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Leichtathletik-Skandal "Das Ganze offenbart unglaublich viel Korruption"

Der Betrugs- und Korruptionsskandal im Leichtathletikweltverband IAAF zieht immer größere Kreise. Führende Funktionäre sollen nach Schutzgeldzahlungen Blutwerte von mindestens sechs russischen Sportlern ignoriert haben. Die Enthüllungen zeigten erneut, vor welchem Scherbenhaufen der Weltverband stehe, sagte der ARD-Journalist Hajo Seppelt im DLF.

Hajo Seppelt im Gespräch mit Astrid Rawohl | 26.11.2016

Headquarters des IAAF in Monaco
Headquarter des IAAF in Monaco (imago sportfotodienst)
Am 9. Dezember wird der zweite Teil des McLaren-Reports in London vorgestellt. Man könne davon ausgehen, dass dieser Bericht handfeste Beweise für systematisches Staatsdoping in Russland liefere. Dabei spiele auch Vize-Ministerpräsident Witali Mutko eine sehr sensible Rolle. "Nach allem, was man hört, kann es für ihn sehr eng werden."
Nach neuesten Erkenntnissen der ARD-Dopingredaktion und der französischen Tageszeitung "Le Monde" sollen führende Funktionäre des Weltleichtathletikverbands IAAF gezielt Blutwerte von mindestens sechs russischen Athleten ignoriert haben, die auf Doping schließen lassen – gegen Zahlungen von jeweils mehreren hunderttausend Euro.
Bisher keine Reaktionen des Weltverbands
Laut den Unterlagen, die der ARD-Dopingredaktion vorliegen, sind die sechs Athleten Teil einer Liste von 23 Sportlern, die im Zusammenhang mit der Dopingvertuschung auftauchen. Bei den verbleibenden 17 Athleten – ebenfalls aus Russland - gebe es jedoch keine ganz konkreten Hinweise auf Zahlungen, so Seppelt.
In den Dokumenten gebe es auch Hinweise darauf, dass Athleten anderer Nationen auffällige Blutwerte hätten und womöglich auch in die Schutzgeld-Zahlungssysteme verwickelt gewesen seien – darunter ein britischer Olympiasieger. "Allerdings muss man hier klar sagen: Dafür gibt es gar keine Belege. Das sind einfach nur Behauptungen", sagte der Doping-Experte. Dazu seien jetzt noch weitere Recherchen notwendig.
Der Weltleichtathletikverband reagiere auf die Behauptungen zurzeit nicht, so Seppelt. Interviewanfragen habe man bisher abgelehnt. Die erneuten Enthüllungen zeigten, wie massiv der Scherbenhaufen sei, vor dem der Weltverband stehe.
Das gesamte Gespräch können Sie nach der Sendung mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.