. Sie unterhalten die Zuschauer mit spannenden Wettkämpfen und ermöglichen, dass über TV- und Sponsorenverträge enorme Geldbeträge fließen.
    Als Hauptrollen in diesem Geschäft aus Sport, Medien und Wirtschaft sollten sie auch eine Stimme haben. Ja, Sportler entscheiden sich bewusst für den Leistungssport, nehmen damit Verzicht, Leistungsdruck, gesundheitliche Folgen und mitunter auch prekäre Bedingungen auf sich.
    Aber sie sind auch Menschen, die menschlich behandelt werden wollen. Mit Respekt, mit Gleichberechtigung und mit Anerkennung ihrer Arbeit, den sportlichen Leistungen.
    Das sollten weder Fans noch Sportjournalisten vergessen. Athleten und Athletinnen haben eine Stimme. Umso besser, wenn sie auch den Mut aufbringen, diese zu nutzen.