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StartseiteCampus & Karriere„In der Berufsausbildung konnte man die Verantwortung abgeben“09.10.2019

Leon, Notfallsanitäter„In der Berufsausbildung konnte man die Verantwortung abgeben“

Leon arbeitet seit einem Jahr als Notfallsanitäter bei der Johanniter Unfallhilfe in Lübeck. Zu helfen macht ihm Spaß - auch wenn die Einsätze ihn emotional nicht kalt lassen.

Von Astrid Wulf

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Leon steht vor einem Rettungswagen (privat)
Ärgerlicherweise rufen Menschen manchmal auch den Rettungswagen, weil sie Husten haben (privat)
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Was verdienen Sie?

Als Berufseinsteiger verdient man ungefähr 3.000 Euro brutto, dann kommt noch dazu, dass man Schichtzulagen bekommt, Nachtdienste und Sonntagsdienste extra vergütet werden. Netto lande ich bei ungefähr 2.100 Euro monatlich, in Lübeck kommt man damit super klar.

Was war beim Berufseinstieg anders als erwartet?

Vom Inhalt her ehrlich gesagt nicht so viel, weil man während der Ausbildung einen sehr hohen Praxisanteil hatte und deswegen den Alltag im Rettungsdienst schon sehr gut kannte. Anders als gedacht war, dass ich Einsätze auch mit nach Hause genommen hatte, mich mit meiner Partnerin darüber unterhalten habe. Das war eben in der Berufsausbildung nicht so. Da konnte man die Verantwortung abgeben und musste sich da keine großen Gedanken darüber machen.

Jemand geht eine Treppe hinauf und wirft Schatten (imago images / alimidi)In der Reihe „Karrierestart“ erzählen junge Menschen, wie sie den Start in den Beruf erlebt haben (imago images / alimidi)

Was an ihrem Job macht Spaß?

Spaß macht am Job vor allem, dass man viele diagnostische Maßnahmen, körperliche Untersuchungen machen kann, Fragen stellen am Patienten, um dann herauszufinden – woran liegt das, dass es dem Patienten in der Situation so schlecht geht. Außerdem macht es mir Spaß, den Leuten einfach zu helfen, wenn es ihnen nicht gut geht, wenn sie jemanden brauchen, der ihnen beisteht in der Situation.

Was an ihrem Job nervt manchmal?

Nerven tut das, wenn man mit Blaulicht zu Patienten fährt, die nicht ernsthaft erkrankt sind, die Bagatellverletzungen haben. Zum Beispiel, wenn sich jemand mit dem Küchenmesser in den Finger schneidet. Oder bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Das sind Einsätze, wo wir mit Blaulicht hinfahren. Ich meine – wir riskieren zwar nicht unser Leben, aber die Unfallgefahr während so einer Fahrt ist schon deutlich erhöht. Und das kann schon frustrierend sein.

Wurden Sie für den Joballtag gut ausgebildet?

Sehr gut. Während der Ausbildung hat man zwar auch einen schulischen Anteil, aber der Praxisanteil ist deutlich höher und dadurch lernt man den Alltag von Grund auf kennen.

Und sonst so?

Also ich kann mich nicht vorstellen, den Job ein Leben lang zu machen. Wenn ich daran denke, dass ich mit 60 Jahren zum Beispiel einen Patienten aus dem dritten Obergeschoss nach unten tragen muss. Deswegen denke ich, dass mich mein Weg noch woanders hin verschlägt, ich überlege noch, Medizin zu studieren.

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