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Verena Güntner liest aus ihrem Roman „Power“ (1/2)
(Teil 2 am 22.7.2020)

Das elfjährige Mädchen namens Kerze schwört, den verschwundenen Hund der alten Hitschke wiederzuholen. Power heißt der, wie der neue Roman von Verena Güntner. Erst nimmt Kerze mit symbolischen Mitteln seine Fährte auf, später mit mimetischen. Kerze malt den Hund, beschreibt ihn, trägt die Aufzeichnung über ihrem Herzen. Sie zeichnet sein Konterfei auf ihr T-Shirt, läuft in den Wald, ruft nach ihm, wirft Stöckchen, bellt und jault, wird selber Hund. Als ersten reißt sie Spiderflori mit sich in den Wald, den mit dem Spiderman-Shirt, dann weitere Kinder, am Ende alle. Sie laufen auf allen Vieren, mit dem Kopf im Dreck schnüffelnd auf Powersuche. Kerze hat sie animiert, und es sieht aus, als hätte sie in den Kindern die tierische Lust, Tier zu werden, geweckt. Eine Art der Freiheit. Doch es ist eher gegenteilig: Kerze agiert in Namen eines Höheren, den sie auch mal „Keingott“ nennt, aber letztlich ihr eigener Despotismus der Pflicht ist, Power zu finden. Was aussieht wie eine Gesellschafts-Parabel à la „Herr der Fliegen“ entpuppt sich als Effekt einer symbolischen Machtergreifung. Verena Güntner hat eine fremdwirkende kraftvolle Parabel geschrieben, deren Pointe darin besteht, nicht zu Ende deutbar zu sein.
Verena Güntner, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Romandebüt „Es bringen“ (2014) wurde für die Bühne adaptiert und mit dem deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, Sie lebt in Berlin. Verena Güntner liest selbst einen ersten Teil aus „Power“.
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