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Leichtathletik-WM 2019
Französische Justiz weitet Korruptionsermittlungen aus

Im Rahmen der Korruptionsermittlungen um die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 an Katar haben die französischen Behörden neben dem Ex-Präsidenten des Leichtathletik-Weltverband, Lamine Diack, weitere Verdächtige ins Visier genommen. Zu ihnen gehören offenbar auch zwei hochrangige Fußball-Funktionäre aus Katar.

Von Thomas Kistner | 22.05.2019

Präsident des französischen Fußball-Clubs Paris Saint Germain, Nasser Ghanim Al-Khelaifi
Der Multimanager Nasser Al-Khelaifi ist unter anderem Präsident des französischen Fußballmeisters Paris Saint-Germain (dpa / Vincent Isore)
Die Pariser Sonderstaatsanwaltschaft will neben Diack auch Youssef al-Obaidly anklagen, den Generaldirektor des katarischen TV-Senders beIn Sports. Der 40-jährige ist die rechte Hand des Senderchefs Nasser Al-Khelaifi und sitzt im Verwaltungsrat von Fußball-Meister Paris Saint-Germain. Al-Obaidly soll an Korruptionsabsprachen beteiligt gewesen sein.
Spur führt zu Multimanager al-Khelaifi
Es geht dabei um den Verdacht, dass die Leichtathletik-WM in Katar im kommenden Herbst gekauft worden ist. Während Ex-Leichtathletik-Weltverbandspräsident Lamine Diack Katars WM-Kandidatur vorantrieb, soll Schmiergeld an die Firma seines Sohnes "Pamodzi Sport" geflossen sein. Diese soll 3,5 Millionen Dollar von der katarischen Sportmarketing-Agentur "Oryx" kassiert haben. Und die wiederum gehört al-Khelaifi und dessen Bruder.
Diack sitzt vor einer weißen Wand mit roter Schrift vor einem Mikrofon und gestikuliert mit beiden Händen. 
Unter Korruptionsverdacht: Der ehemalige Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbands (IAAF), Lamine Diack (AFP / GREG BAKER)
Damit rückt auch al-Khelaifi stärker ins Visier der Ermittler. Er ist ein Multimanager: Ihm gehört nicht nur die Sportmarketing-Agentur, er ist zudem Chef des Fernsehsender beIn Sports, und er ist Präsident von Paris Saint Germain. Damit ist al-Khelaifi eine zentrale Figur im Sport, wo sich Katar auf fragwürdige Art als Global Player etabliert hat. Untersucht wird bekanntlich auch seit Jahren, wie die Fußball-WM 2022 in den Golfstaat kam.
Ermittlungen gegen al-Khelaifi in der Schweiz
Dass die Pariser Justiz al-Khelaifi nicht als Beschuldigten führt, hat nach Aktenlage auch prozesstaktische Hintergründe: In der Schweiz wird schon gegen den beIN-Senderchef ermittelt. Er soll, was er bestreitet, den früheren FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke bei der Vergabe von Fußball-WM-Rechten bestochen haben. Und Beschuldigte dürfen schweigen.