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StartseiteStreitkulturBrauchen wir ein Sexkaufverbot? 10.08.2019

Leni Breymaier vs. Sonja Dolinsek Brauchen wir ein Sexkaufverbot?

Vor 20 Jahren hat sich Schweden daran gemacht, die Prostitution auszurotten - mit einem Gesetz, das die Freier kriminalisiert. Sollte es auch in Deutschland ein solches Sexkaufverbot geben?

Moderation: Manfred Götzke

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Anders als viele nordeuropäische Staaten hat Deutschland vor knapp 20 Jahren die Prostitution liberalisiert und zu einem "normalen" Job gemacht. Prostituierte können sich zum Beispiel kranken- und sozialversichern. Doch das Prostitutionsgesetz führte auch zu Auswüchsen wie Großbordellen, Flatrate-Bordellen und Sextourismus aus Frankreich. Brauchen wir also auch in Deutschland ein Sexkaufverbot?

PRO: Leni Breymaier, Bundestagsabgeordnete der SPD, Berichterstatterin ihrer Partei für Zwangsprostitution, Gründerin einer Ausstiegsorganisation für Prostituierte

"Wir brauchen ein Sexkaufverbot - aber nicht alleine. In Schweden haben sie auch die Entkriminalisierung der Frauen und Ausstiegshilfen und darüber hinaus seit vielen Jahren breite Sexualaufklärung. Diese Komponenten müssen zusammen kommen. Allein ein Sexkaufverbot bringt es nicht. Wir haben damals einen anderen Weg gewählt, die Liberalisierung der Prostitution, mit Weiterungen, die wir noch gar nicht überblicken und mit täglichen Menschenrechtsverletzungen in den Bordellen und auf dem Straßenstrich."

KONTRA: Sonja Dolinsek, Historikerin an der Humboldt Universität, sie promoviert zum Thema Sexarbeit und Prostitutionspolitik im 20. Jahrhundert

"Würden wir in Deutschland dieses prohibitionistische Modell einführen, wäre das ein Rückschritt. Zum einen würden Kunden von einvernehmlicher Prostitution kriminalisiert. Es geht an einer Bekämpfung von Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel vorbei. Zum anderen müssten viele Dinge rückgängig gemacht werden. Es gäbe zum Beispiel keine legalen Arbeitsplätze mehr, sie wären nicht mehr sozialversichert und könnten nur noch alleine im Wald oder auf der Straße arbeiten."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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