Rechtsextremismus / Aktuelle Berichte und Hintergründe


Der Rechtsextremismus dringt in die Mitte der Gesellschaft vor. Was sind die Gründe dafür? Welche Gefahren gehen davon aus? Und welche Gegenstrategien gibt es?


Der Rechtsextremismus dringt in die Mitte der Gesellschaft vor. Was sind die Gründe dafür? Welche Gefahren gehen davon aus? Und welche Gegenstrategien gibt es?

Das Bundesamt für Verfassungsschutz darf die AfD vorerst nicht als gesichert rechtsextremistisch einstufen, das hat das Verwaltungsgericht Köln entschieden. Damit sind auch die Hürden für ein AfD-Verbotsverfahren gestiegen.

Punktsieg für die AfD vor Gericht: Vorerst darf sie nicht als gesichert rechtsextrem eingestuft werden. Was bedeutet das für ein mögliches Verbotsverfahren? Und: Bundestag beschließt neue Asylregeln, Opposition und NGOs kritisieren unnötige Härte.

Den millionenfachen Mord an Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus zu leugnen ist strafbar – auch in Österreich. Dort wird der britische Holocaustleugner David Irving deshalb im Februar 2006 zu drei Jahren Haft verurteilt.

Mitte der 1960er veröffentlichte Anatoli Kusnezow sein Buch „Babyn Jar“ über das Massaker an Juden 1941. Eine Neuübersetzung von Christiane Körner führt uns noch einmal die Barbarei vor Augen, die Kusnezow als Augenzeuge überlieferte.

Vom rekonstruierten NSU-Wohnzimmer bis zur Barrikade aus Kapitol-Mobiliar: Henrike Naumann machte mit ihrer Kunst Räume zu politischen Interventionen. Jetzt ist die für den Deutschen Pavillon in Venedig ausgewählte Künstlerin mit 41 Jahren gestorben.

Um einem Verbot zu entgehen, distanziert sich die AfD vordergründig von Neonazis und offenkundigen Rechtsextremen. Wie zweifelhaft das ist, ist in den vergangenen Monaten deutlich geworden. Eine klare Abgrenzung fällt der AfD-Spitze schwer.

Rechtsextreme Akteure greifen Demokratien von innen an. Das zeigt sich in den USA wie in Europa, manche Beobachter erkennen "faschistische Zustände". Was verbindet diese Bewegungen mit dem historischen Faschismus - und wie sind sie aufzuhalten?

Die AfD ringt seit Jahren mit Rechtsextremismus in den eigenen Reihen. 2021 stufte sie der Verfassungsschutz als Verdachtsfall ein. Die Nähe zu Gruppen wie der Identitären Bewegung und interne Konflikte sorgen für neuen Druck.

Vor einigen Jahren hielt Hedwig Richter das Ende der liberalen Demokratie in ihrem Bestseller "Demokratie. Eine deutsche Affäre" für unwahrscheinlich. Jetzt ist sie skeptischer. "Aber Resignation ist keine Option", sagt die Historikerin.

Migration begrenzen, Familien fördern und eine „patriotische Kulturpolitik“ etablieren – das sind die wichtigsten Ziele der AfD in Sachsen-Anhalt. Dort wird im Herbst der Landtag gewählt. Droht Deutschland ein Kulturkampf?

Münden die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump in ein faschistisches System? Während US-Forscher wie Jason Stanley oder Timothy Snyder das eher bejahen, ist es für andere der falsche Begriff. Gefahren für die Demokratie erkennen alle.

In Großbritannien gewinnen extrem rechte Parteien an Zuspruch. Labour und Tories finden keine Antworten auf Probleme wie leere Staatskassen oder das marode Gesundheitssystem. Immer mehr Briten sehen Rechtspopulisten wie Nigel Farage als wählbare Alternative.

Ein Polizist im Gefängnis: Polizist Hoffmann wird Polizeigewalt vorgeworfen. Trotzdem hat er als „Alpha” immer noch starken Einfluss auf seine frühere Kollegenschaft. Doch jemand versucht, die Gruppe zu infiltrieren. Fortsetzungshörspiel von „Mönche“.

Identitätspolitik bedeutet ursprünglich, dass diskriminierte Gruppen in Demokratien gleiche Rechte erhalten. Trump bekämpft diese Idee. Er betreibt "Identitätspolitik für weiße, rassistische Männer", so Erziehungswissenschaftler Markus Rieger-Ladich.

Ein Anschlag scheitert. Nun muss eine junge Anwältin ihren eigenen Bruder vor Gericht verteidigen. Ihm wird vorgeworfen, das Attentat im Auftrag der frauenfeindlichen Incel-Bewegung geplant zu haben. Doch ist er Täter oder selbst Opfer einer Intrige?

Im Januar 1996 sterben bei einem Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Lübeck zehn Menschen. Bis heute wurden keine Täter ermittelt. Eine Initiative sucht nun nach neuen Hinweisen.

Es wird mal wieder über die Erbschaftssteuer debattiert. Angestoßen von der SPD – nicht nur, um dem Bundesverfassungsgericht zuvorzukommen. Was soll reformiert werden und woran gibt es Kritik? Und: Marine Le Pen kämpft um ihre politische Zukunft.

Am 18. Januar 1996 starben sieben Kinder und drei Erwachsene bei einem Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Lübeck. Für die Tat wurde nie jemand verurteilt. Was bedeutet das 30 Jahre später für die Betroffenen und für die Stadt?

Unsere Demokratie steht unter Druck. Was tun? Eingefahrene Wege verlassen und auch die eigenen Ansichten hinterfragen. Denn Werte wandeln sich am nachhaltigsten im Miteinander, über Einblicke in andere Perspektiven – und nicht durch Ausgrenzung.

Ob Sprache, Symbole oder Lebensweisen: Immer häufiger eskalieren öffentliche Debatten zu Grundsatzfragen. Der Begriff Kulturkampf ist dabei allgegenwärtig. Was treibt diese Konflikte an – und warum verlaufen sie heute anders als früher?

Eben noch ein recht zufriedener 91-jähriger Rentner mit Hund, nun der geheime König von Ungarn: Onkel Józsi bekommt Besuch von einigen Männern, die ihn verehren als letzten Spross des bis 1301 das schöne Ungarn beherrschenden Árpádengeschlechts.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sorgt der Neonazi Tommy Frenck in Südthüringen für Unruhe. Als Konzertveranstalter, Gasthausbetreiber, Versandhändler. Immer wieder stellen sich ihm Anwohner entgegen. Er zieht dann einfach weiter.

Weil er sich öffentlich für Juden und andere Verfolgte einsetzte, geriet Bernhard Lichtenberg ins Visier der Nationalsozialisten. Doch der katholische Priester blieb unbeugsam. Er starb auf dem Transport in ein KZ.

Unionspolitiker sind empört über die Walter-Lübcke-Statue, die Aktivisten vom "Zentrum für Politische Schönheit" vor der CDU-Parteizentrale in Berlin aufgestellt haben. Unverständlich, sagt der Publizist Michel Friedman. Die CDU sollte stolz sein.

Der Wirtschaftsverband "Die Familienunternehmer" leitete einen Kurswechsel im Umgang mit der AfD ein. Zukünftig sollten Kontakte eingegangen werden. Doch nach öffentlicher Kritik fühlt sich der Verband nun falsch verstanden – und rudert zurück.

"Generation Deutschland" heißt die neue Jugendorganisation der AfD. Sie wurde am Samstag (29.11.) in Gießen gegründet und rückt im Vergleich zur Vorgängerorganisation "Junge Alternative" näher an die Partei. Radikal aber bleibt sie.

Björn Höcke prägt die AfD mit seiner Ideologie. Der Journalist Frederik Schindler zeigt, wie der Politiker die Demokratie abschaffen will. Annett Meiritz berichtet, wie sich Trump und die MAGA-Bewegung in Europa einmischen.

Viele junge Menschen fühlen sich nicht ernst genommen und sind in einer komplexen Welt überfordert. Das sagt Bildungsforscherin Nina Kolleck. Die AfD bedient Grundbedürfnisse nach Autonomie und Kompetenz. Auch ist sie auf Social Media erfolgreich.

Der Verband der Familienunternehmer gibt die "Brandmauer"-Strategie auf und öffnet sich erstmals für Gespräche mit der AfD. Das löst Diskussionen aus. Kommt jetzt der Dominoeffekt? Und: Gewalt an Frauen – was braucht es, um Frauen besser zu schützen?

Der zur Neutralität verpflichtete Bundespräsident hatte in einer Rede vor der Bedrohung der Demokratie durch "rechtsextreme Kräfte" gewarnt. Dafür gab es Kritik. Steinmeier sagt, er habe daran erinnern wollen, Autoritarismus nicht zu unterschätzen.

Hakenkreuze, Hitlergruß, antisemtische Beleidigungen und Bedrohung von Lehrkräften: Rechtsextreme Vorfälle an sächsischen Schulen erreichen ein Rekordhoch. Die Verantwortlichen handeln - doch Experten zweifeln, ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen. (Erstsendung am 25.09.2025)

NSU, Baseballschlägerjahre, Oktoberfestattentat: Die Bundesrepublik hat eine lange und blutige Geschichte des Rechtsterrorismus. Die Gewalt konnte auch deshalb gedeihen, weil Polizei und Behörden oft falschen Fährten folgten.

Ann Catherine Meyer hält bei Thyssenkrupp am Standort Gelsenkirchen die Maschinen instand. Als Betriebsrätin und bei der IG Metall kämpft sie gegen Stellenabbau und Rechtsextremismus. Ihr Label „einzige Frau“ in der Männerdomäne Stahl missfällt ihr.

"Medien zeigen oft nur linke Perspektiven", lautet ein häufiger Vorwurf. Nikolaus Blome (RTL) kritisiert fehlende migrationskritische Stimmen. Georg Restle (WDR) warnt vor einem verzerrten Eindruck durch den gesellschaftlichen Rechtsruck.

Früher wählten viele Beschäftigte eher links – besonders, wenn sie gewerkschaftlich organisiert waren. Heute liegt die AfD bei Arbeitern vorn. Doch Gewerkschaften sind nicht machtlos: Sie können dem Rechtsruck in der Arbeitswelt etwas entgegensetzen.

Sie wollen sichere Jobs und bessere Löhne – und wählen die AfD. Der Rechtsruck macht auch vor den Gewerkschaften nicht halt. Denn wer die Arbeitswelt als unsicher erlebt, ist offener für rechte Politik. Doch es gibt auch Gegenbewegungen.

Die Bundesanwaltschaft hat in Dortmund einen mutmaßlichen Rechtsextremisten aus der "Reichsbürgerszene" festnehmen lassen. Er soll versucht haben, Mordanschläge auf Politiker zu organisieren und sei den Sicherheitsbehörden seit 2020 bekannt.

In seiner Demokratie-Rede hat Frank-Walter Steinmeier den Sorgen der Bürger angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen AfD klaren Ausdruck verliehen. Dabei ist der Bundespräsident bis an den Rand dessen gegangen, was das Amt ihm ermöglicht.

Sie wollen Deutschland nach ihren Vorstellungen umgestalten. Am Wochenende kamen extrem rechte Verlage bei der Buchmesse „Seitenwechsel“ in Halle an der Saale zusammen. Sie trafen dort auf ein Publikum, das nicht nur aus Rechten bestand.

Der Bundespräsident sieht die Demokratie in Deutschland bedroht. Deutschland müsse sich vor dem russischen Aggressor schützen, so Steinmeier bei einer Veranstaltung zum 9.11. Zudem warnte er vor Rechtsextremismus und rief auf, sich dagegen zu wehren.

In Deutschland gründen sich rechtsextreme Jugendgruppen. Das liege auch an der Normalisierung solcher Positionen in der Gesellschaft, sagt Sozialwissenschaftler David Begrich. Jugendliche müssten wieder mehr Selbstwirksamkeit erfahren.

Die meisten Menschen hierzulande halten sich für demokratisch. Rechtsextreme Positionen nehmen ab. Also alles nicht so schlimm in Deutschland? Und: Stahlgipfel im Kanzleramt - wie kann die Branche zukunftsfähig werden?

Rechtsextreme Einstellungen haben abgenommen. Das ist ein Ergebnis der Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Allerdings zeigen sich mehr Menschen offen für Nationalchauvinismus. Sie fordern, deutsche Interessen aggressiv durchzusetzen.

In Deutschland ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung rechtsextrem. Viele teilen jedoch anschlussfähige Einstellungen zu Nationalstolz, politischer Gewalt und Zweifeln an der Demokratie. Das macht den Wissenschaftlern der neuen Mitte-Studie Sorgen.

Die neue Mitte-Studie zeigt: Der Anteil der Menschen mit einem klar rechtsextremen Weltbild ist deutlich gesunken. Doch das Vertrauen in die Demokratie bröckelt – und ein großer Graubereich bleibt anfällig für autoritäres Denken.

Die extreme Rechte beschädigt ein Kerninstrument der Demokratie: die offene Diskussionskultur. Denn sie will gar nicht reden – ihr geht es allein um Terraingewinn. Grund genug, den politischen Dialog mit den Rechten einzustellen.

Warum wählen so viele Menschen Parteien der radikalen Rechten? Forschung zum politischen Verhalten zeigt: Es liegt nicht daran, dass sich die Einstellungen geändert haben. Diese waren die ganze Zeit da und können jetzt nur offener gelebt werden.

Demokratischen Errungenschaften wie Umweltschutz, Frauen- und Minderheitenrechte sind bedroht. Woran diese Radikalisierung liegt, ergründen die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey in ihrem Buch "Zerstörungslust".

Schützenvereine haben in Deutschland Tradition, können aber von Rechtsextremisten genutzt werden, um legal an Schusswaffen zu gelangen. Die Vereine bemühen sich, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Sollte auch das Waffenrecht verschärft werden?

Henriette Reker ist wohl die einzige Politikerin Deutschlands, die im künstlichen Koma lag, als sie gewählt wurde: Die Kölner Oberbürgermeisterin wurde vor zehn Jahren im Wahlkampf von einem Rechtsextremen niedergestochen.

Juden in Deutschland werden seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vor zwei Jahren vermehrt angefeindet, zeigt eine neue Studie. Auch die antisemitischen Straftaten sind deutlich gestiegen. Kann der Antisemitismus gestoppt werden?

Wie ist Björn Höcke aufgewachsen? Wie prägt ihn seine Familiengeschichte bis heute? Der Journalist Frederik Schindler hat eine Biografie über den Partei-Rechtsaußen der AfD geschrieben. Extrem rechtes Gedankengut zieht sich durch sein Leben.

Wie man im wiedervereinigten Deutschland aufwachsen kann, darüber hat Rapper und Autor Hendrik Bolz geschrieben. Die Nullerjahre waren für ihn ein Trauma. Arbeitslosigkeit, Härte, Gewalt und emotionale Verwahrlosung verarbeitet er erst heute.

Am 3. und 4. Oktober wählt Tschechien ein neues Parlament. Der Populist Andrej Babiš hat hohe Chancen, den Ministerpräsidenten Petr Fiala abzulösen. Für eine Mehrheit müsste er aber mit extremistischen Parteien zusammenarbeiten.

Österreich war einst ein mächtiges Imperium. Heute ist es ein kleiner EU-Staat mit einer mächtigen rechten Partei. Historiker sagen: Das eine hat mit dem anderen zu tun. Man erinnert sich halt lieber an die Monarchie als an Nazi-Schuld.

Nach dem Anschlag in Mölln 1992 erhält die Stadt viele Briefe für die Hinterbliebenen. Warum sie dort erst nach 30 Jahre ankommen, thematisiert der Film "Die Möllner Briefe". Regisseurin Martina Priessner spricht von "institutionellem Rassismus".

Angesichts des zunehmenden Rechtsextremismus an Schulen braucht es demokratische Grundbildung mehr denn je. Statt Kürzungen bei der Bildung sollte eher mehr Geld investiert werden: für mehr Lehrer, überlastete Beratungsangebote und Schulsozialarbeit.

Hakenkreuze, rassistische Beleidigungen und Bedrohungen von Lehrkräften und Schülern: Die Zahlen solcher und ähnlicher rechtsextremer Vorfälle an Schulen in Deutschland steigen. Was sind Ursachen? Und wie können Lehrende besser unterstützt werden?

Michel Friedman sollte im Literaturhaus Klütz über Demokratie sprechen – aber er wurde ausgeladen. Erst hieß es wegen Sicherheitsbedenken, später wegen Finanzgründen. Der Autor warnt vor gefährlichen Eingriffen der Politik in die Freiheit der Kultur.

Angesichts der Erfolge rechter Parteien sollten wir uns auf etwas besinnen, was zuletzt oft als verpönt galt – die Moral: Das fordert die Schriftstellerin Anne Rabe in ihrem Essay "Das M-Wort". Sie schreibt mit scharfem Blick und spitzer Zunge.

Das tödliche Attentat auf den rechtsradikalen Charlie Kirk hat eine Internet-Gruppierung auf die große Bühne gezogen: Die Groypers. Wo kommt die einflussreiche, lautstarke Community her? Außerdem: neue, diskriminierende digitale Grenzsysteme der EU.

Nein, war er nicht. Doch in rechten Kreisen hört man diese Lüge neuerdings wieder öfter: Die Nationalsozialisten seien links gewesen, schon allein wegen der „Sozialisten“ im Namen. Wer das erzählt, verfolgt damit ein bestimmtes Ziel.

Warum begeisterten sich so viele Deutsche für Adolf Hitler und beteiligten sich an einem beispiellosen Vernichtungskrieg und Massenmord? Der Historiker Götz Aly sucht nach einer schlüssigen Erklärung, die umfangreich und differenziert ausfällt.

Lange litt Canberk Köktürk unter übermächtiger Angst, begründet durch den Anschlag von Hanau und den NSU-Komplex. Teils aber kam die Angst auch aus ihm selbst. Er schreibt von Ausgrenzung, Anpassung, Entfremdung und Gewalt – mit Wut und viel Humor.

Bei den Kommunalwahlen in NRW können 14 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Aber dort wie auch in Sachsen-Anhalt sind die Umfragewerte der AfD für die etablierten Parteien beunruhigend. Was können sie der angeblichen "Alternative" entgegensetzen?

Mit der Gründung der AfD wittert die Neue Rechte ihre Chance, aus der Nische herauszukommen. Es gelingt zwar, die Partei nach rechts zu verschieben, aber die parteiinternen Richtungskämpfe führen auch zu Verwerfungen innerhalb der Bewegung.

Im Zuge der Debatten um die Wehrmachtsausstellung in den 1990er-Jahren beginnt eine Neue Rechte, eigene historische Deutungsmuster zu etablieren. Die Bewegung um Vordenker wie Götz Kubitschek setzt bewusst auf langfristige Einflussnahme.

1968 bedeutete auch für rechte Denker eine Zäsur: Einer welthistorischen Liberalisierung hatten sie nichts entgegenzusetzen. Also versuchten sie, den Geist der 68er für ihre Zwecke zu nutzen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich rechte Intellektuelle und Netzwerke neu organisieren. Sie konnten sich nicht mehr offen auf den besiegten Nationalsozialismus berufen, suchten aber Wege, ihre Ideologie in die junge Bundesrepublik zu retten.

Semiyas Vater Enver Şimşek wurde am 9. September 2000 niedergeschossen. Auch Gamze Kubaşıks Vater wurde vom NSU ermordet. Im Kampf um Aufklärung und Erinnerung wurden sie zu Freundinnen.

Nach dem Krieg konnten rechte Denker nicht an vorherige Traditionen anknüpfen, weil ihre Vorbilder mit dem NS-Regime verstrickt waren. Der Schweizer Publizist Armin Mohler suchte einen Ausweg – und fand die „Konservative Revolution“.

25 Jahre nach dem ersten NSU-Mord gebe es immer noch viele ungeklärte Fragen, kritisierte Sachsens Innenminister Schuster. Auch, dass die überlebende NSU-Terroristin Zschäpe in ein Aussteigerprogramm aufgenommen wurde, empfinde er als "befremdlich".

Als der NSU Enver Şimşek ermordete, wurde dessen Familie verdächtigt, den Mord beauftragt zu haben. Bis heute ist Semiya Şimşek über das Versagen der Behörden und die Behandlung der NSU-Terroristin und Mittäterin Beate Zschäpe erschüttert.

Ihre Väter wurden von den Rechtsterroristen des NSU ermordet. Das prägt das Leben von Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık. Jetzt erzählen sie ihre Geschichte - von Trauer, Demütigung, Verdächtigungen und Freundschaft.

Am 9. September 2000 fand der erste Mord des "Nationalsozialistischen Untergrunds" statt: In Nürnberg wurde der Blumenhändler Enver Simsek getötet. Neun weitere Morde folgten. Die Hinterbliebenen warten bis heute auf viele Hintergründe zu den Taten.

Rechtspopulisten zerstören Demokratien schleichend, warnt Autor Richard C. Schneider. Erfolg haben sie unter anderem, weil sie Feindbilder wie Migranten, Eliten oder die EU schaffen, während klassische Parteien es nicht schaffen, Probleme zu lösen.