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StartseiteCampus & KarriereBerlin hilft benachteiligten Schülerinnen in den Osterferien07.04.2020

"Lernbrücke" für bildungsferne FamilienBerlin hilft benachteiligten Schülerinnen in den Osterferien

Mit einer sogenannten "Lernbrücke" sollen benachteiligte Schüler in Berlin während der Osterferien schulisch unterstützt werden. Digitale Endgeräte zum Ausborgen oder morgendliche Online-Absprachen gehören dazu. Doch es sollen auch analoge Angebote geben, etwa Bildungspakete per Post.

Von Claudia van Laak

Ein Junge sitzt mit seinem Schulranzen auf einer Tischtennisplatte auf einem Spielplatz in Berlin und spielt auf einem Smartphone (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Den Bildungsalltag zuhause zu strukturieren wollen Sozialarbeiter, die an dem Programm "Lernbrücke" beteiligt sind (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
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Die elfjährige Mandy wird zuhause oft geschlagen. Ihre Eltern sind beide arbeitslos, leben von Hartz IV. Mandy flüchtet normalerweise in die Schule. Dort bekommt sie Unterstützung von ihrer Lieblingslehrerin, mittags ein warmes Essen, am Nachmittag Nachhilfestunden – und sie freut sich auf die Tanz AG jeden Mittwoch. Und jetzt?

Mandy ist eine fiktive Person - aber Schülerinnen und Schüler wie sie sitzen gerade zu Tausenden zuhause und werden nicht genügend gefördert, sagt Frank Hinte, der Geschäftsführer der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Besonders bedürftige Kinder identifizieren

"Und man tatsächlich davon ausgehen muss, dass viele Schülerinnen und Schüler, die in instabilen Haushalten leben, oder in bildungsfernen oder benachteiligten Haushalten leben, dass die in einer Situation sind, wo die Eltern das nicht kompensieren können. Weil die Eltern selber nicht dazu in der Lage sind oder weil gerade arge Existenzsorgen drücken."

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Science Photo Library)

3,2 Millionen Euro nimmt der Berliner Senat in die Hand, um diese benachteiligten Schülerinnen und Schüler in der Krise besonders zu unterstützen. Als erstes sollen Lehrkräfte von Brennpunktschulen besonders bedürftige Kinder identifizieren und benennen, in einem zweiten Schritt nehmen dann Sozialpädagogen den Kontakt mit diesen Familien auf, erläutert SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

"Es geht auch darum, Eltern immer wieder anzusprechen, dass sie auch bei ihren Kindern immer wieder am Ball bleiben. Dieses wollen wir auch in unterschiedlichen Sprachen durchführen, da kann ich mir Zettel in unterschiedlichen Sprachen vorstellen, die in den Briefkasten geworfen werden, das ist nur eine Idee."

Digitale Endgeräte ausleihen, Lernorte außerhalb schaffen

Schülerinnen und Schüler ohne Internetanbindung – ja, sie gibt es noch – könnten digitale Endgeräte ausgeliehen bekommen. Wenn große Familien ganz besonders beengt leben, müssen wir auch über Lernorte außerhalb nachdenken, sagt Frank Hinte von der Kinder- und Jugendstiftung.

"Wir gucken, ob wir vielleicht doch auch in der Zeit des Kontaktverbots den ein oder anderen Ort öffnen können, wo mal ein, zwei Jugendliche mit ausreichend Abstand sich hinsetzen können und Geräte nutzen können, die sonst mehreren Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen. Es gibt sicherlich auch die Chance, dass der ein oder andere Träger mal ein Gerät abgibt und hinterlässt."

"Was ich sagen wollte, Sarah, Du siehst auf der rechten Seite verschiedene Symbole, das oberste ist Präsentation." Im Jugendclub "Drop in" in Berlin-Friedrichshain: Mitarbeiter Dominik Aurbach sitzt am Laptop macht mit seinen Kolleginnen und Kollegen technische Tests für das virtuelle Klassenzimmer.

"…du kannst da auch ein You tube Video verlinken und abspielen, Du kannst in den Kameramodus gehen, so dass wir uns alle sehen."

Der Verein "Drop in" ist Teil der vom Senat gestarteten Lernbrücke. Vor wenigen Tagen haben wir erst erfahren, dass wir dabei sind, sagt Vorstandsmitglied Joest Schmidt, jetzt wird improvisiert.

Der Verein hat bislang mit geflüchteten Jugendlichen gearbeitet. Diese hätten zwar alle ein Smartphone, aber nur die wenigstens einen Laptop oder einen PC.

"Wenn wir jetzt zum Beispiel unsere Tafel filmen und da was drauf schreiben oder ein Arbeitsblatt draufkleben, kann man das auf dem Handy dann auch so lesen, dass man das gut bearbeiten kann? Das sind die großen technischen Herausforderungen, die wir in den nächsten Stunden und Tagen zusammen mit den Schülerinnen und Schülern bearbeiten müssen."

Bildungsalltag zuhause strukturieren helfen

Die Sozialarbeiter vom Verein "Drop in" gehen davon aus, dass sie nicht alle Lernbrücken digital schlagen können. Sie wollen auch "Bildungspakete" packen und diese per Post Kindern und Jugendlichen aus bedürftigen Familien zusenden. Mit Blocks und Stiften, mit Übungsblättern.

"Und vor allem wollen wir dabei helfen, den Bildungsalltag zuhause zu strukturieren. Tagespläne entwerfen, ein Angebot machen, dass man sich morgens über eine Online-Plattform kurz abspricht, gemeinsam in den Tag startet, guckt, wann ist da Zeit für Freizeit, wann ist Zeit für häusliches Lernen, wann ist Zeit am Handy rumzudaddeln, aber eben zeitlich begrenzt."

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres denkt auch schon an die Zeit danach. Wenn das Kontaktverbot gelockert, die Schulen aber noch nicht offiziell wieder eröffnet sind.

"Hier wollen wir dann den Weg gehen, kleine Lerngruppen anzubieten. Hier ist die Identifikation durch die Schulen wichtig, welche Schüler brauchen zusätzlich dieses Lernangebot durch die Träger, wir können uns auch vorstellen, die Lehrkräfte da miteinzubinden, also dass die Pädagogen unterstützt werden in den kleinen Lerngruppen durch die Lehrkräfte."

Die Berliner Verwaltung – normalerweise nicht für ihre Schnelligkeit bekannt – hat die Lernbrücke, also das Hilfsprogramm für besonders benachteiligte Kinder und Jugendliche, in kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Ein großes Lob gibt es dafür von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Geschäftsführer Frnak Hinte geht davon aus, ...

"... dass das ein beispielgebendes, sehr mutiges Programm ist, das sehr schnell helfen wird."

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