Montag, 09.12.2019
 
Seit 05:30 Uhr Nachrichten
StartseiteStudio LCBCharles Baudelaire: "Der Spleen von Paris"26.10.2019

Lesung und GesprächCharles Baudelaire: "Der Spleen von Paris"

"Wo alles Ungeheure so wie eine Blume sprießt" - dieser ungeheuerliche Ort ist Baudelaires „Der Spleen von Paris“ selbst. Ein berüchtigtes Buch, ein Klassiker der Weltliteratur, der jetzt in neuer Übersetzung von Simon Werle vorliegt.

Simon Werle, Walburga Hülk und Heinz Schlaffer im Gespräch mit Katharina Teutsch

Charles Baudelaire (imago/Leemage)
Begnadeter Textlieferant: Charles Baudelaire (imago/Leemage)
Mehr zum Thema

Vor 150 Jahren Der französische Schriftsteller Charles Baudelaire gestorben

Buch der Woche: Gedichte von Baudelaire "Blumen des Bösen" neu übersetzt

Charles Baudelaire: "Les Fleurs du Mal" Der Klassiker neu und kongenial übersetzt

Baudelaire gilt heute als Begründer der modernen Großstadtpoesie und als Prototyp des modernen Dichters. Während Flaubert von seinem Zensurprozess gegen Madame Bovary profitierte und bald in den höchsten Gesellschaftskreisen verkehrte, blieb Baudelaire wegen seines vermeintlichen "Immoralismus" ein Außenseiter. Der glühende Revolutionär gehörte zum poetischen Prekariat des Zweiten Kaiserreichs. Und er schrieb über prekäre Existenzen: über Trinker, Bettler, Huren und Tagelöhner.

Simon Werle hat nach den ‚Fleur du Mal‘ nun auch Baudelaires zweite große Gedichtsammlung neu übersetzt. Der ‚Spleen de Paris‘ steht im Zentrum dieses Abends. Frankreich unter Napoléon III war zwischen restaurativen und modernisierenden Kräften gespalten. Unzählige Pariser hatten durch den Hausmannschen Kahlschlag ihr Zuhause verloren. Während die Monarchie sich in glanzvollem Retrochic präsentierte, hatte die Gesellschaft mit allen möglichen Modernisierungsschüben zu kämpfen. Neue Eisenbahnlinien zerschnitten das Land. Außerhalb Frankreichs nahm das koloniale Wettrüsten seinen Lauf. Die Börsenspekulation und der großstädtische Konsum, aber auch das Elend der Grubenarbeiter prägen die Jahrzehnte im zweiten Kaiserreich. Fortschritt, das hat Baudelaire geschrieben, sei die "Abnahme der Seele und die Zunahme der Materie".

Mit Simon Werle diskutieren die Literatur- und Kulturwissenschaftler Heinz Schlaffer und Walburga Hülk.

Ausschnitte der Veranstaltung können Sie auf DichterLesen.net nachhören:Der Spleen von Paris. Simon Werle u. a. im Studio LCB (Audio)
Lesung:
Simon Werle
Gesprächspartner: Walburga Hülk, Heinz Schlaffer
Moderation: Katharina Teutsch

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk